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Kleines Handicap und große Vorfreude

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Die Heim-Weltmeisterschaft in Oberstdorf ist auch sein großes Ziel: Skilangläufer Andreas Katz vom Stützpunkt Ruhpolding. (Foto: Wukits) Foto: Ernst Wukits

»Wir haben es bis jetzt ganz gut gemacht«: Skilangläufer Andreas Katz (SV Baiersbronn) vom Stützpunkt Ruhpolding meint damit sowohl den Verlauf der sportlichen Vorbereitung, als auch dem Umgang im Team mit den vorbeugenden Maßnahmen gegen Corona. Das Team war schon bei Schnee-Lehrgängen am Dachstein und in Davos (Schweiz), seit Donnerstag findet die unmittelbare Weltcup-Vorbereitung in Finnland statt, wo das Team zunächst in Muonio weilt.


Sowohl bei den zehn Tagen Aufenthalt am Dachstein als auch in der Woche in Davos »hatten wir gute Verhältnisse.« Am Dachsteingletscher »war alles super präpariert, auch in Davos war es sehr gut. Allerdings war dort der Schnee teilweise etwas langsamer.« Dennoch tat es gut, eine weitere Trainingswoche auf dem weißen Untergrund verbringen zu können, »wir hatten heuer schon viele Schnee-Kilometer«, freut sich der Routinier.

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In Davos sei auch organisatorisch »alles gut geregelt« gewesen: »Vom Bus bis zur Loipe hatten wir natürlich die Maske auf, und es gab jeweils festgelegte Zeiten, in denen die Loipe für uns Profisportler reserviert war.« Daher wurde oft in der Früh schon ab sieben Uhr trainiert – was auch den Vorteil hatte, »dass um diese Zeit der Schnee noch sehr gut war.«

Es gab auch weitere Corona-Vorsichtsmaßnahmen für das Team. Neben den üblichen Hygienemaßnahmen am Stützpunkt gab es vor und in den Trainingslagern schon Corona-Tests. »Da muss man das richtige Zeitfenster erwischen, damit die gültig sind. Da dauert es noch etwas, bis das Routine ist.« Insgesamt sei der organisatorische Aufwand höher geworden.

Viele vorbeugende Dinge sind für Katz als Leistungssportler aber auch schon aus früheren Jahren vertraut: »Ab Oktober trifft man nicht mehr so viele Leute, versucht, Kontakte zu verringern.« Zudem waren schon beim vorherigen Trainingslager »nur je drei Leute – jeder mit eigenem Zimmer – in einer Ferienwohnung untergebracht.« Und ausschließlich jenes Trio saß dann gemeinsam im Bus, um auch zu viele Kontakte im Team zu vermeiden.

Desinfektionsmittel dagegen »hatten wir auch in den Vorjahren schon am Flughafen und im Hotel dabei. Dass ich mir vor dem Essen die Hände desinfiziere, mache ich schon immer so.« Und: Wer etwa im Quartier eine leichte Erkältung bekommt, darf auch nicht zu den »Kernzeiten« mit den anderen Sportlern essen; die verschiedenen Nationen sind ohnehin voneinander getrennt. »Man muss nicht unbedingt Angst haben, sondern tun, was man tun kann«, weiß Katz.

Im Trainingslager herrsche ohnehin meist der Rhythmus: Raus auf die Loipe – Pause mit Essen – wieder auf die Loipe. Skilanglauf ist Einzelsport, »und in Skandinavien sieht man sonst höchstens noch ein paar Rentiere auf der Loipe«, lacht Katz.

So erfreulich die Vorbereitung für das Team und auch ihn verlief, ein Handicap bleibt (noch): Er spürt immer noch einen Trainingsausfall vom Frühjahr, als er wegen einer Erkrankung (Gürtelrose) pausieren musste. »Ich merke schon, dass ich noch nicht ganz so weit bin.«

Doch die Richtung scheint zu stimmen. Etwa alle sechs Wochen absolvieren die Sportler Laufbandtests, so wie jetzt beim kurzen Zwischenstopp in der Heimat. Da ging es auf dem Band »zu Fuß gut zehneinhalb Prozent Steigung hoch.« Und bei diesem längeren Test »habe ich schon eine kleine Verbesserung gespürt.«

Daher hofft Katz: »Es sollte bis Ende Februar passen.« Denn da beginnt die Heim-Weltmeisterschaft in Oberstdorf, die ja das große Ziel der Aktiven ist. Das Training sei genau darauf ausgerichtet, berichtet der 32-Jährige. Jetzt seien noch hohe Trainingsumfänge vorgesehen, die auf jeden Fall im Januar einmal reduziert werden sollen, »dann hat man bei den folgenden Wettkämpfen mehr Frische.«

Diese Einteilung der Saison hatte Katz bereits im vergangenen Winter ausprobiert, »und da hatte ich auch beim Weltcup in Oberstdorf (12. im Skiathlon) meine beste Saisonleistung.« Auf Bewährtes setzt Katz – der als Sportsoldat von der Bundeswehr gefördert wird – auch beim Material. Zum einen, weil er mit seinen Skiern sehr zufrieden ist, zum anderen müsse man ja überhaupt froh sein, »dass man weiter die Unterstützung bekommt.« Schließlich sei die finanzielle Situation für viele Firmen auch schwierig – wobei Katz die Lage für den Skilanglauf allgemein aber eher zuversichtlich sieht: »Ich glaube, dass heuer – falls es genug Schnee gibt – viele Leute zum Langlaufen gehen werden. Schließlich wollen alle irgendwie raus, und daher ist für viele der Langlauf-Sport perfekt.«

Das gilt auch für Katz. Nun bereitet er sich mit seinen Teamkollegen akribisch vor, damit dann auch die Wettkämpfe möglichst »perfekt« verlaufen. »Jetzt müssen wir die Saison erst mal anlaufen lassen und sehen, wie das alles funktioniert. Man beobachtet schon die Infektionszahlen und wie es in den anderen Ländern ist.«

In Norwegen etwa werden die Quarantäne-Regeln durchaus streng gehandhabt. Dennoch sei die Reise vom ersten Weltcup in Ruka (Finnland/27. bis 29. November) nach Lillehammer (4. bis 6. Dezember) kein Problem, hatte Katz vermutet – doch inzwischen wurde der Weltcup in Lillehammer abgesagt. Hätte er stattgefunden, hätten die Profisportler als »Geschäftsreisende« gegolten – das heißt, vom Hotel zur Strecke und zurück dürfen sie sich bewegen. Ein Rhythmus, der auch in anderen Jahren kaum anders ist.

Nun gilt es für Katz und seine Kollegen, den richtigen Rhythmus für die Wettkämpfe zu finden. Denn auch nach der Ski-WM will er sagen können: »Wir haben es ganz gut gemacht.« who

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