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Jungprofi gewinnt den Waginger See-Pokal

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Jungprofi Daniel Baumann vom TC Ismaning sicherte sich den Turniersieg bei der 41. Auflage des Waginger See-Pokals. (Foto: Weitz)

Erinnerungen wurden wach beim Finale des 41. Waginger Tennis-See-Pokals gestern an das Jahr 2000. Damals hatte Philipp Kohlschreiber – aktuell Deutschlands Bester auf der ATP-Tour – als 16-Jähriger triumphiert. Jetzt schickte sich ein 17-Jähriger an, als zweitjüngster Turniersieger hervorzugehen. Er heißt Valentin Günther, kommt aus Paderborn, spielt für den Bielefelder TTC und war im Vorjahr Vize-Europameister mit der deutschen U16-Nationalmannschaft. Aber es hat nicht gereicht, denn der topgesetzte Daniel Baumann (TC Ismaning) war einen Tick besser, siegte nach über zwei Stunden 6:4, 4:6, 6:2.


Damit wandelt Baumann auf den Spuren seines Trainers Stefan Eriksson, der den See-Pokal 1995 holte. Der 20-jährige Baumann lebt und trainiert in der Base des Bayerischen Tennisverbandes in Oberhaching und war vor zwei Jahren deutscher U-18-Meister im Doppel. Zu Weltranglistenpunkten hat es für den Jungprofi noch nicht gereicht, aber das dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Als nächste Aufgabe wartet für den gebürtigen Augsburger der Ländervergleich mit der bayerischen Auswahl bei den sogenannten Poensgen-Spielen in Halle/Westfalen. Baumann kassierte 1400 Euro und wichtige Punkte für die deutsche Herrenrangliste, in der er aktuell Platz 67 einnimmt.

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Finalgegner Valentin Günther fährt von Waging aus weiter nach Serbien, will Punkte sammeln für die ITF-Jugend-Weltrangliste. Großes Ziel des Ostwestfalen ist der Junioren-Wettbewerb bei den Australian Open in Melbourne im Januar 2016. Für Günther, der eine Profikarriere anstrebt, blieben immerhin noch 800 Euro.

Im Finale hatte es ein Novum gegeben, denn nach dem zweiten Ballwechsel musste der Platz gewechselt werden. Die Spieler wanderten von Court Nummer 2 auf Court Nummer 1. Grund war der Riss des Netzbandes. Dabei hatte Stuhlschiedsrichter Max Mühlbauer (Garching bei München) vor dem Endspiel die Netzhöhe noch exakt nachgemessen. Es musste etwas nachgestellt werden, aber bei der Korrektur machte offensichtlich die Technik nicht mit. Für die Finalisten war dies kein Problem.

Zwei heimische Spieler im Halbfinale

Mit Philipp Schroll (TC Piding) und Maximilian Wimmer aus Bernau waren zwei heimische Spieler ins Halbfinale gekommen. Beide zeigten eine große Leistung, am Samstag aber mussten sie sich verabschieden, wobei Wimmer gegen Günther ganz knapp dran war und nur hauchdünn 6:7, 5:7 unterlag. Schroll war gegen Baumann dagegen eher chancenlos in zwei Sätzen.

Etwas enttäuschend ist Andreas Kauntz nach Mittelfranken zurückgekehrt. Der 35-Jährige von TV Fürth 1860 hatte im Jahr 2008 den See-Pokal gewonnen und wollte heuer die Chance nutzen, als dritter Spieler überhaupt, den See-Pokal zwei Mal zu gewinnen. Aber daraus wurde nichts. Bereits in Runde zwei war Endstation und das glatt mit 1:6, 2:6 bei dem an sieben gesetzten Adrian Mast aus Heidelberg. »Heute war nichts drin, der Gegner war einfach stärker, das muss man anerkennen«, sagte Kauntz sportlich fair.

Es bleibt also dabei: In den 41 Jahren haben sich nur zwei Spieler zweimal in die Siegerliste eintragen können: nach dem Waginger Sepp Baumgartner (1981 und 1982) ist es der Tscheche Richard Drazny, der 2001 und 2005 am Waginger See triumphierte.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass auch die 41. Auflage des See-Pokals ein großer Erfolg war. »Dass wir zwei Jahre ausgesetzt haben, war nur bei der Qualifikation zu spüren, da haben einfach zu wenige Spieler gemeldet«, stellt Marcus Kleißl fest. Mit dem Hauptfeld sei er aber sehr zufrieden gewesen. Das Niveau habe durch die Pause nicht gelitten, ganz im Gegenteil, »wir haben hochklassige Spiele gesehen und das bei diesen Temperaturen«. In der Tat waren die Spieler zu bewundern. Während sich die Zuschauer in schattige Plätzchen verkrochen, mussten die Akteure vom ersten Tag an bei Temperaturen von weit über 30 Grad in praller Sonne aufschlagen – und das vier Tage lang. Vor allem der Freitag ging an die Subs-tanz, denn da standen Achtel- und Viertelfinale an.

Marcus Kleißl verspricht: Turnier gibt es auch 2016

«Das ist immer so bei uns gewesen, Klagen gab es keine«, erklärt Kleißl, der das familiäre Turnier in bester Manier organisierte und ein würdiger Nachfolger seines Vater Ludwig ist, der den See-Pokal 1973 erfand und ihn über Jahrzehnte leitete. »Ich bin ja da irgendwie reingewachsen, war schon einige Jahre in der Organisation dabei«, ergänzt der neue Chef.

Und 2016? »Da gibt es das Turnier dann zum 42. Mal«, verspricht Marcus Kleißl, der auch auf einen zuverlässigen Turnierausschuss bauen konnte, dem sein Vater angehörte, dazu noch der jüngere Bruder Christian Kleißl, Erich Feldbacher, Klaus Obermaier, Hans Friedrich, Matthias Praxenthaler, Silvia Christensen und Witas Krasauskeite. Und in der Turnierleitung fungierte zudem Wagings Sportwart Hubert Häcker. Wenig Mühe hatte auch der neue Oberschiedsrichter Michael W. Hofmann. »Die Spieler kennen sich bestens, da wird sehr fair gespielt«, freute sich Hofmann. Ein großer Erfolg war für den ausrichtenden TC Waging auch das erstmals stattgefundene Sommerfest. 200 Gäste feierten bei idealen Bedingungen. »Endlich hat es gepasst, es war der siebte Versuch, sechs Mal hatte es zuvor geregnet«, so Marcus Kleißl. kk