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Johannes Kühn: »Ruhpolding ist immer etwas Spezielles«

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Johannes Kühn – hier ein aktuelles Trainingsbild aus Norwegen – nimmt sich für die neue Saison einiges vor. Der Tüßlinger Biathlet des WSV Reit im Winkl hat mit seinem Titel bei der Deutschen Meisterschaft jedenfalls schon einmal aufhorchen lassen.

Im September ließ Johannes Kühn aufhorchen. Der Tüßlinger Biathlet, der für den WSV Reit im Winkl startet, wurde in Altenberg Deutscher Meister im Sprint und holte in der Verfolgung Bronze. Jetzt möchte der 27-Jährige, der am Stützpunkt Ruhpolding trainiert, auch im Weltcup für Furore sorgen. Im Interview mit unserer Zeitung verrät er, welche Ziele er sich für die neue Saison gesteckt hat.


Hallo Herr Kühn, am 2. Dezember beginnt die neue Weltcup-Saison im slowenischen Pokljuka. Wie lief denn Ihre Vorbereitung?

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Johannes Kühn: Die Vorbereitung lief soweit ganz gut. Bis auf zwei, drei kleinere Ausfälle bin ich gut durch den Sommer gekommen. Wir sind aktuell noch in Norwegen, die Bedingungen könnten besser sein, aber das hat man nicht immer selbst in der Hand. Da müssen wir uns mit den Gegebenheiten arrangieren.

Bei der Deutschen Meisterschaft in Altenberg haben Sie mit Ihrem ersten Einzeltitel bei einer Meisterschaft aufhorchen lassen. Neben dem Sieg im Sprint gab’s auch noch Bronze in der Verfolgung, haben Ihnen diese Erfolge Selbstvertrauen für den Winter gegeben?

Erst einmal war es schön, in den wichtigen Rennen eine gute Leistung abrufen zu können und zu sehen, dass das Training über den Sommer soweit funktioniert hat. Die Deutsche Meisterschaft ist zwar schon etwas anderes als der Weltcup im Winter, aber natürlich sind solche Ergebnisse gut für das Selbstvertrauen. Insofern hat mir das sicherlich nicht geschadet.

Sie sind läuferisch einer der Top-Athleten, nur mit dem Schießen haperte es die vergangenen Jahre immer wieder. Haben Sie darauf nun wieder einen Trainingsschwerpunkt gelegt?

Ich habe dieses Jahr den Fokus nicht speziell auf das Schießen gelegt. Ich habe versucht, konsequent an den Punkten aus dem letzten Jahr weiter zu arbeiten und mich noch zu verbessern. Das hat im Training soweit gut funktioniert. Ich hoffe, ich kann die Trainingsleistung dann auch im Wettkampf zeigen.

Welche Ziele haben Sie sich für die neue Saison gesteckt?

Das erste Ziel war, mich bei der Deutschen Meisterschaft gleich direkt fürs Weltcup-Team zu qualifizieren. Das hat schon mal geklappt. Jetzt heißt es, die Form auch im Winter gut auf den Punkt zu bekommen und dann werden wir sehen. Vergangene Saison war ich im Gesamtweltcup ja unter den Top 30. Wenn ich das verbessern könnte, wäre es gut. Und natürlich hofft man, auch eine gute Form bei der WM in Östersund zu haben und dort dann eben auch gute Leistungen abrufen zu können.

Beim Massenstart in Antholz in der vergangenen Saison haben Sie mit Platz fünf Ihr bisher bestes Weltcup-Ergebnis erzielt. Ist diesmal vielleicht sogar ein Weltcup-Sieg drin?

Ja, das war ein richtig gutes Rennen von mir. Wenn es mir gelingt, das Schießen etwas stabiler zu bekommen, ist viel möglich. In Östersund letztes Jahr war es ein Fehler zu viel für ganz vorne. Vielleicht gelingt es mir ja mal in einem Rennen, den dann entscheidenden Fehler weniger zu schießen, dann kann es auch mal weit nach vorne gehen. Aber erst mal gilt es, solide in die Saison zu starten und wenn die Form gut ist, können am Ende auch sehr gute Platzierung rauskommen.

Mit diesem Top-Platz in Antholz haben Sie sich damals auch im letztmöglichen Rennen für die Olympischen Winterspiele qualifiziert. In Pyeonchang durften Sie dann auch im Einzelrennen starten. War das ein besonderer Moment für Sie?

Olympia an sich war schon etwas Besonderes. Dass ich dann auch noch laufen durfte, war dann nochmals umso schöner. Auch wenn das Einzel nicht mein Lieblingsrennen ist, es war eine tolle Erfahrung.

Was haben Sie von Olympia mitgenommen?

Viele Eindrücke natürlich und tolle Momente mit dem Team. Auch wenn es zuschauertechnisch nicht so super war, war es extrem spannend und ein tolles Gefühl, bei einem so großen Event dabei gewesen zu sein.

2022 sind die Winterspiele in Peking. Schauen Sie soweit schon voraus?

Das ist das Ziel für die Zukunft, ja. Aber jetzt steht erst mal ein Winter mit einer WM vor der Tür, darauf liegt im Moment der Fokus.

Gutes Stichwort – also, zurück zur aktuellen Saison. Auf welche Rennen freuen Sie sich besonders?

Ich freue mich schon gleich auf den ersten Weltcup-Ort Pokljuka. Dort bin ich mein erstes Rennen im Weltcup gelaufen, das ist ein toller Ort für mich. Ansonsten freue ich mich natürlich auf die Heimweltcups in Oberhof und Ruhpolding. Antholz und Hochfilzen sind auch fast Heimrennen für uns, da wird es bestimmt auch toll. Ein weiteres Highlight ist der Übersee-Trip. Dort war ich bisher nur in Canmore, da war es sehr schön. Also es gibt viele gute Weltcup-Orte. Ich hoffe, ich bin bei vielen dabei!

Welchen Stellenwert nimmt für Sie der Weltcup in Ruhpolding ein?

Ruhpolding ist immer etwas Spezielles. Viele Freunde, Bekannte und Verwandte sind da. Das macht es zum einen schön, zum anderen auch schwierig, weil man dann besonders gut sein will. Insgesamt ist die Stimmung aber immer sehr gut, somit macht es viel Spaß, dort zu laufen.

Sind da Ihre Erwartungen an Sie selber dann auch am größten, weil Sie in Ruhpolding ja auch regelmäßig trainieren und dort jeden Winkel kennen…

Nicht unbedingt. In Ruhpolding wird erfahrungsgemäß immer sehr gut geschossen, da ist es besonders schwierig, ein Top-Ergebnis zu erzielen. Ich trainiere dort und kenne die Strecken sehr gut, es gibt aber andere Weltcup-Orte, an denen ich mit der Strecke besser zurechtkomme.

Sie haben zuvor bereits die WM erwähnt. Die Wettkämpfe in Östersund werden ein Höhepunkt in dieser Saison sein. Was nehmen Sie sich dafür vor?

Erst mal will ich mich dafür qualifizieren und dabei sein. Wenn ich das geschafft habe, ist meine Form nicht so schlecht, wenn man dann einen Einsatz bekommt und an dem Tag alles passt, ist vieles möglich. Aber so geht es vielen.

Die Fragen stellte: Stephanie Brenninger