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Jetzt geht endlich die Saison los

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Spannung pur beim 800-Meter-Lauf: Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin setzte sich im vergangenen Jahr Marc Reuther (vorne) durch. Der Pallinger Benedikt Huber (links) holte sich Bronze. Auch in diesem Jahr möchte der Pallinger Ausnahmeläufer bei den nationalen Titelkämpfen ganz vorne mitmischen. Foto: dpa

Vor knapp vier Monaten hat sich der Pallinger Benedikt Huber mit rund 50 anderen deutschen Mittel- und Langstreckenläufern für ein dreiwöchiges Höhentrainingslager des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ins südafrikanische Dullstroom begeben.


Der 30 Jahre alte 800-Meter-Spezialist war voller Motivation und Vorfreude auf eine wettkampfreiche und spannende Saison mit den Olympischen Sommerspielen in Tokio und den Leichtathletik-Europameisterschaften in Paris als anvisierte Höhepunkte. Die Coronavirus-Pandemie machte aber auch den Leichtathleten einen Strich durch die Rechnung.

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Der vierfache Deutsche Meister Huber musste schon am 19. März, also knapp eine Woche früher als geplant, vorzeitig aus dem Trainingslager abreisen. In den folgenden Wochen wurde dann seine komplette Saisonplanung über den Haufen geworden.

Zuerst erfolgte am 24. März die Absage der Olympischen Spiele, für die sich Huber unbedingt erstmals qualifizieren wollte. Sie sollen nun ein Jahr später von 23. Juli bis 8. August 2021 in der japanischen Hauptstadt über die Bühne gehen. Im April war auch klar, dass die Leichtathletik-EM 2020 ersatzlos gestrichen wird. Die WM in Eugene in den USA war da schon von 2021 auf 2022 verschoben worden.

In den vergangenen Monaten war für Huber neben seiner Arbeit als Ingenieur bei der BSH Hausgeräte GmbH in Traunreut coronabedingt »nur« trainieren angesagt. Er war dabei allein unterwegs – meist auf den Feld- und Waldwegen beziehungsweise Straßen rund um seinen Heimatort Palling oder im Kraftraum, den er sich extra auf der eigenen Terrasse eingerichtet hatte. »Es war jetzt schon eine komische Situation, weil keiner wusste, wie es weitergeht und wann wieder Wettkämpfe sind, da sank natürlich auch zwangsläufig die Motivation«, blickt der seit Jahren für die LG Telis Finanz Regensburg laufende Huber auf die schwierige Zeit zurück.

Motivation war schnell wieder da

Trotz allem habe er in enger Absprache mit seinem Regensburger Trainer Kurt Ring sein Training durchgezogen. »Die ersten zwei Wochen nach Südafrika waren etwas ruhiger – mit 80 Prozent Trainingsumfang, dann waren es aber wieder 100 Prozent«, erzählt der heimische Ausnahmeathlet. Als Anfang Juli wieder die ersten Rennen im Leichtathletik-Terminkalender auftauchten, war Hubers Motivation schnell wieder auf 100 Prozent.

Hubers Corona-Zwangspause endet nun am kommenden Samstag. Dann findet die Challenge Regensburg statt, bei der er beim Heimspiel seines Vereins die 1000 Meter laufen wird. Nach dem Mittsommerlauf am Samstag, 11. Juli, ebenfalls in Regensburg steht am Samstag/Sonntag, 25. und 26. Juli, die Sparkassengala in Regensburg auf dem Programm. Dort wird Huber jeweils die 800 Meter laufen.

Den neuen Saisonhöhepunkt bilden nun die ebenfalls verlegten Deutschen Meisterschaften am 8. und 9. August in Braunschweig. Ursprünglich sollten die nationalen Titelkämpfe bereits am 6. und 7. Juni über die Bühne gehen. Huber möchte dort am liebsten seine vierte Einzel-Goldmedaille holen. Doch wenn der derzeit beste deutsche 800-Meter-Läufer und amtierende Champion, Marc Reuther, nicht zu schlagen sein sollte, wäre die Silbermedaille ein lohnenswertes Ziel. Dann hätte Huber nämlich auch bei DM-Einzelrennen einen kompletten Medaillensatz geholt – nach dreimal Gold und einmal Bronze.

Was Huber und Co. derzeit noch etwas irritiert ist, dass die Corona-Regeln bei den ersten Wettkämpfen so unterschiedlich ausgelegt werden. Im Gegensatz zu einigen in der Schweiz geplanten Rennen, darf man bei der Deutschen Meisterschaft etwa nicht im Feld laufen. »Jeder muss bei der DM den kompletten Lauf in seiner Bahn durchziehen«, informiert Huber. Das bedeute, dass man dann auch nicht mehr im Windschatten laufen und taktieren könne. Außerdem habe der Läufer auf der äußersten Bahn das Problem, dass er den Rest des Feldes nicht sehe und so den Lauf nur sehr schwer kontrollieren könne. »Die Folge ist, dass jetzt sehr viele Athleten in die Schweiz fahren und dort an Wettkämpfen teilnehmen, wie man sie gewohnt ist«, sagt Huber. Andererseits seien aber auch in Deutschland schon Wettkämpfe angesetzt, beispielsweise in Regensburg, bei denen man auch in Corona-Zeiten laut der Veranstalter ganz normal im Feld laufen könne.

Noch zwei große Ziele vor Augen

Auf nationaler Ebene hat Huber mit drei Goldmedaillen bei Deutschen Meisterschaften über seine Paradedisziplin 800 Meter (2016, 2017 und 2018), einem weiteren DM-Titel mit der 3×1000-m-Staffel (2016), Silber mit der 3×1000-m-Staffel (2015) und einer Bronzemedaille über 800 Meter alles erreicht. Hinzu kommen elf Titel bei Bayerischen Meisterschaften. Doch nach dem sensationellen Erreichen des EM-Halbfinals 2016 und einer weiteren EM-Teilnahme 2018 (Vorrunden-Aus) möchte Huber endlich auch erstmals das Ticket für die Olympischen Spiele lösen und auch seine Premiere bei einer WM feiern.

Auf diese Ziele gilt es nun hinzuarbeiten und die Qualifikationskriterien zu erfüllen. Seine Karriere möchte Huber, der im Oktober 31 Jahre alt wird, auf jeden Fall bis zur Heim-EM von 15. bis 21. August 2022 (Teil der Multisport-EM) im Münchner Olympiastadion fortsetzen. mmü

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