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Jede Bogen-Klasse ist willkommen

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Die Bogenschützen der ZSG Grabenstätt trainieren – wenn Corona es wieder zulässt – regelmäßig, um ihr Können zu verbessern.

Bei der ZSG Grabenstätt haben Hobby- und Wettkampf-Bogenschützen einen Platz – Erfolgreiche Bezirksklassen-Mannschaft


Bogenschießen ist fast wie Autofahren – zumindest liegt der Vergleich für Harald Langemak, Bogensportleiter der Zimmerstutzen-Schützengesellschaft (ZSG) Grabenstätt, nahe: »Ein Führerschein heißt ja nicht, dass man perfekt Auto fahren kann.« So sei es auch beim Bogensport: Viel Übung und Disziplin gehören dazu, um perfekt schießen zu können – und bei Wettkämpfen erfolgreich zu sein.

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Und noch eine Ähnlichkeit hat der 43-Jährige ausgemacht: In beiden Bereichen lässt sich viel Geld in die Technik und die Optik investieren. »Man kann gut mit den Kosten jonglieren und schauen, was das persönliche Budget hergibt.« Manche Teile beim Bogen helfen den Schützen, bessere Ergebnisse zu erzielen – und manche sind eher wie die Alufelgen am Auto: Sie sind vor allem für das Aussehen wichtig.

Dabei ist der Einstieg gar nicht teuer. Für Interessierte bietet der Verein Leihbögen an, ein Anfängerbogen mit einem Satz Pfeile und der nötigen Schutzausrüstung koste etwa 100 bis 150 Euro, erklärt der Bogensportleiter. Wie es dann weiter geht, hängt nicht nur vom Budget ab – für einen Turnierbogen sind etwa 1500 bis 2000 Euro fällig – , sondern auch »von der eigenen Kondition und Disziplin«, sagt Harald Langemak.

Die Bogensportabteilung hat aktuell rund 100 Mitglieder, etwa 15 davon nehmen aktiv an Wettkämpfen teil. Die Grabenstätter Liga-Mannschaft besteht aus acht Mitgliedern, bereits seit vier Jahren schießen sie bei Liga-Wettkämpfen. Die Idee, mit einer Mannschaft anzutreten, kam den Grabenstättern, nachdem sie den ersten Ligawettkampf noch ohne eigene Beteiligung ausgerichtet hatten. »Das war schon fast ein Selbstläufer«, erinnert sich Harald Langemak.

2020 belegten die Grabenstätter den 1. Platz in der Bezirksklasse Süd Oberbayern, verpassten aber knapp den Aufstieg – der bleibt weiterhin ein großes Ziel der Mannschaft: »Dafür müssen aber viele Faktoren passen«, betont Harald Lange- mak. Trotzdem ist der 1. Platz ein großer Erfolg für die Mannschaft und den Verein, der erst 2009 die Abteilung Bogensport gegründet hat. Schützenmeister Alois Binder hatte darin eine gute Möglichkeit gesehen, das Angebot der ZSG zu erweitern. Die Grabenstätter sind nämlich der einzige Schützenverein im Gau Traunstein, der auch Bogenschießen anbietet.

Das Angebot richtet sich aber nicht nur an Wettkampf-Schützen. Der Liga-Modus ist nämlich längst nicht für jeden Schützen das Richtige – denn dabei haben die drei Schützen einer Mannschaft nur insgesamt zwei Minuten Zeit, um jeweils zwei Pfeile auf die Scheibe zu schießen. Jede Mannschaft – bei einem Ligawettkampf treten alle acht Mannschaften gegeneinander an – besteht aus maximal acht Schützen. Diese können nach jedem Duell mit einer anderen Mannschaft wechseln, sodass immer wieder andere drei Schützen antreten. »Das macht unglaublich Spaß«, sagt Harald Langemak. »Einen Schuss neu aufzubauen geht dabei aber fast nicht.«

Im Gegensatz dazu sei es bei einem Turnier eher möglich, noch mal abzusetzen – der Zeitdruck ist hier nicht so groß und die Teilnehmer treten als Einzelschützen an. Doch nicht nur der Ablauf ist anders: Während bei den Ligawettkämpfen in der Halle die Scheiben in 18 Metern Entfernung stehen, sind sie bei Turnieren im Freien – je nach Altersklasse – bis zu 90 Meter entfernt, bei Meisterschaften bis zu 70 Meter.

Grundsätzlich ist bei der ZSG »jede Bogen-Klasse willkommen«, betont der Bogensportleiter, der selbst mit einem Compound- und einem Recurve-Bogen schießt. »Wir haben einen Mix aus allem«, sagt er. Und genau diese Vielfalt an Disziplinen und Bogenarten macht für Harald Langemak den Sport so interessant: »Man kann im Sommer und Winter schießen, in der Mannschaft oder alleine.«

In Österreich sei beispielsweise das 3D-Schießen ganz populär, bei dem die Schützen in einem Parcours auf Tier-Attrappen schießen. »Das machen auch unsere Mitglieder viel und gerne«, weiß Harald Langemak, der selbst die Möglichkeiten in der Region gerne nutzt.

Für alle Disziplinen ist eine Menge Übung notwendig. Deshalb wird – wenn die Corona-Beschränkungen es zulassen – auf dem Gelände der Grabenstätter ZSG regelmäßig trainiert. Nach einer Einweisung – »die Sicherheit ist ganz wichtig«, betont Harald Langemak – geht es darum, wie der Pfeil richtig eingelegt wird, wie gezielt und natürlich geschossen wird. »Die Technik ist abhängig vom Bogen und die Schießtechnik muss sich dem Gelände anpassen«, erklärt der Bogensportleiter. »Entscheidend ist auch die Körperhaltung.«

Im Training – für das sich Interessierte ab zehn Jahren bei der ZSG anmelden können – stehen Turnier- und Hobbyschützen gemeinsam vor den Scheiben. So können nicht nur die Übungsleiter des Vereins wertvolle Tipps geben, »da wird an der Schießlinie gefachsimpelt«, weiß Langemak. So entstehe nicht nur das Gemeinschaftsgefühl im Verein, sondern es komme auch zum Wissenstransfer – ganz unabhängig davon, welchen Bogen ein Mitglied nutzt oder ob es an Wettkämpfen teilnimmt. »Das schreibt niemand vor und hängt ein Stück weit auch von der Bogengattung ab«, betont der Bogensportleiter. Bei manchen Mitgliedern sei »die Affinität da, Turniere zu schießen«, andere wollen Hobbyschützen bleiben.

Schließlich geht es beim Bogenschießen sonst nicht ums Tempo: »Das ist ein sehr ruhiger Sport«, betont Harald Langemak, »ein Konzentrationssport, für den man eine gewisse Kondition und eine innere Ruhe braucht.« jom

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