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In seinen Händen werden Rennski zu »Raketen«

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Ihr Job: präparieren, probieren, testen, tüfteln, analysieren. Ihr Ziel: der Konkurrenz immer eine Nasenlänge voraus zu sein. Die Rede ist von den Servicemännern im alpinen Skizirkus. Einer, auf den dieser Steckbrief nicht besser passen könnte, ist der Wahl-Ruhpoldinger Chris Krause. Der 41-jährige gebürtige US-Amerikaner zählt seit vielen Jahren zu den Erfahrensten seiner fast schon Geheimnis umwitterten Zunft. Denn die Skikeller-Alchimisten, wie sie auch scherzhaft genannt werden, halten ihr profundes Wissen, wie man eine »Rakete« präpariert, streng unter Verschluss.


Als Chris Krause im Frühjahr 2006 die Bretter von Didier Cuche übernahm, ging es mit dem Schweizer Abfahrtsspezialisten steil bergauf. 21 Weltcupsiege, sechsmal die kleine Kristallkugel in der Abfahrtswertung, 67 Podestplätze, davon viermal Sieger am Hahnenkamm – eine makellose Bilanz, bei der auch Chris Krause seine Hände im Spiel hatte.

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»Wir beide verstanden uns von Anfang an prächtig,« blickt Krause mit seinem amerikanisch-bayerischen Akzent auf die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Schweizer Skistar zurück. Seit dem Rücktritt »seines« Topathleten im vergangenen Winter ist Krause für das Material der beiden US-Skirennläufer Bode Miller und Ted Ligety verantwortlich. Einiges Kopfzerbrechen bereiten dem Servicemann die neuen Regelungen der FIS in Sachen Skilänge und reduzierter Taillierung. »Jetzt fangen wir halt wieder bei der Stunde Null an,« kommentiert der Wahl-Ruhpoldinger die aktuelle Situation.

In Zell liefen deshalb in den vergangenen Wochen die Vorbereitungen für den Saisonstart akribischer als je zuvor auf Hochtouren. Auch der österreichische Bindungsexperte Otti Zauner war in die Vorbereitungsphase eingebunden. Denn nichts wird im Profisport dem Zufall überlassen, dafür steht zu viel auf dem Spiel.

Deshalb geht es für Chris Krause bereits heute für zwei Wochen in die Anden nach Chile für erste Tests auf Schnee, danach folgen in Sulden ausgiebige Geschwindigkeitstests und im November zwei Trainingswochen in Colorado. Erst nach dem Weltcupauftakt der Männer in Kanada Ende November kann er erste Rückschlüsse ziehen, ob man auf dem richtigen Weg ist in Richtung Schladming, wo im Februar 2013 die WM stattfindet.

Gespannt ist Krause – der 41-Jährige hat übrigens deutsche Vorfahren, die nach dem Ersten Weltkrieg in die USA ausgewandert sind – auf seinen neuen »Schützling« Bode Miller, den er jetzt in Chile trifft. Miller gilt als exzentrisch. »Wir werden uns schon zusammenraufen, wir sind ja Landsleute,« meint der Skitechniker zuversichtlich.

In jungen Jahren bestritt Krause selbst Rennen in der Noram-Serie (vergleichbar mit dem Europacup), absolvierte ein Tourismus- und Marketingstudium, leitete ein Junioren-Skischulprogramm und arbeitete für verschiedene Skifirmen sowie für den Kanadischen Skiverband. In dieser Zeit lernte er auch Isabella Huber, die damalige Abfahrtsspezialistin im deutschen Kader kennen, mit der er eine Familie gründete. Tochter Emilia und Sohn Stefan müssen nun für einige Zeit ohne den viel beschäftigten Papa auskommen. ls