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In der Weltspitze angekommen

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Hannes Namberger will sich auch in der kommenden Saison in der Weltspitze der Ultra-Bergläufer festsetzen. (Foto: Skyrunner Series)

Eine Strecke von 170 Kilometern mit 10.000 Höhenmetern – für Extrembergläufer Hannes Namberger steht fest: »In unter 24 Stunden sollte das schon klappen.« Doch die längste Strecke beim Ultratrail Mont-Blanc (UTMB) steht für den Ruhpoldinger erst 2021 auf dem Programm.


In der kommenden Saison nimmt der 30-Jährige zunächst »längere Distanzen von über 100 Kilometern« bei Bergläufen in Angriff. Dazu zählt am Mont Blanc beispielsweise die »technischere Strecke mit Geröll im schweren Berggelände«. Dabei müssen die Läufer 145 Kilometer und 9100 Höhenmeter bewältigen.

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Zwei bis drei längere Rennen als Höhepunkt

Wenn Hannes Namberger von seinen Plänen erzählt, klingt er ein bisschen so, als könnte er sich das selbst kaum vorstellen. »100 Kilometer – mit dem Auto nervt mich das schon«, sagt er und schüttelt ungläubig den Kopf. Dabei weiß der 30-Jährige genau, worauf er sich einlässt: Zwei bis drei längere Rennen als Saisonhöhepunkte hat er sich vorgenommen, dazwischen kürzere Rennen, »um Training zu bekommen«.

Der Ruhpoldinger hat sich in der vergangenen Saison in der Weltspitze der Ultra-Bergläufer etabliert, zweimal einen 4. Platz und jeweils einmal einen 6. und einen 10. Rang belegt. »Das ist wirklich sehr gut gelaufen«, sagt er. »Mir ist es wichtig, bei jedem Rennen unter die Top Zehn zu kommen. Die Leistungskurve muss jährlich nach oben gehen.« Schließlich will Hannes Namberger auch in der kommenden Saison vorne mitlaufen. Zur Vorbereitung geht es für ihn ab März ins Trainingslager auf La Palma, dort wird Hannes Namberger auch einen Wettkampf über 30 Kilometer absolvieren.

Bis zu fünfmal in der Woche trainiert der 30-Jährige aber auch, wenn er zu Hause ist. Einheiten zwischen einer und fünf Stunden stehen auf seinem Plan. »In Berchtesgaden habe ich ja alle Möglichkeiten«, erklärt er und nutzt diese gerne: »Man hat das Erlebnis draußen und kein stumpfes Training.« Die Trainingseinheiten und Wettkämpfe bringt der Bundespolizist dabei gut mit seiner Arbeit unter einen Hut, auch wenn er sagt: »In der Weltspitze bin ich einer der wenigen, die noch regelmäßig in die Arbeit gehen.«

Klar ist aber auch: Die Preisgelder bei den Rennen sind nicht hoch, den Sportlern gehe es um »Prestige und Wertschätzung« – und für immer mehr Menschen auch darum, ihre Grenzen kennen zu lernen. »Die Bergläufe sind ein bisschen zu einem Volkssport geworden«, weiß Hannes Namberger. »Das boomt unglaublich, viele Rennen sind in kurzer Zeit ausgebucht.«

Diesen Trend findet der Ruhpoldinger gut – schließlich bedeutet das auch mehr Aufmerksamkeit und Werbung für den Sport, den der 30-Jährige erst 2015 für sich entdeckt hat. Damals sei er »durch Zufall« auf einen Wettbewerb durch das Karwendelgebirge gestoßen und habe mitgemacht. »Nach dem Lauf habe ich gewusst: Das ist es!« Also befasste er sich intensiver mit den Bergläufen. »Ein bisschen Ahnung hatte ich ja durch den Leistungssport.« Hannes Namberger wusste durch seine Zeit im alpinen B-Kader des Deutschen Skiverbands – 2011 hatte er »leistungs- und verletzungsbedingt« mit dem Profisport aufgehört – »wie man richtig trainiert«. Das zahlte sich auch bei den Bergläufen schnell aus.

Hannes Namberger stört es dabei nicht, dass er auf sich allein gestellt ist – im Gegenteil: »Ich bin gerne alleine und genieße es, am Berg und an der frischen Luft zu sein.« Zudem gibt er lachend zu: »Man findet selten jemanden, der den gleichen Vogel hat.«

Schnell habe auch seine Familie gemerkt, dass aus der »Gaudi« am Anfang mehr Ernsthaftigkeit wurde. »Sie unterstützen mich zu 100 Prozent«, betont Hannes Namberger. Das gilt auch für seine Freundin, die ihn zu den Wettkämpfen begleitet und – weil dabei auch Verpflegung von außerhalb erlaubt ist – an den Stationen versorgt.

Manchmal bleibt nach den Wettkämpfen sogar noch Zeit für ein »touristisches Programm«, wie Hannes Namberger verrät. Aber natürlich steht für ihn die Regeneration im Vordergrund. »Dass nach so einem Rennen mal was weh tut, kommt oft vor.« So wie nach der vergangenen Saison – sieben Ultra-Bergläufe hat Hannes Namberger da absolviert. »Ich merke schon, dass ich dann sehr viel Schlaf brauche und vor dem Kühlschrank wohne.«

»Einfach rumliegen« kann Hannes Namberger nicht

Trotzdem freut sich der 30-Jährige bereits darauf, wenn es wieder losgeht: »Einfach rumliegen am Strand und die Beine ruhig halten könnte ich nicht«, erklärt er – wobei »ich auch mal ganz normal auf den Berg gehe, mich irgendwo hinlege und die Natur genieße«. Die Hörndlwand sei dafür sein Lieblingsziel.

Bei den Rennen bleibt ihm für den Genuss wenig Zeit. Zwar sei der Sonnenaufgang auf La Palma – dort wird der Transvulcania-Ultramarathon ausgetragen – »immer ein Wahnsinn«, doch im Wettkampf hat Hannes Namberger vor allem den Zieleinlauf vor Augen. »Dahin gehen die Gedanken, wenn man lange auf die Zähne beißen muss«, verrät der Ruhpoldinger.

Das Publikum auf La Palma ist dem Ruhpoldinger besonders in Erinnerung geblieben, weil es die Läufer fast auf der gesamten Strecke anfeuert und im Ziel feiert. »Während des Laufs denke ich oft: Wieso tue ich mir das an? Aber die negativen Sachen verdrängt man. Selbst wenn man sechs von zehn Stunden mit Schmerzen läuft – beim Zieleinlauf vergisst man alles.«

Dieses Gefühl will Hannes Namberger noch möglichst lange genießen – »so lange alles gesund ist und der Körper mitmacht«. Schließlich weiß auch er, dass er »nicht ewig Zeit hat, das auf höchstem Niveau zu machen«.

Doch mit diesen Gedanken befasst sich der 30-Jährige noch nicht. Mit dem Trainingslager im März beginnt für ihn die Vorbereitung auf die kommende Saison, die am 9. Mai mit dem Transvulcania richtig losgeht. Hannes Namberger will dann seinen Platz in der Weltspitze behaupten, die Motivation ist groß. Schließlich ist für den 30-Jährigen klar: »Wenn ich das nicht mehr mit Herzblut mache, überlege ich mir etwas anderes.« Jonas Müller

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