weather-image

Immer noch Hoffnung auf die Weltmeisterschaft in Pokljuka

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Sie musste das Training zwischenzeitlich reduzieren, freut sich aber jetzt darüber, dass sie wieder neu angreifen kann: Biathletin Franziska Hildebrand. (Foto: Wukits) Foto: Ernst Wukits

»Momentan bin ich gesund, verletzungsfrei und habe auch sonst keine körperlichen Beschwerden«, freut sich Biathletin Franziska Hildebrand. Doch das war bei der 33-Jährigen vom Stützpunkt Ruhpolding in der Vergangenheit nicht immer der Fall.


Zu schaffen machte ihr in den vergangenen Jahren eine Sprunggelenksverletzung. Diese Leidenszeit ist zum Glück vorbei, Franziska Hildebrand nimmt nun einen neuen sportlichen Anlauf.

Anzeige

Der Einstieg in das so wichtige Sommertraining verlief allerdings nicht planmäßig. Nach einer Laufbanddiagnostik nahm sie der Mannschaftsarzt aus dem Trainingsprogramm des Stützpunkts mit dem Hinweis, dass diese Art von Training nicht den gewünschten Erfolg bringen würde.

»Das war ein harter Moment für mich. Eigentlich wollte ich in diesem Winter wieder voll angreifen. Das hat mich ausgebremst. Ich sollte das Training erstmal reduzieren, um dem Körper die Möglichkeit der Erholung zu geben. Das habe ich getan. Danach ging es für mich ohne Trainer und Gruppe weiter«, schildert sie die Situation im Sommer. Nun gilt: »Sportlich bin ich noch nicht dort, wo ich gerne hin möchte.«

Deswegen kam auch die Deutsche Meisterschaft in diesem Jahr für Franziska Hildebrand zu früh. »Ich bin immer noch in einem Aufbautraining und war letzten Endes froh, dass bei den Wettkämpfen dort auch gute Sachen zu sehen waren. An allem anderen gilt es jetzt sinnvoll weiterzuarbeiten, um im Winter entsprechende Leistungen abrufen zu können.« Nun muss sie ihre Ziele völlig überarbeiten und sich neu orientieren. Trotzdem gibt sie sich kämpferisch: »Nichts ist unmöglich – und so habe ich die Weltmeisterschaft in Pokljuka nächstes Jahr noch nicht aufgegeben. Dennoch weiß ich, dass es ein ganz schwieriger Weg bis dorthin wird.«

Helfen soll ihr dabei Trainer Tobias Reiter, der am Stützpunkt Ruhpolding für die Lehrgangsgruppe 1 b zuständig ist. In diese wurde sie nach der Deutschen Meisterschaft zurückgestuft. »Das ist in Ordnung, so erhalte ich ein wenig mehr Zeit zum Formaufbau bis zum ersten Wettbewerb.«

Karriereende nach Olympia 2022 geplant

Neben einer Teilnahme bei der WM in Pokljuka würde sie ein Jahr später gerne bei den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen. »Noch einmal erfolgreich von den Spielen zurückkehren, das stelle ich mir als schönen Karriereabschluss vor«, so ihr Wunsch.

Derzeit zählt jedoch das Hier und Jetzt – und das bedeutet auch, mit den Hygieneregeln wegen Corona umzugehen. Im Training sind die Sportler fast nicht eingeschränkt, da sich alles meistens im Freien abspielt. »Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, überall mit Maske hinzugehen. Mir fehlt es etwas, spontane Ausflüge ins Kino zu unternehmen oder mich öffentlich ohne Maske mit Freunden zutreffen. Trotzdem bin ich dankbar, dass der Ausbruch des Virus in Deutschland bisher so einen geringen Verlauf genommen hat. Weshalb ich sehr darauf achte, meine Maske zu tragen und Abstände einzuhalten«, so die Biathletin.

In Ruhpolding lebt die aus Köthen (Sachsen-Anhalt) stammende Hildebrand gerne. Sie schätzt die Nähe zu den Bergen und auch zum Chiemsee. »Es gibt so viele Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen. Zudem habe ich mir ein gutes soziales Umfeld geschaffen, was mich auch hier halten könnte. Wohin es für mich tatsächlich geht, hängt aber von meiner beruflichen Laufbahn ab.«

Dafür hat sie ihre Masterarbeit in Wirtschaftspsychologie abgegeben und wartet noch auf die Benotung. »Ich bin jetzt in einem Alter, indem man sich überlegen muss, was nach dem Sport kommt«, sagt sie realistisch. »Spätestens nach den Spielen 2022 darf dann etwas Neues im Leben kommen.« Die Sportlerin kann bereits auf einen langen Erfahrungsschatz bauen. Oft wurde sie als Einzelgängerin beschrieben. »Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man im Leistungssport knallhart nach Leistung abgerechnet wird. Das gilt für mich genauso wie für alle anderen. Für mich heißt das, die Menschen zu finden, wo ich der Überzeugung bin, dass sie mir guttun und mich in meinem Leistungsstreben unterstützen. Das bedeutet manchmal nach Lösungen außerhalb des vorgegebenen Systems zu suchen. Ansonsten trainiere ich gerne in einer Gruppe. Es muss aber die richtige Gruppe sein, um Leistung entwickeln zu können. Denn sonst würde es bedeuten, dass man sich automatisch verbessert, nur weil man in einer Gruppe trainiert. Dass dies nicht immer der Fall ist, dafür gibt es genügend Beispiele.«

Den richtigen Weg eingeschlagen

Als bestes Beispiel in diesem Zusammenhang erzählt sie über ihre Zeit in der Männer-Trainingsgruppe unter Ricco Groß. »Dort habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt, was sich auch mit den entsprechenden Erfolgen belegen lässt. Weshalb ich dann den Weg zu Daniel Graf gegangen bin, um das bestehende Trainingssystem nicht komplett zu verändern. Auch dieser Weg war aus meiner Sicht der Richtige«, betont sie.

Offen antwortet sie auf die Frage nach ihren Stärken und Schwächen. Sie könne gut zuhören und sei fokussiert und hartnäckig. Zielstrebigkeit und Fleiß gehörten dazu. Natürlich auch die Fähigkeit, sich zu strukturieren und organisieren. Ansonsten hätte sie Studium und Leistungssport nicht vereinbaren können. Zu den Schwächen meint sie, dass sie sich zu leicht ablenken lasse. Das liege auch daran, dass Widder-Geborene schon mal mit dem Kopf durch die Wand möchten. Zu ihrem Lebensmotto befragt, sagt sie: »Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.« SHu

Mehr aus Traunstein
Mehr aus Traunstein