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»Im Weltcup geht der Punk ab«

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Weiter steil bergauf führt die Karriere von Biathlet Johannes Kühn. Vorläufiger Höhepunkt für den 21-jährigen Tüßlinger, der für den WSV Reit im Winkl startet, ist die Teilnahme heute beim Heim-Weltcup in Ruhpolding. Ab 18.15 Uhr gilt es im Sprint möglichst schnell die zehn Kilometer abzuspulen und die zehn Scheiben zu treffen.


»Ich denke, dass ihm der Schießstand hier in seiner Chiemgau-Arena besser liegt als der in Oberhof, weil man hier aus der Abfahrt kommt«, mutmaßt Stefan Schwarzbach, Pressesprecher des Deutschen Skiverbands (DSV). Von der Platzierung beim jüngsten Sprint in Oberhof (48. Rang) lassen sich weder Schwarzbach noch Kühn verrückt machen. Der DSV-Funktionär meinte: »Trotz extremer Bedingungen hat Johannes seine Sache gut gemacht.« Und der Tüßlinger betonte selbstbewusst – ohne nach Ausreden zu suchen: »In Oberhof haben Wind und schlechte Sicht schon auch eine gewisse Rolle gespielt. In Ruhpolding weiß ich aber, wo der Schießstand steht.«

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Zweimal in dieser Woche wurde bereits in der Chiemgau-Arena trainiert, zuletzt am Donnerstag bei schwierigen Bedingungen. Kühn erklärt: »Da war die Piste ganz schön tief. Aber es soll bis zum Rennen am Samstag etwas kälter werden – dann taugt’s mir hoffentlich besser.«

Genau zehn Jahre ist es her, dass der damalige Langläufer Kühn am Bundesstützpunkt Ruhpolding seine ersten Schritte als Biathlet gemacht hat. Schon bald stellten sich die ersten Erfolge ein. Von 2006 bis 2009 gewann der Schützling von Fritz Fischer dreimal die Gesamtwertung des Deutschlandpokals in seiner Altersklasse sowie beim European Youth Olympic Festival 2009 in Beskidy (Polen) Gold mit der Mixed-Staffel. Bei der WM der Jugend und Junioren in den Jahren 2010 und 2011 folgten eine Silber- sowie vier weitere Goldmedaillen, ehe 2011 der EM-Titel mit der Staffel in Osrblie (Slowakei) heraussprang.

Über gute Ergebnisse im IBU-Cup, der II. Liga des Biathlon, empfahl sich Kühn in diesem Winter für den Weltcup, wo er nun in Ruhpolding quasi vor einem ersten Karriere-Höhepunkt steht. »Ich freue mich drauf, auch wenn im Weltcup ganz schön der Punk abgeht«, sagt Kühn. Seine Eltern und einige Bekannte werden übrigens im Stadion mitfiebern. Vater Franz Kühn hofft nun, »dass Johannes die Nervosität und die Rahmenbedingungen mit der Riesenkulisse ausblenden kann.« Zudem gelte es, nicht übermotiviert an diese Aufgabe heranzugehen. Für Johannes Kühn spricht, dass er rund um die Chiemgau Arena nahezu jeden Baum kennt. Hier trainiert der Zollwachtmeister, der für den WSV Reit im Winkl startet. Und mittlerweile wohnt er auch hier.

Bundestrainer Fritz Fischer zeigte sich sehr zufrieden mit der Entwicklung seines Schützlings Johannes Kühn – das trifft auch in Bezug auf die Trainingseinheiten in dieser Weltcup-Woche zu: »Im Liegendschießen ist er sehr stabil, stehend hat er noch ein bisschen Schwierigkeiten. Aber ich denke, dass er trotzdem gezeigt hat, dass man es aus der Region heraus, sprich aus Tüßling, bis in den Weltcup schaffen kann.« Dass es bei Kühn noch »die eine oder andere Baustelle« gebe, so die Biathlon-Legende, sei völlig normal. »Man muss das nüchtern und kritisch betrachten, aber in keinster Weise negativ. Wir werden das positiv anpacken«, so Fischer.

»Ich kenne ihn ja schon seit seinem 15. Lebensjahr – da wissen wir schon ganz genau, wo wir ansetzen müssen.« Schon damals hatte der mittlerweile 56-jährige Ruhpoldinger mit Kühn Klartext gesprochen: »Da hab’ ich ihm gleich in den ersten Einzelgesprächen gesagt: ,Dein Ziel muss es sein, hier vor 20 000 Leuten zu schießen.« cs