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Sein Konzept »New Spirit« trägt die ersten Früchte: Franz Buchenrieder, der Sportdirektor und Abteilungsleiter der Chiemgau Baskets, hat mit den Basketballern des TV Traunstein auch in den kommenden Jahren noch einiges vor. (Foto: Michi Schanz/Spreadfilms)

»Ich wünsche der Mannschaft den Aufstieg sehr« – Franz Buchenrieder zieht im Interview eine positive Bilanz und wagt einen Ausblick

Viele neue Mitglieder in allen Altersgruppen, neue Mannschaften und sportliche Erfolge: Es läuft bei den Basketballern des TV Traunstein auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie rund. Franz Buchenrieder, der Sportdirektor und Abteilungsleiter der Chiemgau Baskets, erklärt im Interview mit unserer Sportredaktion, warum das so ist. In seiner Jahresbilanz nimmt er zudem sein langfristig ausgelegtes Konzept »New Spirit« unter die Lupe und blickt natürlich auch auf das neue Jahr. Der ehemalige Bundesligaspieler des FC Bayern München, der später als Manager mit seinem Heimatverein TG Landshut in die höchste deutsche Spielklasse aufgestiegen ist, hat für 2022 auch einen großen Wunsch: Er will mit den Herren I in die Regionalliga 2 aufsteigen.


Sieben Siege am Stück: Besser hätte die Bayernliga-Saison für die Chiemgau Baskets nicht beginnen können. Haben Sie damit gerechnet, Herr Buchenrieder?

Unsere Saisonvorbereitung war ein wenig holprig. Deshalb konnten wir im Vorfeld nicht davon ausgehen, dass es so gut für uns laufen wird. Aber ich muss auch gleich ein wenig auf die Euphoriebremse treten, wir haben noch gar nichts erreicht. Die wichtigen Spiele – gegen Jahn München zweimal und gegen Gröbenzell zuhause – stehen uns noch bevor. Das sind Spiele, die man gewinnen muss, sonst war's das mit der Meisterschaft. 

Die Saison bei den Basketballern war aktuell auch schon wieder unterbrochen. Wie groß ist Ihre Angst, dass es coronabedingt auch in dieser Spielzeit erneut nicht mehr weitergehen wird?

Die Angst ist bei dem einen oder anderen da, aber die Situation ist schon eine andere als vergangenes Jahr. Bei allen Unwägbarkeiten gehen wir davon aus, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Allerdings, das muss ich jetzt auch ehrlich sagen, habe ich persönlich nicht mehr damit gerechnet, dass wir wieder einen Lockdown bekommen könnten. Das hat uns in den vergangenen Wochen natürlich auch wieder ausgebremst.

Einige Bayernliga-Mannschaften haben den Spielbetrieb auch schon wieder aufgenommen. Warum hat sich der TV Traunstein dagegen entschieden?

Wir konnten ja wegen des Lockdowns über mehrere Wochen nicht trainieren und ich wollte die Spieler danach nicht unvorbereitet in einen Wettkampf schicken. Ich wollte einfach auch keine Verletzungen riskieren.

Befürchten Sie nicht, dass damit das Tabellenbild verzerrt wird und es dadurch vielleicht zu Problemen kommen könnte, wenn die Saison doch abgebrochen werden muss?

Ich finde es nicht glücklich gelöst, das stimmt. In anderen Verbänden – wie bei den Handballern oder den Volleyballern – wurde das ja auch anders gehandhabt, da ist die Saison aktuell komplett unterbrochen. Beim Basketballverband wurde es anders entschieden und damit müssen wir jetzt leben.

Trainiert Ihre Mannschaft aktuell schon wieder?

Ja, wir sind wieder in den Trainingsbetrieb eingestiegen. Wir wollen jetzt wieder in den Rhythmus finden und dann im Wettkampf hoffentlich ins gleiche Fahrwasser kommen wie vor der Pause.

In der Halle gilt jetzt auch für die Spieler die 2Gplus-Regel. Ist das ein Nachteil für Ihr Team? Sprich: Müssen Spieler, weil sie nicht geimpft oder genesen sind, pausieren?

Das ist bei den Herren I Gott sei Dank kein Thema mehr. Zum Glück sind alle Spieler geimpft oder genesen und auch unsere Trainer sind alle geimpft.

Finden Sie die Regel fair – einige Mannschaften fühlen sich dadurch sicherlich benachteiligt?

Ich habe jetzt diesbezüglich nichts von anderen Teams gehört. Es kann aber deswegen zu einem Konflikt kommen. Aber wir müssen uns alle an die Regeln halten – und wir tun das.

Trotzdem könnte das Thema Wettbewerbsverzerrung noch eine Rolle spielen. Könnte der Verband deswegen nicht noch überlegen, den Auf- oder Abstieg in dieser Saison auszusetzen?

Ich habe von Verbandsseite nichts in diese Richtung gehört.

Die Saison 2020/2021 wurde praktisch komplett gestrichen, jetzt war schon wieder Pause – war 2021 damit unter dem Strich ein verlorenes Jahr?

Nein, das glaube ich nicht! Das Jahr war wieder sehr herausfordernd und anstrengend, aber wir haben versucht, es bestmöglich zu nutzen und unser Programm zu festigen.

Was haben Sie konkret gemacht?

Wir haben unser Organisationsteam ausgebaut, wir haben den Trainerstab erweitert und eine Ballspaßgruppe gegründet. Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass wir einen großen Schaden erlitten haben.

Sie haben jetzt mit dem Organisationsteam ein weiteres Thema angesprochen. Im Frühjahr 2021 ist mit Sebastian Kösterke ihr Stellvertreter von seinen Ämtern zurückgetreten – ein Makel im Jahr 2021?

Es gehört zu einem Veränderungsprozess dazu, dass sich auch mal Wege trennen können. Es gab da einfach sehr unterschiedliche Auffassungen.

Wie setzt sich Ihr neues Team zusammen?

In der Sportorganisation haben wir mit Christian Meiler und Julian Rosnitschek zwei neue Verantwortliche gefunden. Für die Öffentlichkeitsarbeit haben wir jetzt Sebastian Ring und für das Marketing Markus Mittermeier. Für den weiblichen Bereich und die Kooperation mit den Schulen ist Annika Mährle verantwortlich. Julia Hartl kümmert sich um den Bereich Ballspaß. Markus Haindl hat die Finanzen der Basketball-Abteilung im Blick und Lorenz Fakler als Sponsoring-Beauftragter ist das Bindeglied zum Förderverein, dem er selbst vorsteht.

2022 gibt es wieder Neuwahlen. Werden Sie erneut als Abteilungsleiter kandidieren?

Ich lasse mich wieder aufstellen, das ist mein Plan. Unsere neuen Funktionsträger haben den Chiemgau Baskets ein freundliches und kompetentes Gesicht verliehen. Denn darauf kommt es in meinen Augen am Ende an, das ist oft eine Frage der richtigen Mentalität. Ich freue mich deshalb, dass auch das Organisationsteam so zusammenbleiben wird. Wir sind aber auch immer offen für neue engagierte Mitstreiter, wenn sie zu uns passen.

Viele Sportvereine klagen auch, dass immer mehr Mitglieder wegen der Corona-Krise austreten. Wie stellt sich die Situation bei den TVT-Basketballern dar?

Was wir anbieten, ist offenbar attraktiv! Wir haben 54 Prozent Zuwachs bei den Mitgliederzahlen im Bereich der aktiven Spieler. In Corona-Zeiten ist das mal ein Wort!

Wie haben Sie das geschafft?

Unsere Schultour hat einen großen Impuls gesetzt. Wir haben dadurch einen riesigen Zulauf gehabt. In einigen Altersgruppen haben wir jetzt zwei Trainingsgruppen! Was mich besonders freut: Vor allem im Minibereich – und das war ja auch unser Ziel mit der Schultour – hat das Angebot richtig eingeschlagen. Es ist ein kleiner Boom.

Der bald aber jäh ausgebremst werden könnte: Für ungeimpfte Jugendliche gibt es ja nur noch bis 12. Januar 2022 eine Ausnahmeregelung, danach dürfen sie nicht mehr in der Halle trainieren – ein Rückschlag?

Absolut! Das würde uns auch erheblich treffen und wir machen uns deswegen auch Sorgen. Ich habe in einem Rundbrief an die Mitglieder auch nochmals an das Thema Impfen erinnert. Aber das ist natürlich – zumindest im Augenblick noch – die Privatentscheidung jedes Einzelnen.

Durch den Zuwachs im Jugendbereich geht die Arbeit jetzt aber erst richtig los...

Genau so ist es – und es gibt einige Aufgaben: Wir brauchen mehr Trainer und wir brauchen vor allem auch mehr Hallenzeiten.

Der letzte Punkt könnte schwierig werden, oder?

Bisher konnten wir es gut auffangen, aber es ist jetzt eben auch Winterzeit. Es kommen also auch andere Vereine wieder in die Halle und dadurch wird es noch enger. Wir müssen schauen, ob es vielleicht noch Lücken gibt.

Was wäre, wenn es keine Lösung gibt?

Wenn wir nicht mehr Hallenzeiten bekommen, dann wäre der nächste Schritt, dass ich sagen muss, wir können keine Mitglieder mehr aufnehmen. Ich hoffe nicht, dass das passiert.

Wäre es denn eine Möglichkeit, auf andere Gemeinden auszuweichen?

Allein schon von der Logistik her müssen wir das schon in Traunstein hinbekommen.

Wie schwer ist es gerade, die Sponsoren bei Laune zu halten?

Auch in diesem Bereich sind wir 2021 gewachsen! Ich führe das darauf zurück, dass wir Wort halten und sehr engagiert sind. Wir wollen nichts geschenkt, sondern wir wollen mit Leistung das Engagement der Sponsoren zurückzahlen.

Als Sie 2019 beim TV Traunstein angefangen haben, haben Sie ein neues Konzept vorgelegt. Wie zufrieden sind Sie mit den bisherigen Ergebnissen?

»New Spirit« ist mit sehr viel Aufwand und Engagement verbunden. Aber man sieht aktuell, dass das Konzept die ersten Früchte trägt. Aber: Es ist langfristig angelegt. Wir sind alles andere als perfekt. Manche Dinge brauchen einfach Zeit. Gerade die Jugendarbeit ist ein Bereich, in dem man in Abschnitten von drei oder vier Jahren denken muss – und wir sind erst seit zwei Jahren dran. Wir müssen also noch ein wenig Geduld haben. Aber ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind.

Neben der Schultour hat der TVT auch die sogenannten Sportarbeitsgemeinschaften (SAG) Basketball an den Schulen ins Leben gerufen. Wie läuft es damit?

Sehr gut! Aktuell haben wir vier solcher SAGs. Wir bekommen dadurch auch immer wieder Kinder und Jugendliche, die gerne Basketball im Verein spielen wollen, weil es ihnen in der Schule so gut gefällt. Das ist zwar alles ein Riesenaufwand, aber er lohnt sich. Ich werde deswegen aber auch hinterfragt, ob sich dieser Aufwand auch wirklich rechnet. Das Ganze muss ja auch bezahlt werden. Wir als Verein finanzieren für die SAGs etwa die Trainer. Ich habe mittlerweile aber erreicht, dass uns einige Schullehrer in diesem Bereich unterstützen.

Ziel ist es, so viele eigene Spieler wie möglich für die Erste Mannschaft auszubilden, oder?

Richtig. Es wäre wünschenswert, wenn immer zwei bis drei Spieler pro Jahr nach oben kommen würden.

Blicken wir bitte nochmals auf die Herren I und die aktuelle Saison. Lautet das Ziel auf Biegen und Brechen Aufstieg?

Ich wünsche der Mannschaft den Aufstieg sehr! Von der Qualität her sind wir bereit für die Regionalliga 2.

Müsste man dann personell weiter aufrüsten?

Ich habe überhaupt keine Sorgen, dass wir mit unserem aktuellen Kader eine Liga höher Abstiegssorgen hätten. Wir haben diese Saison mit Jakob Kock und Kameron Rooks auch zwei tolle Neuzugänge bekommen. Sie sind voll eingeschlagen und haben unser Team qualitativ nochmals gepusht.

Mit Kameron Rooks hat man ja sogar Verstärkung aus Amerika geholt. Da kommt die Frage auf: Woher nimmt der TVT das Geld?

Durch die Corona-Krise gab es plötzlich Spieler auf den Markt, die normalerweise unerreichbar für uns gewesen sind. Kameron hatte eben auch kein anderes Engagement und wir konnten ihn mit unserem »We-are-family-Konzept« gewinnen. Das ist auch nicht selbstverständlich für das Budget, das wir haben.

Ist der Aufstieg auch finanziell machbar?

Das ist immer eine Gratwanderung. Aber bis zur Regionalliga 1 ist es für einen Amateurverein finanziell realisierbar – also auch für Traunstein. Natürlich müssen wir immer auch ein Stück weit in diesem Bereich mitwachsen, finanziell und organisatorisch. Bevor wir die Mannschaft aber für die Regionalliga 2 melden würden, würden wir auch nochmals diskutieren: Können wir es uns leisten? Wenn wir nicht vor der Saison wissen, dass wir das Budget für eine Regionalliga-Saison sicher haben, würden wir das Risiko nicht eingehen und kein Abenteuer beginnen. Schließlich müssen wir auch unser Jugendprogramm immer im Blick haben, denn auch das kostet Ressourcen. Das alles zu managen, ist ein Balanceakt.

Können und müssen Sie aktuell schon für die neue Saison planen?

Das ist schwierig. Aber natürlich muss ich schon auf die neue Saison schauen und habe dazu auch schon meine Gedanken.

Mit Luis Prantl haben Sie einen sehr jungen Headcoach, der seit Jahren überaus erfolgreich arbeitet. Wie groß ist Ihre Angst, dass andere Vereine bei Prantl anklopfen könnten?

Luis macht eine hervorragende Arbeit und es gehört zum Geschäft dazu, dass andere Vereine auf ihn aufmerksam werden. Damit muss man rechnen. Das ist ja bei den Spielern genauso.

Unabhängig von den Herren I und dem Aufstiegstraum – welche Ziele haben Sie noch mit dem TVT?

Wir wollen unseren Standort weiterentwickeln und die Jugendarbeit ausbauen. Wir haben noch ganz viel Arbeit vor uns.

Haben Sie deswegen auch Kontakt zu anderen Vereinen aufgenommen? Sind Kooperationen angedacht?

Ja, das habe ich! Ich bin überzeugt davon, dass man kooperieren sollte, wenn es Sinn macht. Ich habe beispielsweise angeboten, dass wir Gemeinsamkeiten entwickeln könnten – insbesondere was die Jugendarbeit betrifft. Die anderen Vereine haben es positiv aufgenommen.

Was wünschen Sie sich für 2022 – privat und sportlich?

Ich wünsche mir persönlich, dass wir alle gesund bleiben! Sportlich hoffe ich, dass wir den Schwung aus 2021 mitnehmen und im neuen Jahr weiter durchstarten können.

Stephanie Brenninger

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