weather-image
14°

»Ich wollte erhobenen Hauptes abtreten«

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Auf Sport will Moritz Geisreiter nicht verzichten: Der 30-Jährige tauscht nun aber die Schlittschuhe gegen Mountainbike und Ski. (Foto: Wukits)

Ein »Sport-Rentner« will Moritz Geisreiter nicht werden. Der 30-jährige Eisschnellläufer aus Inzell hat seine sportliche Karriere zwar beendet und die Schlittschuhe an den Nagel gehängt, aber jetzt will der Langstreckenspezialist mit Mountainbike, Rennrad oder Alpin-Ski sportlich unterwegs sein. »Das alles aber ohne Stress«, betont er schmunzelnd.


»Ich habe mir meinen Rücktritt vom Eisschnelllaufen genau überlegt. Auf alle Fälle hätte ich von der Form her noch weitermachen können. Aber ich wollte erhobenen Hauptes abtreten«, erzählt er. Erste Überlegungen, dem Leistungssport »Auf Wiedersehen« zu sagen, hatte er bereits nach einer schweren Sprunggelenksverletzung vor fünf Jahren und nach den Olympischen Spielen von Sotschi 2014. Durch die Verletzung hatte er große Probleme und fiel dadurch die gesamte Saison 2014/15 aus.

Anzeige

»Voll motiviert« trotz permanenter Schmerzen

»Damals war mein Ziel Olympia 2018 – aber nur vollständig gesund und als noch besserer Eisschnellläufer. Ich habe mich noch einmal voll motiviert und Vollgas gegeben, trotz permanenter Schmerzen«, berichtet er. Nachdem ihm sein Comeback gelungen war, spielte er mit den Gedanken, nach den Spielen 2018 in Südkorea die Karriere zu beenden. Nach längeren Beratungen mit seiner Freundin Marie und seinem persönlichen Umfeld beendete er jetzt seine Karriere. »Vor allem meine Freundin hat mir immer die Perspektiven nach dem Leistungssport aufgezeigt.«

So will sich Moritz Geisreiter nun verstärkt dem Sportler- und Jugendcoaching widmen. »Ich denke, da kann ich einiges aus meinen sportlichen Erfahrungen einfließen lassen.« Der Sportler hat während seiner Karriere neben dem Bachelor im Internationalen Management auch einen Master in Wirtschaftspsychologie mit Schwerpunkt Coaching und Beratung abgeschlossen. »Ich will jungen Menschen und Sportlern Orientierung und ein Karriere-Coaching anbieten«, erklärt Geisreiter, der auch den A-Trainerschein gemacht hat.

Begonnen hat der »Zwei-Meter-Mann« seine sportliche Laufbahn als alpiner Skifahrer, angestoßen durch seinen Vater. Erst als 13-Jähriger ist er zum Eisschnelllauf gekommen. »Ich habe da schon eine Reihe von Sportlern gut gekannt. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich im Ausdauerbereich immer ganz gut dabei gewesen bin«, erinnert er sich.

Mit seinem Onkel Uwe Streb, einem Olympiateilnehmer im Eisschnelllaufen, im Rücken, versuchte er sein Glück mit den Schlittschuhen. »Die Inzeller Gruppe hat immer einen tollen Charakter gehabt, wir sind ein guter Haufen gewesen, oft mit einem eigenen Humor«, beschreibt Moritz Geisreiter das »Mia-san-mia-Gefühl«.

In der Inzeller Trainingsgruppe hat es seit jeher Sprinter, Mittelstreckler und Langstreckler gegeben. »Ich bin oft gefragt geworden, warum ich mir ausgerechnet die 10 000-Meter ausgesucht habe. Wir haben oft geflachst. Die Sprinter hören da auf, wo wir erst anfangen. Ich habe es nicht bereut.« Immerhin hat er es bis zu seiner Sprunggelenksverletzung mit großen Schritten in die Weltspitze geschafft.

Eine bittere Zeit war die Reha nach der Verletzung. Geisreiter nennt es eine »zähe Phase«, in der zum Beispiel das Interesse der Medien an ihm spürbar nachgelassen hat. Könnte er seine sportliche Karriere noch einmal neu beginnen, würde er alles anders machen, meint er und fügt hinzu: »Das würde wohl nichts bringen, dann würde ich halt andere Fehler machen. Es ist so gelaufen, wie es ist, manches hätte ich besser einfädeln können. Wichtig ist die Erfahrung, die ich aus dem ganzen mitnehmen darf.«

Die aktuelle Entwicklung im Eisschnelllaufen in Deutschland findet er schade. Nach Olympia sind Sportdirektor Robert Bartko und Bundestrainer Jan van Veen zurückgetreten. »Mit Bartko ist damals ein scharfer Wind hereingekommen. Aber das ist motivierend gewesen, auch wenn es manchmal sehr hart war«, meint Moritz Geisreiter.

Moritz Geisreiter sieht auch Hoffnungsschimmer

Frischen Wind hat vor zwei Jahren auch der neue Bundestrainer van Veen in die Mannschaft getragen. »Jan war ein sehr feinfühliger Mensch im Umgang mit uns und ein absolut guter Trainer«, bescheinigt ihm der Sportler. »Leider ist es mit den langfristigen Zielen der beiden nichts geworden. Vielleicht hat die Kommunikation im Verband gefehlt. Nach dem Erdbeben im deutschen Eisschnelllauf wird man sich wohl wieder auf alte Werte besinnen. Ich sehe das wie ein altes Paar Turnschuhe, die wieder herausgeholt werden, weil das andere Paar abgelatscht ist«, beschreibt es Geisreiter. Trotzdem sieht er ein paar Hoffnungsschimmer im Nachwuchsbereich.

Die Zukunft am Standort Inzell kann Moritz Geisreiter schlecht einschätzen, betont aber: »Es braucht gute Strukturen, vor allem für Roxanne und Joel Dufter. Da sind Trainer Danny Leger und DESG-Vizepräsident Hubert Graf gefordert, dass da regional was geboten wird.« SHu

Mehr aus Traunstein
Mehr aus Traunstein