»Ich will diesen Schwung jetzt mitnehmen«

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Mit neuem Schwung – so wie hier beim Testwettkampf in der Chiemgau-Arena in Ruhpolding – zu alten Erfolgen? Niklas Homberg will bei der DM wieder an seine frühere Form anknüpfen. (Foto: Hohler)

Zum ersten großen Leistungstest der Saison geht es für die deutschen Biathleten ab dem morgigen Freitag (11 Uhr): Da stehen in Altenberg die Deutschen Meisterschaften an. Die Ergebnisse aus Altenberg bilden zu gut einem Drittel die Nominierungsgrundlage für Weltcup und IBU-Cup. Zudem sind einige Athleten bereits für die Weltcups und den IBU-Cup vornominiert (siehe eigenen Text).


Sehr gespannt auf den Verlauf der DM ist auch Nik- las Homberg (SK Berchtesgaden). Der 25-Jährige hatte in der Saison 2018/2019 gesundheitliches Pech – und das wirkte auch noch in der Saison 2019/2020 nach.

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Im Winter 2018/19 »hat es mich gesundheitlich richtig reingerissen. Ich musste beim IBU-Cup in Polen sogar die Saison vorzeitig abbrechen«, erinnert er sich. Nach der Rückkehr wurde er auf das Epstein-Barr-Virus – das das Pfeiffersche Drüsenfieber auslösen kann – untersucht. »Aber die Infektionslage war nicht ganz klar, daher hat sich die ganze Sache hingezogen.« In der Folgezeit kamen »immer wieder Probleme dazu, unter anderem eine eitrige Mandelentzündung.«

So wurde deutlich: Der Körper brauchte Schonung. »Ich musste einige Wochen fast komplett Ruhe geben, und man braucht dann entsprechend lange, bis man wieder richtig fit wird«, erläutert der 25-Jährige.

Es war eine schwierige Phase – auch vom Kopf her. »Ich kann zwar schon von selbst sehr schnell wieder Motivation fassen, aber trotzdem hat mir mein Netzwerk gutgetan«, berichtet er. Dazu gehörten die Trainer, »mit denen man schon offen reden kann, und auch Familie und Freunde. Zudem habe ich einen Mentaltrainer, mit dem ich individuell arbeite.« Diese Unterstützung sei gerade in schwierigen Phasen eminent wichtig, »weil oft die Außensicht hilft, besser zu erkennen, wie die Lage wirklich ist.«

Klar war: Die Situation würde länger anhalten. Schließlich müsse man solche gesundheitlichen Probleme »erst auskurieren, dann kompensieren und dann die Form neu aufbauen.«

Die Folge: Bei den Deutschen Meisterschaften 2019, die als Qualifikation für die internationalen Rennen galten, war Homberg noch nicht wieder auf seinem Spitzenniveau. Er musste sich anschließend erst allmählich über den Deutschlandpokal in Form bringen und nach vorne kämpfen.

Was für den vergangenen Winter ein Nachteil war, könnte aber nun zum Vorteil für den 25-Jährigen werden: Denn gerade zum Ende der Saison 2019/2020 stieg seine Formkurve an. »Das war ein ganz anderes Körpergefühl« erinnert er sich – »und ich will diesen Schwung jetzt mitnehmen.«

Die Aussichen scheinen gut. Homberg kam sehr gut durch die Vorbereitung. Auch bei einem Testwettkampf am Stützpunkt – ohne die etablierten Athleten wie Simon Schempp (SZ Uhingen), Johannes Kühn (WSV Reit im Winkl) und Philipp Nawrath (SK Nesselwang) – zeigte er sich in guter Verfassung. Hinter Dominic Schmuck (SC Schleching), der mit zwei fehlerfreien Runden und einer ansprechenden Laufzeit aufwartete, sowie dem läuferisch überzeugenden Johannes Donhauser (SC Ruhpolding/2 Fehler) wurde Homberg (1 Fehler) Dritter.

»Das war eine ordentliche Laufzeit«, lobte ihn Trainer Remo Krug, der sich insgesamt bei den beteiligten Athleten über »relativ viele gute Schießergebnisse« freuen konnte. »Die Leistungen waren ansprechend, aber es ist noch Luft nach oben«, betont Krug.

Und er ist sich mit Homberg einig: Nach einer so harten Vorbereitungsphase konnte beim Test auch noch nicht das Topniveau erwartet werden. Bis zum ersten DM-Rennen aber »sollte die Topform da sein.«

Für Homberg ist die DM aber noch mehr als ein Qualifikations-Wettkampf. »Sie fällt zeitlich in eine Hochphase des Trainings. Da kann man sehen, wie gut die Vorbereitung tatsächlich lief. Denn bis jetzt wurden die Grundlagen für die Saison gelegt, danach erfolgt eher das ,Feintuning'«, erläutert er. Fehlen wird dabei Erik Lesser. Eine langwierige Erkältung verhindert den Start des 32-Jährigen in Altenberg. »Ich kränkele seit zwei Wochen und es wird nicht besser«, sagte der Thüringer der Zeitung »Freies Wort«. Auch Johannes Kühn wird nach einem Sturz im Training bei der Deutschen Meisterschaft fehlen. »Ich hoffe, dass ich nach ein paar Tagen Pause wieder ins Training einsteigen kann«, postete der Biathlet auf Instagram.

Bei den Frauen sind ebenfalls spannende Wettbewerb zu erwarten. Dabei muss der Stützpunkt Ruhpolding auf zwei im Weltcup erfahrene Athletinnen verzichten: Vanessa Hinz (Bänderriss) vom SC Schliersee und Karolin Horchler (Rippenbruch) vom WSV Clausthal-Zellerfeld fallen aus. Gut aufgestellt ist das Team trotzdem, schließlich wird es von der 2019er-Weltmeisterin Denise Herrmann (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal) angeführt. Herrmann ist auch das »Gesicht« der Ausschreibung für die Wettkämpfe in der Sparkassen-Arena in Altenberg. Der SSV Altenberg ist der Ausrichter.

Am heutigen Donnerstag ist das Training für Damen und Herren angesagt. Am Freitag folgt für die Frauen (ab 11 Uhr) und die Männer (ab 14 Uhr) ein verkürzter Einzellauf. Gelaufen werden 12,5 km (statt 15 km) bei den Frauen und 15 km (statt 20 km) bei den Männern. Am Samstag (11 Uhr Frauen, 14 Uhr Männer) geht's mit den Sprints weiter, am Sonntag bilden die Verfolgungsrennen (11 Uhr Frauen, 14 Uhr Männer) den Abschluss der Titelkämpfe. Es ist ein Abschluss, der gleichzeitig der »Startschuss« für die weitere Saison ist. who

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