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»Ich will 2022 auf die Langdistanz gehen«

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Julian Erhardt hält sich derzeit im Chiemgau fit – und der Profi-Triathlet aus Übersee geht dabei zurzeit sehr gerne auch mal Langlaufen. (Foto: Erhardt)

Profi-Triathlet Julian Erhardt hat dank seines Fernziels keine Motivationsprobleme – 29-Jähriger hofft auf einige Rennen in diesem Jahr


Nicht schon wieder! 2021 hat für Julian Erhardt so begonnen, wie er es im vergangenen Jahr zigmal erlebt musste: mit einer Absage! »Das ist praktisch die Fortsetzung von 2020«, stöhnt der Profi-Triathlet aus Übersee. Er wollte in diesen Tagen nämlich eigentlich nach Portugal ins Trainingslager fliegen. Doch die steigenden Corona-Zahlen dort, machten eine Reise plötzlich unmöglich. »Die Krise ist noch nicht vorbei. Jetzt werde ich halt daheim weiter trainieren«, sagt der 29-Jährige, der für Triathlon Grassau startet.

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Aktuell hat er hier allerdings nicht die besten Bedingungen. Das größte Problem für ihn ist gerade, dass die Hallenbäder aufgrund der Corona-Einschränkungen schließen mussten und es auch nicht absehbar ist, wann sie wieder öffnen dürfen. »Ich dürfte zwar als Profi rein theoretisch schwimmen«, erzählt er, »aber bei uns gibt es halt in der Nähe keinen Olympiastützpunkt mit einem Schwimmbad.« Auch deshalb wäre er jetzt gern nach Portugal geflogen, dort war das Schwimmen nämlich bislang weiterhin möglich. »Das wäre schon eine willkommene Abwechslung gewesen«, sagt er.

Und freilich hätte er in wärmeren Gefilden auch viele Rad-Kilometer sammeln wollen. »Aber ich kann es nicht ändern und deshalb rege ich mich auch nicht darüber auf.« Und Erhardt mag auch gar nicht zu viel jammern. »Denn wir können hier bei uns beispielsweise gerade sehr gut Langlaufen und das macht mir auch sehr viel Spaß.« Positiver Nebeneffekt dabei ist: »Das Langlaufen kommt der Disziplin Schwimmen schon sehr nah.«

Was die aktuelle Saison betrifft, mag Julian Erhardt keine Prognose wagen. »Ich hoffe einfach, dass es eine Saison geben wird und ich bin froh über jedes Rennen, das stattfinden kann«, sagt der Triathlet. Er rechnet aber eher damit, dass es eine Sommer- und Herbstsaison geben wird. Klar ist: Kann auch in diesem Jahr wieder keine richtige Triathlon-Saison stattfinden, »wird es immer schwieriger für uns werden, weil ja die Antritts- und Preisgelder fehlen«.

Einige Wettbewerbe sind bereits erneut verschoben

Und so hat Julian Erhardt seine Fühler bereits ausgestreckt. »Ich bin mit einigen Veranstaltern in Kontakt«, erzählt er. Die Tendenz geht dabei eindeutig in eine Richtung: »Viele Rennen aus dem Frühjahr sind teilweise schon jetzt in die zweite Jahreshälfte verschoben worden«, sagt er. Etwa die Challenge Salou. Dieses Rennen in Spanien hätte ursprünglich ja bereits im vergangenen Jahr am 29. März stattfinden sollen, musste dann aber aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden und soll nun am ersten Oktober-Wochenende nachgeholt werden.

»Die Verlegungen finde ich aber gar nicht so schlecht, denn dann hat man jetzt Planungssicherheit.« Erhardt selber rechnet auch nicht damit, dass in der ersten Jahreshälfte viele Wettkämpfe sein werden. Aktuell hat er für diesen Zeitraum aber noch drei Rennen in seinem Jahresplan stehen, die er noch nicht ganz abgeschrieben hat: Die Challenge Riccione in Italien ist für den 9. Mai angesetzt. Zudem ist der heimische Triathlet für die Challenge Samorin qualifiziert. Der Wettkampf in der Slowakei soll vom 21. bis 23. Mai über die Bühne gehen und dabei handelt es sich auch um Weltmeisterschaft der Challenge-Serie. Auch für die Challenge St. Pölten am 30. Mai ist der Überseer gemeldet. Ob diese Rennen stattfinden können, steht aktuell freilich noch in den Sternen. Die drei Wettbewerbe zeigen aber schon, wo es für Julian Erhardt in diesem Jahr hingehen soll. Sobald die Saison hoffentlich Fahrt aufnehmen kann, will er eben vor allem bei Mitteldistanz-Rennen (meist 2,0 km Schwimmen, 90 km Radfahren, 21 km Laufen) sein Glück versuchen. Denkbar wäre für ihn auch, dass er in diesem Jahr bei der Challenge Walchsee am 27. Juni an den Start geht, falls es sein Heimrennen, den Eberl-Chiemsee-Triathlon, nicht geben wird.

Rhein-Neckar-Cup: Das Triple im Visier

Und ansonsten plant Erhardt auch wieder mit ein paar alten Bekannten – wie etwa der Challenge Davos. Und auch den Rhein-Neckar-Cup, den er zuletzt zweimal in Folge gewinnen konnte, hat Erhardt auf dem Schirm. »Da würde ich natürlich sehr gerne das Triple perfekt machen.«

Trotz dieser ganzen Ungewissheit hat Julian Erhardt, der seinen Partnern und Sponsoren auch überaus dankbar ist, dass sie ihn trotz der Corona-Krise auch weiterhin unterstützen, aber keine Motivationsprobleme. Auch weil er seine Ziele mittlerweile langfristig ausgelegt hat. »Ich habe bereits ein Auge auf die Saison 2022 geworfen«, verrät er. Sein nächster großer Schritt lautet nämlich: »Ich will 2022 auf die Langdistanz gehen.« Und ein Rennen für die Schinderei über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 41,195 km Laufen hat er sich auch schon ausgesucht: Julian Erhardt will in Roth starten. »Mit diesem übergeordneten Ziel im Hinterkopf habe ich einen guten Ansatz für mich gefunden«, freut er sich.

Und das Training läuft derzeit auch richtig gut bei Julian Erhardt, der ja von Björn Geesmann (er ist unter anderem auch Trainer des zweimaligen Ironman-Hawaii-Siegers Patrick Lange) gecoacht wird. In den vergangenen Wochen und Monaten setzte sich Erhardt, der ja selbst Sportwissenschaften studiert hat und im Besitz der Triathlon-B-Trainer-Lizenz Leistungssport ist, gerade bei den Laufeinheiten neue Reize. Er lief etwa Anfang Oktober seinen ersten Marathon, stellte zudem zuletzt neue persönliche Bestzeiten über die 5-km- und die 10-km-Distanz auf.

»Mit den Ergebnissen bin ich sehr zufrieden. Ich war sogar überrascht, dass es zu dieser Jahreszeit so gut geht.« Auch die Ergebnisse der jüngsten Leistungsdiagnostik lassen darauf schließen, dass der Triathlet auf einem richtig guten Weg ist.

Die nächsten Wochen wird er sich nun aber auch in Sachen Radtraining etwas einfallen lassen müssen. Auf der Rolle kann man eben nicht ganz so viele Kilometer sammeln wie eben auf der Straße. »Aber jetzt ist auch in diesem Bereich mal die Chance da, etwas Neues auszuprobieren.« Und das Thema Trainingslager hat Julian Erhardt auch noch nicht so ganz abgeschrieben. »Wir werden jetzt wieder im Februar schauen. Vielleicht ist es dann ja möglich, dass ich auf die Kanaren fliege.« SB

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