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»Ich werde mich auch weiter an der frischen Luft bewegen«

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So hatte er in diesem Winter den Sieg in seiner Altersklasse bei den Winter World Master Games über 5000 Meter gefeiert: Eisschnellläufer Günter Traub.

Er gehört aus medizinischer Sicht in der Corona-Krise zur besonders gefährdeten Risikogruppe, doch eines steht für Eisschnellläufer Günter Traub fest: »Ich werde mich auch weiter an der frischen Luft bewegen – denn Sport ist ganz wichtig«, betont das Ehrenmitglied des DEC Inzell, das in St. Moritz (Schweiz) wohnt.


Und: »Nein, ich habe keine Angst«, betont er. Traub, der sowohl in seiner Zeit als junger Aktiver unter an- derem mit zwei Weltrekorden und auch als Senioren-Weltmeister den DEC international häufig vertrat – und möglichst auch noch in Zukunft vertreten will – setzt stattdessen auf eine vernünftige Lebensweise und Vorsichtsmaßnahmen.

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Schon frühzeitig Schutzmasken besorgt

Der 81-Jährige hatte sich in seinem Wohnort im Ober-Engadin schon frühzeitig Schutzmasken besorgt, »als die Krise in Italien losging.« Auch deshalb, »weil viele Italiener gerade hier im Ober-Engadin Ferienwohnungen besitzen. Da war mir klar, dass man da aufpassen muss.« Und er sah sich in seinen Vorsichtsmaßnahmen bestätigt, als Bergamo zu einem der sogenannten Hotspots der Krise wurde, »denn das ist ja nicht weit von uns entfernt.«

Auch zeige die derzeitige Krise, dass die Welt mehr Maß- und Innehalten nötig habe. Denn, so der gebürtige Schweinfurter: »Die menschlichen Verhaltensweisen sind am gefährlichsten.«

Mit der vergangenen Saison ist er angesichts der schwierigen Umstände zufrieden. Immerhin konnte er bei den Winter World Master Games – dem weltweit größten Wintersport-Festival der Senioren überhaupt – in seiner Altersklasse den Sieg über 5000 Meter holen. Er war dabei schneller als der Sieger der nächstjüngeren Altersklasse.

Das sei keine Selbstverständlichkeit, betont der 81-Jährige. »Gerade im Eisschnelllauf baut man im höheren Alter viel stärker ab.« Zudem hatte ihn eine Hüftgelenks-Operation Ende April 2019 deutlich zurückgeworfen. Die OP war nötig und verlief auch gut, »aber zum einen muss man eine ganze Zeit pausieren, zum anderen dauert es meist zwei bis drei Jahre, bis man wieder völlig fit von der Hüfte her ist.«

»Typisches Problem« für Eisschnellläufer

Dass die Hüfte in Mitleidenschaft gezogen wurde, sei wegen der zahlreichen Kurvenläufe eine »typische Eisschnelllauf-Verletzung.« Zumal die älteren Semester wie er »früher oft auch Rollschnellläufer waren. Da haben wir oft auf dem Eishockeyfeld unsere Runden gedreht und bis zu 20 Kilometer absolviert.«

Derzeit betreibt Traub oft Skilanglauf. »Bei uns hat es nachts noch Minusgrade, da sind die Loipen noch sehr gut. Und ich laufe abends, da sieht man ohnehin kaum Leute – ansonsten muss man halt Abstand halten.« Wie wichtig Bewegung ist, habe er durch die Zeit nach zahlreichen Verletzungen und Erkrankungen gelernt: »Sobald man sich nicht bewegt, baut man ab« – was gerade im Alter ein großes Problem sei. Genau dieses Wissen »ist meine große Motivation, um weiter Sport zu betreiben.«

So kommt zum Skilanglauf, der »eine wunderbare Ganzkörperbewegung« ist, auch noch viel Stretching hinzu. Der 81-Jährige betreibt auch Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, auch einbeinige Kniebeugen seien sehr hilfreich zum Kraftaufbau.

Ob er wie geplant sein Rad-Trainingslager im Mai auf Mallorca antreten kann, ist eher unsicher – aber Traub ist sich sicher, genügend Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung zu finden. Zudem plant er spätestens im Juli einen längeren Aufenthalt in Inzell. Dort ist wieder vom 4. Juli bis Anfang August ein Sommereis in der Max-Aicher-Arena geplant. Auch wenn dieses nicht stattfinden sollte, kommt Traub gerne in seine Wahlheimat, »denn hier hat man auch sonst wunderbare Trainingsmöglichkeiten, vor allem mit dem Mountainbike.«

Ohnehin sei für ihn als älterer Sportler die aktuelle Krise nicht so schlimm. Da treffe es die potenziellen Teilnehmer der Olympischen Spiele in Tokio (Japan) wesentlich härter. Immerhin sei nun endlich die Entscheidung zur Verlegung um ein Jahr gefallen. Gerade die Diskussionen zuvor »konnte ich gut mitfühlen: Da weiß man, man hat es drin, und dann kommt etwas Unvorhergesehenes. Als Sportler fixiert man sich auf einen bestimmten Zeitpunkt, baut innerlich die Motivation auf – und dann ist die Motivation erst einmal weg.« Das lange Abwarten des IOC sei »schon sehr fragwürdig« gewesen, »aber jetzt ist es viel besser, dass endlich die Entscheidung da ist.«

Auch Traub will sich weiterhin mit internationaler Konkurrenz messen, aber die Ausgangslage ist eben ganz anders. Für ihn geht es – bei allem Ehrgeiz – auch darum, sich möglichst lange gesund und fit zu halten, »denn mit dem Sport kann man dem Alterungsprozess schon etwas davonlaufen.«

Genügend Schlaf und viel Bewegung

Für all diejenigen, die in der aktuellen Situation um ihre Gesundheit bangen, hat er – neben den üblichen Hygienemaßnahmen – noch weitere Empfehlungen. Zur Bewegung möglichst auch an frischer Luft sollte auch unbedingt genügend Schlaf kommen. Eine vernünftige Ernährung mit viel Gemüse »und möglichst wenig tierischem Eiweiß« sei ebenfalls gut, so der erfahrene Diplom-Sportlehrer und Fitnesstrainer. »Und vor allem Vitamin C und Zink ist sehr wichtig«, empfiehlt Traub. Daran sollten sich möglichst alle halten – auch wenn sie nicht so hohe sportliche Ambitionen haben wie der 81-Jährige ... who

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