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»Ich muss sie manchmal einbremsen«

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Im Gespräch mit Trainer Tobias Reiter: Biathlon-Talent Anna Weidel. (Foto: Wukits)

»Sehr schön Anna – und jetzt noch einmal durchziehen und beim Schießen konzentrieren«: Biathlon-Damen-Bundestrainer Tobias Reiter nickt beifällig, wenn er seinen Schützling Anna Weidel beim Training in der Ruhpoldinger Chiemgau Arena beobachtet. Die 18-Jährige vom WSV Kiefersfelden gilt als eines der hoffnungsvollsten Talente im deutschen Biathlonsport. »Ich muss sie manchmal einbremsen, sie ist unheimlich ehrgeizig«, sagt Reiter und freut sich jetzt auf eine kurze Pause in der Vorbereitung. »Da kann sie mal durchschnaufen und zur Ruhe kommen.«


Anstrengende Zeit

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Anna Weidel hat aufregende und anstrengende Wochen hinter sich. Nicht nur sportlich. Zunächst bestand sie ihre Matura in Kufstein. Ab dem 1. August wird sie eine Ausbildung beim Zoll beginnen, dazu stand der Umzug von Kiefersfelden nach Ruhpolding auf dem Programm. »Das gehört zum Plan, schließlich ist es von mir zuhause zur Chiemgau-Arena jedes Mal eine Stunde Fahrt.«

In diesem Winter will Anna Weidel im Deutschland-Pokal gute Leistungen bringen und sich für die Junioren-Weltmeisterschaft qualifizieren. Bei dieser holte sie in diesem Winter immerhin in der Altersklasse Jugend zwei Silbermedaillen.

Der Plan in diesem Jahr ist, aber schon bei den Junioren anzutreten. Außerdem liebäugelt sie mit einem Einsatz im IBU-Cup. In der Trainingsgruppe bei Tobias Reiter fühlt sie sich pudelwohl.

Die Jungs fehlen im Training

»Der Tobi ist für mich der beste Trainer überhaupt. Ich trainiere bei ihm seit der J 16 und bin froh, dass er weiter für mich verantwortlich ist.« Auch mit den anderen Sportlerinnen in der Gruppe wie Franziska Preuß, Vanessa Hinz oder Marion Deigentesch kommt sie bestens zurecht. »Ich finde nur, dass die Jungs ein wenig abgehen. Das ist das erste Jahr, dass ich nur mit Mädels trainiere«, meint sie augenzwinkernd.

Im bisherigen Verlauf ihrer Karriere hat die 18-Jährige Rennen teilweise wie am Fließband gewonnen. Für sie ist das aber keine Belastung. »Der Weg ist im Biathlon sehr lang und der Erfolg ist immer ein Zeichen, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet.« Auf ihre Stärken und Schwächen angesprochen meint sie, dass sie zumindest im vergangenen Winter im Laufen ihre Vorteile ausspielen konnte. »Meine größte Schwäche ist wahrscheinlich die Hektik am Schießstand. Oft fällt es schwer, über fünf Schuss die Konzentration aufrecht zu halten und so passieren mir öfters Leichtsinnsfehler«, gibt sie offen zu.

Hobbys: Klettern und Surfen

Ein direktes Vorbild hat sie nicht. Jeder Athlet habe Stärken und Schwächen und man könne von jedem etwas lernen, so Weidel – auch von denen in der eigenen Trainingsgruppe. Was die Zukunft als Profi-Sportlerin bringen wird, kann sie derzeit noch nicht beurteilen. »Ich hoffe, mir bleibt hin und wieder Zeit fürs Klettern und im Urlaub werde ich zum Surfen fahren.« Viel Lob findet sie für ihren Heimatverein den WSV Kiefersfelden. Immer wieder bringt der Verein talentierte Wintersportler – und das nicht nur im Biathlon – hervor. »Wir sind zwar ein kleiner Verein, aber wir haben trotzdem eine ausgezeichnete Nachwuchsarbeit und ein regelmäßiges Vereinstraining.«

Sie selbst trainiert am Stützpunkt in Ruhpolding. Es bleibt zu hoffen, dass Anna Weidel den eingeschlagenen Weg fortsetzen kann und ihr Trainer Tobias Reiter nicht allzu oft die Bremse betätigen muss. SHu.