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»Ich möchte nicht in seiner Haut stecken«

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Zur großen Werbung für den Biathlonsport wurde die Staffel der Herren beim Weltcup in Ruhpolding. Was am späten Donnerstag die Athleten der vier erstplatzierten Mannschaften boten, beeindruckte auch die deutschen Läufer.


»So eine ausgeglichene Staffel habe ich selten erlebt«, waren sich Simon Schempp, Andreas Birnbacher, Arnd Peiffer und Erik Lesser einig. Dass sie mit Rang vier die »Leidtragenden« dieser großartigen Vorstellungen wurden, sahen sie deshalb auch nicht als negativ. »Die Leistung hat gestimmt«, stellten sie mit großer Zufriedenheit fest.

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Nur um 11,3 Sekunden hatten sie einen Podestplatz verpasst, aber schon über 1:10 Minuten Vorsprung auf die fünftplatzierten Russen aufgewiesen. Von Beginn an mischten die Deutschen hervorragend mit. Startläufer Simon Schempp musste bei Schneeregen den Durchblick behalten – und tat es auch. Nach dem zweiten Schießen hatte er nur einen kleinen Rückstand auf die Spitze gehabt – und überholte am letzten Anstieg alle Konkurrenten. Unter dem Jubel der Fans übergab er an Andi Birnbacher. »Die Stimmung hier ist extrem gut. Ich trainiere ja auch das ganze Jahr hier, das macht viel Spaß«, freute sich Schempp.

Birnbacher, gerade erst von einer Erkrankung genesen, zog nach hervorragendem zweiten Schießen sogar den Konkurrenten um gut 13 Sekunden davon. Doch die »Meute« jagte ihn im dichten Schneetreiben gemeinsam und holte ihn ein. »Ich wusste, dass ich nach dieser Pause noch nicht genügend Kraft habe, um als Schlussläufer anzutreten. Darum war ich froh darüber, dass ich als Zweiter auf die Strecke konnte«, so der Schlechinger.

Praktisch gleichauf mit den anderen Spitzenteams übergab er an Arnd Peiffer, der ebenso läuferisch wie als Schütze stark war und nur eine Scheibe stehen ließ. »Das war ein hartes Stück Arbeit«, gestand Peiffer.

Er ahnte schon, was auf Schlussläufer Erik Lesser zukommen würde: Er muss gegen die besten Läufer im Feld antreten, Martin Fourcade und Emil Hegle Svendsen – und auch noch Christoph Sumann. »Ich möchte nicht in seiner Haut stecken«, bekannte er. Doch er zeigte sich auch hoffnungsvoll: »Erik ist ein sicherer und schneller Schütze, und vielleicht riskiert er ja etwas und setzt die Konkurrenten im Schießen unter Druck.«

Gesagt, getan: Im Stehendanschlag zog Lesser tatsächlich durch, lag knapp vor Fourcade, gut fünf Sekunden vor Sumann und rund 20 Sekunden vor Svendsen.

Doch während vorne der »König« der WM von 2012, Fourcade, sich allmählich absetzte, stürmten von hinten Sumann und Svendsen gemeinsam in rasendem Tempo heran. Lesser wehrte sich tapfer, musste sich aber letztlich dem Ansturm geschlagen geben.

Ähnlich wie das deutsche Team war auch das französische ein wenig geschwächt in den Wettkampf gegangen. »Ich bin noch nicht in Bestform, aber es wird allmählich besser«, freute sich Startläufer Simon Fourcade. Jean Guillaume Beatrix lobte die »gute Arbeit der Techniker bei diesen wechselnden Bedingungen.«

Alexis Bouef freute sich darüber, dass er gegen den Österreicher Dominik Landertinger auch läuferisch gut mitgehalten hatte. Die Leistung mache ihm Mut. »Ja, vielleicht kann ich wirklich mal ein Einzelrennen gewinnen«, meinte er auf die entsprechende Frage. Und Martin Fourcade zeigte sich erleichtert darüber, dass er nach seiner Schulterverletzung beim Biathlon auf Schalke wieder fit ist: »Es geht mir viel, viel besser, ich komme allmählich in Bestform.«

In dieser zeigten sich auch die Österreicher mit Simon Eder, Friedrich Pinter, Landertinger und Sumann. »Es war toll, dass wir diesmal als ganzes Team so stark waren, in Oberhof ging ja mit der Staffel noch nichts«, so Landertinger. Christoph Sumann hatte sich im Oktober 2012 sogar in Ruhpolding vorbereitet, »aber das war noch auf Skirollern, das war mit heute nicht zu vergleichen.«

Dennoch: Weltcups in Ruhpolding seien für ihn und seine Kollegen immer etwas Besonderes. »Es ist schon fast ein Heim-Weltcup für uns, und außerdem haben wir in den vergangenen Jahren hier auch in der Staffel immer gute Ergebnisse abgeliefert. »Wir sind wieder zurück an der Spitze«, freute er sich.

Das konnten allerdings auch die deutschen Herren behaupten, die mit ihrer starken Leistung auch Hoffnungen für den heutigen Sprint und den Massenstart am morgigen Sonntag geweckt haben. who