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»Ich habe immer noch genau so viel Spaß wie am Anfang«

Im Rahmen der Sommerleistungskontrolle der Damen stellte sich Evi Sachenbacher-Stehle zu einem Interview mit unserem Mitarbeiter Helmuth Wegscheider zur Verfügung und machte deutlich, dass ihr der Biathlon-Sport wirklich ans Herz gewachsen ist.

Evi Sachenbacher-Stehle hat den späten Wechsel zum Biathlon nicht bereut. (Foto: Wegscheider)

Evi, du bist jetzt seit ziemlich genau einem Jahr bei den Biathletinnen am Start und hast ein Jahr IBU-Cup und Weltcup-Einsätze hinter Dir. Wie fällt dein Fazit aus?

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Sachenbacher-Stehle: Wenn ich ehrlich bin, war es eine super Saison, die unverhofft gut verlaufen ist. Am Anfang gab es zwar kleine Problemchen mit Skitesten, Anschießen, dem mentalen Stress und dem ganzen Drum herum, doch man bekommt das in den Griff. Es war ja doch anders als beim Langlaufen, aber nach und nach lief es immer besser und es haben sich auch die ersten kleinen Erfolge eingestellt. Ich habe immer noch genau so viel Spaß wie am Anfang und das ist das Wichtigste.

Als du so spät in deiner Sportlerkarriere mit so vielen tollen Erfolgen beim Langlaufen die Sportart gewechselt hast, wurden doch auch bestimmt kritische Stimmen laut wie »was will die Sachenbacher denn jetzt beim Biathlon?

Direkt hat es niemand zu mir gesagt, doch es gab sicherlich kritische Aussagen. In der Tat war der Umstieg spät, doch das Entscheidende ist, dass man im Leben das macht, was man für richtig hält und wozu man Lust hat. Ich wollte auch nochmal was Neues ausprobieren und sehen, ob die Leistung dafür stimmt. Letztlich soll man das Leben so leben, wie man es will. Mein Mann Johannes hat mich dabei sehr unterstützt und ist immer hinter meiner Entscheidung gestanden.

Was ist der entscheidende Unterschied zwischen Langlaufen und Biathlon?

Die Waffe auf dem Rücken (lacht). Nein, Spaß beiseite, beim Langlaufen musst du von Anfang an Gas geben, durchweg vom Start bis zum Zieleinlauf, außer vielleicht beim 30-Kilometer-Massenstart, wo auch mal taktiert wird. Beim Biathlon ist es wichtig runterzukommen, wenn es zum Schießen geht. Die Taktik spielt eine noch wichtigere Rolle. Im Schießen ist die Ruhe einfach verdammt wichtig und das hat man beim Langlaufen in dieser Form nicht. Dafür die richtige Mischung zu finden und dann auch noch zu treffen, ist mit entscheidend beim Biathlon und das macht auch die Faszination aus.

Was siehst du als deinen bisher größten Erfolg beim Biathlon?

Ganz klar, der Sieg in der Staffel beim WC in Sotschi und der sechste Platz im Sprint. Das waren für mich unglaubliche und nicht zu erwartende Ergebnisse. Wer hätte denn schon geglaubt, dass ich in meiner ersten Saison im Weltcup unter die ersten Zehn laufen kann. Dies ist natürlich eine enorme Motivation für die neue Trainingssaison. Ich weiß jetzt, dass ich mithalten kann und habe ausgerechnet auf den Olympiastrecken meine besten Ergebnisse erzielen können. Allein das stimmt mich sehr zuversichtlich und gibt mir Motivation für die Zukunft.

Wie war der Einstieg in deine erste Saison als Biathletin?

Eigentlich war mein erster IBU-Cup schon etwas abenteuerlich, denn ich war in Idre als einziges deutsches Mädchen am Start. Ein großer Dank hier an Uwe Müßiggang, der mich speziell betreute, sozusagen als Privattrainer und mir die ersten Tipps beim Rennen gab. Das Ergebnis war schon fast zweitrangig, wichtig war es erst mal reinzukommen ins Wettkampfgeschehen. Und nach und nach lief es dann immer besser bis zu den Weltcup-Einsätzen. Insgesamt sprang dann der zweite Platz in der IBU-Gesamtwertung heraus und das ist gar nicht so schlecht, denn diese Rennen waren teilweise sehr gut besetzt.

Apropos Weltcup-Einsätze. Bei den beiden Heim-Weltcups in Oberhof und Ruhpolding haben die Trainer entschieden, dich nicht starten zu lassen. War das in Ordnung für dich?

Die Entscheidung war korrekt und mit mir so abgestimmt. Der Druck ist gerade für uns Deutsche bei den beiden Weltcups enorm groß. Die Zuschauer wollen Erfolge sehen und die Aktiven müssen und wollen sich beweisen. Für mich war diese Saison vor allem da, um zu lernen. Die Abläufe mussten sich einspielen und dabei sollte ich nicht überfordert werden. Natürlich ist es immer schön, zu Hause zu laufen, aber im Nachhinein würde ich es wieder so machen.

Im vergangenen Jahr warst du zum ersten Mal bei der Sommerleistungskontrolle der Damen am Start und hast gleich gewonnen. Was war dabei für dich am härtesten?

Im Vorjahr hatte ich auch ein bisschen Glück, denn bei den Ausdauerbewerben hatte ich immer eine starke Partnerin, die mich mitgezogen hat. Beim Radfahren und beim Crosslauf war Miriam Gössner bei mir und beim 3000-Meter-Lauf konnte ich mich gut an Juliane Döll orientieren. Durch die einigermaßen guten Schießergebnisse lag ich dann am Ende knapp vorne. Als besondere Herausforderung finde ich den kurzen Ablauf der jeweiligen Wettkämpfe, immer vormittags und nachmittags mit Ausdauerbelastung und den Schießeinlagen. Das Ganze zu kompensieren und auch immer im Kopf stark zu sein, macht es aus, wer sich letztlich durchsetzt. Grundsätzlich ist es schon eine harte Woche.

Findest du diese Form der Leistungsüberprüfung sinnvoll?

Ja, auf jeden Fall. Zum einen ist es eine gute Erfahrung für den Winter und zum anderen ist es wichtig für einen selber, um zu sehen, ob die Trainingsform stimmt. Man trifft alle Mädels und sieht, wo man steht.

Du wohnst mit deinem Mann Johannes in Kössen, das vom Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Hat es euch auch erwischt?

Wir selbst haben großes Glück gehabt und sind trocken geblieben. Viel schlimmer hat es leider viele andere erwischt, die mit dem Boot aus ihren Häusern abgeholt wurden. Bei uns war nur zwei Tage der Strom weg und wir konnten die Rollos nicht mehr aufmachen, also haben wir zwei Tage im Dunkeln gewohnt, wie in einer Höhle. Da merkt man erst mal, welche Dinge im Leben wirklich wichtig sind und was zur Gewohnheit wurde.

Wie sieht die weitere Trainingsplanung aus?

Jetzt erst mal die Sommerleistungskontrolle ordentlich über die Bühne bringen. Dann werden wir uns kurz erholen und danach bestimmt auch wie im letzten Jahr das Sommereis in Inzell nutzen. Das ist eine ganz gute Abwechslung und enorm gut für das Gleitgefühl. Ansonsten das Übliche, was die Biathleten im Sommer so machen mit Radfahren, Laufen, Komplextraining, usw.

Eine Frage noch zum Abschluss: Wird man die Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle auch im nächsten Jahr nach Olympia noch auf den Wettkampfstrecken sehen?

Das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Das Ende halte ich mir noch offen, denn es kommt ganz darauf an, wie viel Lust ich noch am Sport verspüre. Warum sollte ich nach Olympia aufhören, wenn ich noch Spaß an der Sache habe und mich fit fühle. So alt bin ich dann auch noch nicht (lacht). Mal sehen, was der nächste Winter bringt, vielleicht machen wir dann im nächsten Jahr wieder ein Interview.