»Ich glaube, es wäre eine Wahnsinnssaison geworden«

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Der Cheftrainer der Chiemgau Baskets, Luis Prantl, darf wegen der derzeit geltenden Corona-Bestimmungen mit seinem Bayernliga-Team nicht mehr in der Halle trainieren. Beim TV Traunstein ist man deshalb jetzt wieder auf ein Videotraining umgestiegen und so verbringt der Coach gerade auch viel Zeit am Bildschirm. (Fotos: Chiemgau Baskets)
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Abteilungsleiter und Sportdirektor Franz Buchenrieder kommuniziert derzeit mit seinen Vorstandsmitgliedern, den Trainern und den Mannschaften per Videokonferenzen.

Neue Ideen, frischer Wind, hohe Ziele: Voller Tatendrang ist die Basketball-Abteilung des TV Traunstein in allen Bereichen in die neue Saison gestartet. Doch die Chiemgau Baskets wurden durch die Corona-Pandemie auch im Herbst jäh gestoppt. Wir haben mit Abteilungsleiter und Sportdirektor Franz Buchenrieder, Cheftrainer Luis Prantl sowie Marketingchef und Damen-Trainer Sebastian Kösterke über die aktuelle Situation gesprochen.


Seit über einem Monat darf coronabedingt erneut kein Mannschaftssport mehr ausgeübt werden. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Franz Buchenrieder: Das war schon ein harter Schlag. Wir haben über den Sommer viel gemacht – also im sportlichen Bereich, aber auch in der Organisation der Abteilung. Uns ist jetzt so ein wenig der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Die Stimmung war zuletzt auch nicht mehr ganz so gut.

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Luis Prantl: Ich kann mich dem anschließen. Wir sind seit Juli in großen Schritten vorangegangen. Unser Ziel, in die 2. Regionalliga aufzusteigen, rückt jetzt erst einmal weit weg. Wir können aktuell nur abwarten, was weiter passieren wird. Keiner weiß, wie lange die Pause noch dauern wird.

Sebastian Kösterke: Das ist ein deutlicher Rückschlag gewesen. Man organisiert alles – und dann ist auf einen Schlag alles dahin. Die vergangenen Wochen waren allein aus organisatorischer Sicht nicht einfach. Es gab ständig diese Hängepartien und man wusste nie, was passieren wird. Und jetzt ist vor allem eines da: Leere.

Die Bayernliga-Saison wurde letztlich sehr schnell wieder gestoppt. Haben Sie sich im Vorfeld darüber Gedanken gemacht?

Franz Buchenrieder: Man hatte das natürlich schon im Hinterkopf gehabt. Wir sind aber Optimisten und deshalb sind wir in die Saison auch mit der Kalkulation reingegangen, dass Spiele eben mal verschoben werden müssen, aber dass wir eine Saison spielen können.

Luis Prantl: Wir im Trainerstab haben versucht, das Ganze auszublenden. Das war vielleicht ein wenig naiv. Aber in dem Moment, wo man sich mehr Gedanken darüber macht, ob man spielen kann oder ob alles abgebrochen werden wird, ist man nicht mehr mit dem Fokus bei der Sache. Dann leidet der sportliche Teil.

Gab's einen Punkt bei Ihnen, wo dieses Ausblenden nicht mehr funktioniert hat?

Luis Prantl: Wir haben das erste Punktspiel nicht gespielt, weil es mittags aufgrund der Corona-Lage abgesagt wurde. Ab diesem Zeitpunkt wussten wir: Jetzt wird es schwierig werden.

Sie durften am Ende nur das Heimspiel gegen Burghausen absolvieren. Konnten Sie den 109:39-Sieg überhaupt genießen?

Luis Prantl: Wir sind in das Spiel optimistisch reingegangen. Wir haben so agiert, wie wir das wollten. Ich war ganz zufrieden. Aber man hatte da schon auch im Hinterkopf, dass Corona die 
aktuelle Situation weiter sehr erschweren wird.

Sebastian Kösterke: Aus organisatorischer Sicht war bei diesem Spiel aber auf jeden Fall sehr positiv, dass vieles, was wir den Sommer über erarbeitet haben, sehr gut funktioniert hat. Also das Hygienekonzept zum Beispiel. Da können wir auch etwas für die Zukunft mitnehmen. Es war nicht alles ganz umsonst. Es ist aber freilich schade, dass es jetzt keine weiteren Heimspiele mehr gegeben hat.

Franz Buchenrieder: Stimmt! Wir haben den Sommer über sehr viel getan. Wir hatten einen Vorstandswechsel. Wir haben ein neues Trainerteam. Wir haben uns einen neuen Namen, Chiemgau Baskets, gegeben. Wir haben eine neue Homepage. Wir haben auch neue Partner ins Boot geholt, wir haben uns ein Unterhaltungsprogramm für die Zuschauer überlegt – es ist echt viel gewesen. Wir waren bereit und heiß auf die Saison – und dann zack war's das. Wir fühlen uns schon sehr ausgebremst.

Wie haben die Spieler die Situation kurz vor dem zweiten Lockdown gesehen?

Franz Buchenrieder: Wir haben uns mit der ganzen Mannschaft zusammengesetzt. Es gab da durchaus unterschiedliche Meinungen. Mehrheitlich war die Aussage aber schon: So lange es uns die Politik nicht verbietet, sollten wir uns auch den Spaß nicht nehmen lassen. Aber es gab auch Stimmen, die gesagt haben: Ich mache mir Sorgen. Das war schon eine schwierige Situation – auch für uns im Management.

Und wie war die Situation für die Trainer, Herr Prantl?

Luis Prantl: Allein die Trainingsplanung war die ganze Zeit über extrem schwierig. Wir mussten ja damit rechnen, dass nicht nur die Spiele von heute auf morgen abgesagt werden können, sondern dass auch Spieler in Quarantäne müssen. Als es dann den Lockdown im Berchtesgadener Land gegeben hat, waren ja dann auch Tom Weber und Stefan Gruber weg. Letztlich waren es dann nur noch ein paar Tage, bis wir alle nicht mehr trainieren durften.

Gab es bei Ihnen in dieser Zeit auch Corona-Fälle?

Sebastian Kösterke: Es gab Quarantäne-Fälle. Aber Gott sei Dank keinen positiven Fall. Es ist gerade das Wichtigste, dass wir alle gesund durch diese Zeit kommen.

Trainiert Ihre Mannschaft aktuell überhaupt?

Luis Prantl: Wir sind bislang ja davon ausgegangen, dass wir nur im November pausieren müssen. Im Jugendbereich haben wir ganz klar gesagt, wir wollen die Kinder beschäftigen. Wir haben also Online-Trainings angeboten. Es gab aber auch für die Herren wöchentliche Challenges im November.

Und im Dezember?

Luis Prantl: Wir sind sehr gut aufgestellt im Athletik-Bereich – und genau diesen Vorteil nutzen wir jetzt. Mit Philipp Junge haben wir ja einen Athletiktrainer im Team. Darauf haben wir jetzt unseren Fokus gelegt und vielleicht ist das jetzt auch ein Vorteil für uns. Wir hatten während der Vorbereitung nicht so viel Zeit, die athletische Ausbildung zu verfolgen. Jetzt können wir das nachholen. Das Training ist auch aus einem anderen Aspekt gut: Die Jungs kommen wieder zusammen, auch wenn es nur virtuell ist.

Sebastian Kösterke: Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt, dass man sich auch mal sieht. Diese Erfahrung habe ich auch bei den Damen gemacht. Einmal die Woche machen wir auch ein Meeting, das ist gerade in dieser Zeit extrem wichtig.

Die Damen hatten ja gar kein Spiel im Herbst...

Sebastian Kösterke: Das hat mein Team auch richtig getroffen. Die Vorfreude auf die Saison war echt riesig. Das hat anfangs auch Spuren hinterlassen. Die Stimmung war nicht gut, mittlerweile ist sie durch unsere regelmäßigen Gespräche wieder besser geworden.

Schauen wir bitte nochmals kurz auf den Jugendbereich. Herr Prantl. Sie sind jetzt auch Jugendkoordinator des Vereins. Das ist gerade in Zeiten des Lockdowns keine einfach Aufgabe...

Luis Prantl: Ich weiß, wie wichtig der Nachwuchsbereich ist. Man ist als Teil der Ersten Mannschaft auch Vorbild für die Jugend. Irgendwann profitieren wir ja davon, wenn wir Verstärkung für die Erste Mannschaft aus den eigenen Reihen bekommen. Wenn jetzt ein Kind wegfällt, dann tut uns das extrem weh.

Gibt es Tendenzen, dass der Nachwuchs in der aktuellen Situation die Lust verliert?

Franz Buchenrieder: Wir spüren noch kein Wegbrechen. Ich habe auch gerade drei neue Mitgliedsanträge eingereicht. Klar ist aber auch: Ewig halten wir das nicht durch.

Luis Prantl: Die Jugendtrainer machen einen guten Job. Sie halten die Kinder bei Laune. Es ist aber ein Spiel auf Zeit. Es muss bald wieder in die andere Richtung gehen. Bis dahin bleiben die Kinder hoffentlich alle da.

Sebastian Kösterke: Wichtig ist jetzt vor allem auch, dass weiter Aktivität da ist. Das sind wir unseren Mitgliedern auch schuldig. Wir wollen sie fit halten, wir wollen sie zusammenhalten. Unsere Gemeinschaft ist auf jeden Fall ein Plus.

Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass die Saison doch noch fortgesetzt werden kann?

Franz Buchenrieder: Da müsste man jetzt in eine Kristallkugel schauen können. Wir können das momentan nicht abschätzen. Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, ob wir überhaupt wieder trainieren können. Es ist ganz schwer, da etwas vorherzusagen.

Spüren Sie wegen der Krise bereits finanzielle Auswirkungen?

Franz Buchenrieder: Ja, das Ganze wirkt sich auf unseren Etat aus. Uns fehlen die Einnahmen. Und das ist in der Größenordnung, in der wir uns bewegen, dramatisch. Wir machen uns derzeit auch deswegen viele Gedanken. Aber die Pandemie gibt uns auch die Chance, nochmals alles zu überdenken: Also, wie sind wir aufgestellt? Ist das alles so richtig oder müssen wir etwas korrigieren?

Gibt es schon Ergebnisse?

Franz Buchenrieder: Wir werden die Fixkosten reduzieren müssen. Wir wollen nicht Gefahr laufen, mehr Geld auszugeben, wie wir einnehmen.

Gibt es Ideen, an zusätzliche Gelder zu kommen?

Franz Buchenrieder: Wir haben beispielsweise immer noch keinen Trikotsponsor. Mit den Ambitionen, die wir haben, würde uns der aber gut zu Gesicht stehen. In diesem Sektor müssen wir jetzt Gas geben, um da auch erfolgreich zu sein.

Gibt es von Ihrer Seite Forderungen oder Wünsche an die Politik?

Luis Prantl: Natürlich würde ich mir wünschen, dass wir wieder in die Halle dürfen zum Trainieren. Basketball ist unsere Leidenschaft. Ich erwarte jetzt auch nicht, dass wir morgen gleich wieder fünf gegen fünf spielen dürfen oder einen normalen Ligabetrieb haben. Aber schon das Kleingruppentraining würde uns ein wenig mehr Spielraum geben, um auch die Motivation der Spieler zu heben.

Franz Buchenrieder: Wir würden gerne individuellere Lösungen haben. Aktuell sind wir ja alle im Lockdown. Aber die Zahlen bei uns im Landkreis sind aktuell ja eher rückläufig.

Sebastian Kösterke: Es hat schon extrem wehgetan, dass auch gleich der Trainingsbetrieb verboten wurde. Sport hilft der Gesellschaft ja auch! Man bleibt fit und man stärkt sein Immunsystem.

Schauen wir bitte voraus. Gibt es schon ein Konzept, wie das Jahr 2021 angegangen werden könnte?

Luis Prantl: Man muss abwarten, wie das Ganze jetzt laufen wird. Es kann durchaus ein Vorteil sein, wenn im Januar gesagt wird, die Saison geht nicht mehr weiter. Dann hat man bis September neun Monate Vorbereitungszeit. Diese Zeit kann man intensiv nutzen. Aber man muss auch sehen: Noch einmal neun Monate ohne Ligaspielbetrieb ist eine Herausforderung!

Franz Buchenrieder: Dann würden wir als Verein auf jeden Fall Turniere in Erwägung ziehen und uns vor Ort mit den anderen Vereinen deswegen absprechen. So lange kein Spiel zu haben, ist sicher auch für das Leistungsniveau nicht förderlich. Das ist dann sicher auch im Jugendbereich möglich. Das wäre mal unsere Idee, aber ein Konzept haben wir dazu noch nicht ausgearbeitet.

Sebastian Kösterke: Ich nehme auch an, dass sich der Verband da schon ähnliche Gedanken gemacht hat. Der Verband schaut ja auch, dass er uns bei Laune hält.

Und wann beginnen die Gespräche mit dem Trainerteam und den Spielern?

Franz Buchenrieder: Die Saison wäre ja normalerweise Ende April zu Ende. Wir haben uns so verständigt, dass wir uns im neuen Jahr darüber unterhalten – spätestens Ende Februar/ Anfang März. Ich würde mich aber sehr freuen und auch wünschen, wenn wir den Status quo beim Trainerstab und beim Spielerkader halten können. Das war jetzt schon einmal ein Signal an den Headcoach.

Luis Prantl: Wir machen uns darüber Gedanken, wenn wir mehr Klarheit haben! Dann schauen wir, wie es weiterläuft.

Das hört sich jetzt eher zurückhaltend an. Gefällt Ihnen Ihre Aufgabe in Traunstein überhaupt?

Luis Prantl: Ja, auf jeden Fall! Wir sind motiviert und es macht uns Spaß hier. Traunstein kann nichts dafür, dass wir jetzt nicht trainieren und spielen dürfen. Ich glaube, es wäre eine Wahnsinnssaison geworden, wenn Corona nicht dazwischengekommen wäre. Aber das kann man jetzt eben nicht ändern.

Stephanie Brenninger

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