weather-image

»Ich bin nicht so ewig weit weg«

4.5
4.5
Bildtext einblenden
Sie kann auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken: Biathletin Anna Weidel vom Stützpunkt Ruhpolding. (Foto: Wukits) Foto: Ernst Wukits

Sie gehört zu denjenigen, die als Hoffnung für die Zukunft des deutschen Biathlons gelten – doch auch in der Gegenwart hat sie schon viel erreicht: Anna Weidel (WSV Kiefersfelden) vom Stützpunkt Ruhpolding kann auf ihre bislang beste Saison im Leistungssport zurückblicken. Sie durfte bei insgesamt fünf Stationen des Weltcups mitmachen, dennoch holte sie in ihren wenigen Einsätzen im IBU-Cup beachtliche 278 Punkte und damit den 14. Gesamtplatz. In sieben Einzelrennen der »Zweiten Liga« des Biathlons erkämpfte die 24-Jährige drei Podestplätze, da-runter einen Sieg bei der Verfolgung in Osrblie (Slowakei).


Ihr bestes Weltcup-Ergebnis schaffte die Angehörige des Zoll-Skiteams ebenfalls in einem Jagdrennen: In Hochfilzen stürmte sie vom 43. Platz nach dem Sprint noch auf den 21. Gesamtrang nach vorn. Doch auch das bitterste Erlebnis der Saison gab's in einem Verfolgungslauf, nämlich zum Saisonabschluss in Östersund (Schweden): Da fiel Weidel nach insgesamt neun Schießfehlern vom 31. Platz im Sprint noch auf den 58. Platz der 60 für die Verfolgung qualifizierten Athletinnen zurück. »Das war ein brutal enges Feld«, erinnert sie sich.

Anzeige

Nach den ersten zwei Schießeinlagen (1 und 2 Fehler) lag sie noch mit im Feld, doch beim dritten Schießen unterliefen ihr drei weitere Fehler, beim vierten Durchgang ebenso. »Ich habe dann nicht mehr um jede Sekunde gekämpft, aber ich wollte das Rennen unbedingt zu Ende laufen«, berichtet die 24-Jährige. Zwar sei sie speziell nach diesem Wettkampf enttäuscht gewesen, »aber ich war froh, dass ich nochmal die Chance im Weltcup erhalten hatte.«

Ihr 31. Platz aus dem vorherigen Sprint belegt übrigens, wie hoch die Leistungsdichte inzwischen geworden ist: In der Saison 2018/19 war Weidel bei ihrem Weltcup-Debüt in Pokljuka (Slowenien) mit knapp über 1:00 Minuten Rückstand im Sprint Zehnte geworden – im März 2021 in Östersund bedeuteten 59,2 Sekunden Rückstand Rang 31!

Weidel hatte bei ihren Anfängen im Biathlon bereits bei den damaligen Nachwuchstrainern Tobias Reiter (Oberwössen) und Kristian Mehringer (Ruhpoldinger) ihre ersten Einheiten in der neuen Sportart absolviert. Mehringer ist ja inzwischen – gemeinsam mit Florian Steirer – für das deutsche Damenteam im Weltcup zuständig, Reiter für die »zweite Garde«, die über den IBU-Cup an den Weltcup herangeführt werden soll.

»Ja, ich bin schon sehr froh, dass ich beim Tobi trainieren konnte. Im Sommer hat bei ihm zusätzlich der Andi Birnbacher ausgeholfen, das hat mir gut getaugt und viel Spaß gemacht«, freut sie sich. Für den grundsätzlichen Vorbereitungsaufbau schrieb ihr Tobias Reiter die Pläne. »Es war etwas anders als sonst, es geht da einfach um viele Kleinigkeiten.« Den Lehrgang in der direkten Saisonvorbereitung in Muonio (Finnland) mit dem A-Team – betreut von Mehringer und Steirer – durfte sie ebenfalls mitmachen, »dort war das Programm ähnlich wie in den Vorjahren.«

Allerdings hatte Weidel kurz zuvor einen Rückschlag im Training erlitten: Sie hatte sich eine Corona-Infektion zugezogen. »Das war bei mir von den Symptomen her ähnlich wie bei einer Grippe, ich hatte auch Fieber.« Zwar war die Erkrankung schnell überwunden, doch im Saisonverlauf »hatte ich immer wieder mal leichte Probleme mit der Lunge«, berichtet sie.

In der Trainingspause sollen es die Aktiven ja ruhiger angehen lassen – bewegen tun sie sich natürlich trotzdem. Weidel geht unter anderem gerne zum Radeln und auf den Berg. Zudem »studiere ich ja International Management in Ansbach, das ist ein Lehrgang für Spitzensportler«, erklärt sie.

Aktuell laufe dort alles online, im Normalfall »gibt es aber auch immer wieder Präsenzphasen.« Die 24-Jährige ist froh um diese Abwechslung, denn gerade in der »trainingsfreien« Zeit »wird man auch dadurch gezwungen, dass man auch wirklich nicht zu viel Sport macht«, lacht sie.

Anfang Mai soll die Vorbereitung für die kommende Saison beginnen. Im Winter 2021/22 »würde ich mir gerne einen fixen Platz im Weltcup erkämpfen. Schließlich wären dann die Aussichten besser, mich schon 2022 für Olympia qualifizieren zu können.« Sie weiß, dass dies schwer zu verwirklichen sein wird, ist aber zugleich angesichts der Fortschritte in dieser Saison zuversichtlich: Zwar gebe es nur wenige Startplätze, »aber ich habe jetzt schon gesehen, dass ich nicht so ewig weit weg bin.« who

Mehr aus Traunstein
Mehr aus Traunstein
Einstellungen