»Ich bin alles: Erste, Zweite und Letzte«

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Nicole Dörr ist die erste Frau aus Deutschland, die die 300-Meilen-Distanz beim »Yukon Arctic Ultra« meisterte. (Foto: privat)

Nicole Dörr aus Huben im Priental belegte beim Extremlauf »Yukon Arctic Ultra« über die 300-Meilen-Strecke den zweiten Platz. Nur sie und der Schweizer Otmar Flepp erreichten das Ziel in Pelly Farm. Die 16 weiteren Teilnehmer über diese Distanz (darunter der Traunsteiner Armin Hohenadler) mussten wegen Kälte, Erschöpfung oder körperlicher Überlastung aufgeben. Die 44-jährige Dörr benötigte für die rund 490 Kilometer von Whitehorse nach Pelly Farm gut 150 Stunden nonstop. Seit Bestehen des »YAU« ist sie erst die vierte Frau, die überhaupt das Ziel erreichte, und die erste Deutsche.


»Ich bin alles: Erste, Zweite und Letzte«, meinte Dörr nach ihrer Ankunft in Pelly Farm. Erste, weil erste und zugleich einzige Frau im Ziel. Zweite, weil sie nach Sieger Otmar Flepp den Zielort erreichte. Und Letzte, weil über die 300-Meilen-Strecke überhaupt nur diese beiden Athleten das Rennen beendeten.

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Der »YAU« findet im Yukon Territory (Nord-Kanada) statt und gilt wegen seiner Länge und Temperaturen bis unter minus 40 Grad als härtestes Ultrarennen der Welt. Insgesamt gingen 54 Extremsportler ins Rennen. Sechs starteten auf Langlaufski, zwei mit dem Bergrad, die übrigen liefen »zu Fuß« bzw. mit Schneeschuhen. Auch bei der Streckenlänge konnten die Extremsportler wählen: Sieben Sportler nahmen die 100 Meilen in Angriff, 18 die 300 Meilen und 29 die 430 Meilen. Nicole Dörr hatte sich für die 300 Meilen zu Fuß entschieden. »Das Laufen war eine sehr gute Entscheidung, denn dieses Jahr litten die Teilnehmer immer wieder unter »hohen« Temperaturen – teils über dem Gefrierpunkt. Das sorgte für sehr weiche Schneeverhältnisse und machte das Gehen anstrengend, das Langlaufen bzw. Radfahren aber noch herausfordernder«, berichtete die Chiemgauerin.

Über die 430 Meilen läuft das Rennen noch. Nicole Dörr hat eine Vermutung, warum über die lange Strecke die Ausfallquote bislang geringer ist: »Die ´430er´ sind körperlich besser vorbereitet, haben mehr Erfahrung im Umgang mit Kälte und können sich ihre Kräfte über eine so lange Strecke offensichtlich besser einteilen. Die weniger erfahrenen Leute – so wie ich – versuchen erst mal die 300 Meilen.« Die Chiemgauerin zeigte sich im Ziel mit sich und der Welt sehr zufrieden. Sie habe keinerlei Probleme gehabt, jederzeit das Rennen und die Natur genossen. Sie wolle unbedingt wieder zurück in diese Gegend. Aber jetzt heißt es nach dem Kraftakt im Norden Kanadas erst einmal viel essen und schlafen.

Alle Athleten hatten unterwegs ihre komplette Ausrüstung dabei, einschließlich Essen für mindestens 48 Stunden. Nicole Dörr zog die 20 bis 25 kg in einer Pulka, einem wannenförmigen Zugschlitten, hinter sich her. Zur Pflichtausrüstung gehört auch ein kleines GPS-Gerät mit Sender, das alle zehn Minuten via Satellit die Position des Athleten übermittelt. Der Veranstalter weiß so jederzeit, wer sich wo befindet und die Familien sowie Freunde können in der Heimat via Internet die aktuelle Position nachverfolgen. Der Zielschluss für das 430-Meilen-Rennen ist am nächsten Samstag im kanadischen Dawson.

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