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»Hoffentlich verkrampfen wir nicht«

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Auf seine Erfahrung hoffen jetzt die Waginger Spieler im Abstiegskampf: Werner Lorant. Weitere Bilder vom Training des Fußball-Bezirksligisten TSV Waging mit Werner Lorant finden Sie unter www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos. (Foto: FDL/Lamminger)

Das bisher doch eher überschaubare Medieninteresse am Fußball-Bezirksligisten TSV Waging ist im Laufe dieser Woche schlagartig gestiegen. Seit feststeht, dass Werner Lorant als Nothelfer einspringt und in den letzten sieben Spielen gemeinsam mit Beppo Benkert den Klassenerhalt realisieren soll, ist vieles anders bei den »Seerosen«. So wird auch Lorants Debüt auf der TSV-Trainerbank gegen den SV/DJK Kolbermoor (heute, 14 Uhr, Wilhelm-Scharnow-Stadion) überregional für Schlagzeilen sorgen.


»Mich persönlich hat der Medien-Hype etwas überrascht«, sagt Wagings 2. Abteilungsleiter Stefan Hinterreiter, »hoffentlich führt das nicht dazu, dass wir verkrampfen, sondern vielmehr Spaß am Fußball haben und wieder mehr Lockerheit zeigen.« Auch wenn der frühere »Löwen-Dompteur« heute in gewisser Weise seine eigene Show haben wird, wollte die Waginger Abteilungsführung nicht vergessen, dem bisherigen Cheftrainer »Berni« Zeif zu danken.

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»Wir durften mit ihm eine tolle und sehr erfolgreiche Zeit erleben«, erklärte Hinterreiter, »diese Tatsache ist im momentanen Trubel etwas untergegangen.« Eines sei dennoch klar, so der Waginger Abwehr-Routinier: »Durch den Trainerwechsel geht vielleicht ein Ruck durch die Mannschaft.« Die Lorant-Verpflichtung könnte ein (neuer) Reizpunkt sein, um den Klassenerhalt zu schaffen.

»Er hat viel Erfahrung im Trainergeschäft und auch mit dem Abstiegskampf – davon können wir hoffentlich profitieren«, so Hinterreiter. Von Vorteil könnte auch sein, dass die Karten neu gemischt werden »und jeder vermeintliche Bankdrücker sich im Training für einen Startelf-Einsatz aufdrängen kann.«

Auch wenn Lorant allein schon durch seinen großen Namen zirkusähnliche Verhältnisse schaffen wird: Zaubern kann auch der 66-Jährige nicht, schon gar nicht die vielen Waginger Verletzten gesund und fit zaubern. Das weiß auch Hinterreiter: »Neben den bekannten Langzeitverletzten haben wir ein paar angeschlagene Spieler. Nach dem Abschlusstraining wird man sehen, wer letztlich einsatzfähig ist und wer nicht.«

Gespannt darf man auch sein, wie viele Zuschauer heute ins Wilhelm-Scharnow-Stadion pilgern werden, zumal der Gegner hochkarätig ist und aus den letzten sechs Begegnungen das Punktemaximum von 18 Zählern geholt hat. »Mit Kolbermoor kommt ein harter Brocken auf uns zu, das ist eines der Top-Teams der Liga«, lobt Hinterreiter den Tabellenzweiten, der nur einen Zähler Rückstand auf Liga-Primus SB Chiemgau Traunstein aufweist.

Mit Patrick Eder hat die Jochen-Reil-Elf einen der besten Torjäger in ihren Reihen. Auch bei Standards sind die Gäste durch Tobias Hotter, Alexander Schlosser und Raphael Pszolla sehr gefährlich. »Wichtig wird sein, nicht – wie in den vergangenen Partien – schon früh in Rückstand zu geraten«, meint Hinterreiter, »außerdem hoffe ich, dass wir offensiv mehr Durchschlagskraft haben und defensiv mehr Kompaktheit zeigen.«

Wagings 1. Vorsitzender Beppo Hofmann ist optimistisch, dass der TSV den Ligaverbleib realisieren kann. In einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« räumte er zwar ein, dass es sportlich an allen Ecken und Enden hapert (»sogar an der Grundeinstellung«), doch ihm imponiere das Auftreten von Lorant in allen Belangen. »Mir gefällt die Einstellung, mit der er an seine Aufgabe rangeht«, so Hofmann, »ich war auch bei seiner ersten Ansprache an die Mannschaft dabei. Ich finde es einfach sensationell, wie er die passenden Worte findet. Selbst als ein Profitrainer, der mit Amateuren spricht. Das gibt es ja heutzutage auch nicht mehr ganz so oft, dass einer sagt: Was ich gar nicht kann, das ist verlieren!«

Dass der Klassenerhalt dennoch schwer zu bewerkstelligen sein dürfte, darüber ist sich auch Hofmann im Klaren: »Wenn es mit Lorant jetzt nicht klappt, dann klappt es eben nicht. Aber wenn es klappt, dann sind wir alle Helden«, wird Hofmann in der »SZ« zitiert.

Werner Lorant selbst (»Nach diesen sieben Spielen gehe ich wieder in Rente«) bezeichnet die Waginger Kicker als »willige Kerle«, weiß aber auch, dass er sich auf eine Herkulesaufgabe eingelassen hat. »Den Klassenerhalt zu realisieren, wird zwar schwer, aber im Fußball gibt es keine unmöglichen Dinge. Es sind noch 21 Punkte zu vergeben.«

Und auf die Frage nach einer »Nichtabstiegsprämie« antwortete er im Online-Portal »dieblaue24.com«: »Ich mache das kostenlos, ich brauch' kein Geld – für mich ist das eine Frage der Ehre. Das einzige, was ich vom TSV Waging bekomme, sind neben dem Espresso im Vereinsheim die Fahrtkosten. Aber das ist ja normal heutzutage, wenn ich den nächsten Gegner beobachte.« cs