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Hochfelln-Berglauf: Spannendes Duell an der Spitze

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Petro Mamu aus Eritrea gewann zum vierten Mal am Hochfelln. (Foto: Weitz)

Sportliche Höchstleistungen, Spannung und eine ausgelassene Stimmung: Der 46. Adelholzener Hochfelln-Berglauf hätte bei strahlendem Sonnenschein und einer Traumkulisse nicht besser verlaufen können. Rund 250 Athleten, darunter auch einige Weltklasseläufer, hatten sich zum deutschen Berglaufklassiker eingefunden, um den Gesamtsieg, Podestplätze, die Kreismeisterschaft oder persönliche Bestleistungen zu kämpfen.


Die österreichische Ausnahme-Bergläuferin Andrea Mayr war, ist und bleibt die Königin des Hochfelln-Berglaufs. Mit einer Siegerzeit von 49:51,1 Minuten holte sich die 39-jährige Ärztin ungefährdet ihren zehnten Titel. Es ist wohl ein Rekord für die Ewigkeit, den sie noch weiter ausbauen könnte.

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Auf die Plätze zwei und drei verwies die Streckenrekordhalterin (47:28,2 Minuten seit 2008) die äthiopische Marathon-Spezialistin Sintayehu Kibebo (53:26,9 Minuten) und die deutsche Top-Läuferin Sarah Kistner (MTV Kronberg/54:18,7). Und das, obwohl sie den Kopf zuletzt nicht frei hatte. »Ich musste viel für meine Facharztprüfung lernen und habe heute beim Rennen auch gar keine Uhr dabei gehabt«, so die sechsfache Berglauf-Weltmeisterin und dreifache Europameisterin Mayr, die die letzten Kilometer gemeinsam mit ihrem kaum weniger motivierten Hund Billy absolvierte. Nur zehn Männer waren schneller als die zweifache Olympionikin im Marathon.

Die ehemalige deutsche Meisterin und U-20-Weltmeisterin Kistner, die 2015 und 2017 schon Zweite am Hochfelln gewesen war, freute sich riesig über Platz drei, auch weil sie nach langwieriger Verletzung wieder voll belastbar ist. »Seit rund acht Wochen läuft es sehr gut«, so die 21-Jährige, die nur im flacheren Gelände mit der vor ihr liegenden Äthiopierin nicht ganz mithalten konnte. Die Plätze vier und fünf gingen an die frühere Deutsche Meisterin Melanie Noll (TuS Heltersberg/57:22,7) und Kreismeisterin Waltraud Berger (TG Salzachtal/59:59,4). Die Gesamtdritte und Kreismeisterin der letzten drei Jahre Michelle Maier (PTSV Rosenheim) lief wie angekündigt nur locker mit und ging wegen abgenommener Startnummer nicht in die Wertung ein.

»Ich wollte unbedingt gewinnen«

Gerade einmal 43:41,0 Minuten dauerte es, bis Ex-Weltmeister Petro Mamu Shaku aus Eritrea nach 8,9 Kilometern und 1074 Höhenmetern als erster Läufer umjubelt das Ziel am Hochfellnhaus erreichte. »Ich wollte unbedingt gewinnen«, betonte der 35-jährige Mamu, der sein Comeback nach rund zweijähriger Wettkampfpause mit seinem vierten Sieg am Hochfelln krönte. Bereits 2013, 2014 und 2016 hatte er dort triumphiert.

Der 40:34,9-Minuten-Streckenrekord aus dem Jahr 2002 des achtfachen Hochfelln-Berglaufsiegers und sechsfachen Weltmeisters Jonathan Wyatt (mittlerweile Präsident des Berglauf-Weltverbands) aus Neuseeland, war aber nie in Gefahr. Rund 14 Sekunden hinter Mamu überquerte dessen Landsmann Filimon Abraham (LG Festina Rupertiwinkel/43:55,2 Minuten) die Ziellinie, gefolgt von Timotej Becan (44:57,1) aus Slowenien, Jan Janu (45:22,0) aus Tschechien und Andrzej Dlugosz (45:45,0) aus Polen. Mamu, Abraham, Becan und Janu waren bis zur Bründling-Alm noch eng beieinander gewesen, dann verschärfte Mamu aber das Tempo, sodass auch Abraham abreißen lassen musste.

»Ich habe alles versucht, an Petro dran zu bleiben, mehr wie 30 Meter Abstand waren es nie«, so der 26-jährige Wahl-Chiemgauer, der nach zwei vierten Plätzen 2017 und 2018 endlich den Sprung aufs Podest schaffte und erneut Kreismeister wurde. Heuer hatte Abraham auch schon mit Platz zwei beim Schlickeralmlauf und dem Sieg beim Großglockner-Berglauf aufhorchen lassen. Er ist nun endgültig in der Berglauf-Weltelite angekommen, was auch Platz zwei in der Weltcup-Wertung (vor dem Saisonfinale) beweist.

Mit Jonas Lehmann (TuS Heltersberg/47:32,2) und Marc Schulze (Running/Citylauf Dresden/48:05,7) auf den Rängen sieben und acht landeten zwei weitere deutsche Herren in den Top Ten. 2017-Champion Antonio Toninelli aus Italien musste sich mit Rang neun begnügen. Der österreichische Extremsportler Silvio Wieltschnig wurde bei seiner Premiere beim Hochfelln-Berglauf Zehnter.

Bei der mittäglichen »Flower-Ceremony« am Hochfellnhaus ließen sich die drei besten Damen und Herren von den Zuschauern verdientermaßen feiern. Die Siegerehrung stieg dann wenig später im Festsaal. Nicht nur die Top-Athleten, sondern auch viele Hobbyläufer lobten die perfekten Bedingungen und die hervorragende Organisation und hofften darauf, auch beim 47. Internationalen Hochfellnberglauf am Sonntag, 27. September 2020, wieder mitlaufen zu können.

Auf der offiziellen Webseite sind alle Ergebnisse einsehbar.

200 Fotos vom Sonntag:

»Traumtag mit perfektem Wetter«

»Mit dem Teilnehmerfeld können wir sehr zufrieden sein. Sowohl in der Spitze als auch in der Breite waren wir gut besetzt«, resümierte der Vorsitzende des veranstaltenden Skiclubs Bergen und Organisationsleiter, Dr. Jürgen Schmid und sprach von einem »Traumtag mit perfektem Wetter«. Ein besonderer Dank galt allen Helfern und Sponsoren, ohne die die Durchführung eines solch großen Sportevents nicht möglich wäre.

Rundum zufrieden war auch der OK-Vize Georg »Bibi« Anfang (83), auch wenn er sich im Vorfeld über die parallel ausgetragenen Mountain Running Championships in Italien ziemlich geärgert hatte. Er wisse nicht, ob er 2020 noch OK-Vize sei, aber »graue Eminenz bleibe ich«, witzelte der »Vater des Hochfelln-Berglaufs«. »Gibt es einen schöneren Tag, bessere Bedingungen? Nein«, meinte Bürgermeister und Schirmherr Stefan Schneider und freute sich über die starken Leistungen und das sehr gute Miteinander. Für das Dorf sei der traditionsreiche Hochfelln-Berglauf ein Aushängeschild und eine große Ehre. mmü