weather-image
14°

Heimsieg mit negativen Begleiterscheinungen

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Auch Lukas Schwankner, der zuletzt auf einer Weltreise war, stand den Basketballern des TV Traunstein wieder zur Verfügung. Er steuerte beim Heimsieg gegen den BC Hellenen München II drei Punkte bei. (Foto: Weitz)

Die Bayernliga-Basketballer des TV Traunstein bauten ihre Siegesserie mit einem 89:34-Erfolg gegen den BC Hellenen München II weiter aus. Im Anschluss an die Partie sorgte aber nicht der über weite Phasen überzeugende Auftritt der Chiemgauer für Gesprächsstoff, sondern das Verhalten der Gastmannschaft in den letzten siebeneinhalb Minuten.


Aus Protest gegenüber der Schiedsrichterleistung stellten die Münchner ihr Spiel komplett ein, verweigerten jede weitere Korbaktion und überließen den Ball für den Rest der Spielzeit den Traunsteinern.

Anzeige

Durch den Wasserburger Rückzug aus der Bayernliga traten die Traunsteiner nun bereits Ende November zu ihrem letzten Heimspiel im Jahr 2019 an. Mit dem BC Hellenen München II traf man auf einen altbekannten Gegner. Der schwache Saisonstart der Münchner (Bilanz 1:5) sollte dabei nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Regionalliga-Reserve mit ihren erfahrenen Kräften immer für eine Überraschung gut ist. TVT-Coach Haindl konnte auf seinen gesamten Kader zurückgreifen. Auch Lukas Schwankner stand nach seiner rund zweimonatigen Weltreise wieder zur Verfügung.

Für einen hervorragenden Start zeichneten sich zunächst die langjährigen Erfolgsgaranten auf Seiten des TVT verantwortlich. Ein kaum zu stoppender Stefan Gruber, der treffsichere Thomas Weber mit drei Dreipunktewürfen allein im ersten Viertel und der immer variable Valentin Rausch sorgten mit Neuzugang Kenan Biberovic für ein 21:6 nach dem ersten Viertel.

Deutliche Worte von Haindl in der Halbzeit

Mit dieser Führung wirkten die Traunsteiner im folgenden Viertel aber zunehmend selbstzufrieden und ließen die letzte Konsequenz vermissen. Dadurch kamen die Hellenen auch besser ins Spiel und konnten vor allem in Korbnähe mehr Akzente setzen. Mit dem Pausenstand von 34:19 konnte man durchaus zufrieden sein, die zunehmende Selbstgefälligkeit sprach aber Haindl in der Halbzeitansprache deutlich an.

Das Team hatte die Worte wohl verstanden. Ein 8:0-Lauf vom Seitenwechsel weg versetzte den Comeback-Hoffnungen der Gäste einen Dämpfer. Auch wenn sich im Anschluss der Spielabschnitt ausgeglichener gestaltete, gehörte das Ende wieder den Traunsteinern.

Im letzten Viertel erhöhte Traunstein auf 58:34. Die Frustration auf Seiten der Hellenen war groß und das Hadern mit Schiedsrichterentscheidungen nahm zu. Nachdem dies auch nach Ermahnungen der Offiziellen kein Ende fand, setzte es zwei technische Fouls, die für zwei Freiwürfe für Traunstein sorgten. Es folgten dann Szenen, die wohl so bislang keiner der Anwesenden erlebt hatte. Statt den Ball einzuwerfen und das Spiel fortzusetzen, sammelten sich die Gäste in der Hälfte der Traunsteiner und spielten nicht mehr weiter.

Sie folgten auf Nachfrage der verwunderten Traunsteiner der Anweisung ihres Trainers. Der sah sich spieltagsübergreifend zum wiederholten Male von den Schiedsrichtern unfair behandelt und sowohl er als auch seine Mannschaft verweigerte jede Aufforderung das Spiel in normalen Rahmen fertig zu spielen.

Nun war zunächst Regelkunde bei den rund 110 Zuschauern gefragt. Denn wenn es einer Mannschaft nicht gelingt, den ihr zustehenden Einwurf innerhalb von fünf Sekunden auszuführen, wechselt der Ballbesitz. Dies war die unweigerliche Konsequenz, als sich kein Münchner auch nur in die Nähe des zum Einwurf bereitliegenden Balls bewegte. So warf Traunstein nach dem Ballbesitzwechsel unter dem gegnerischen Korb ein und konnte ohne Gegenwehr punkten. Die erneute Folge: Einwurf für die Hellenen – Verstoß gegen die Fünf-Sekunden-Regel – Einwurf Traunstein.

Für die Zuschauer und die Spieler des TVT war das ein unwürdiges Spektakel. Zeigte die Aktion des BC Hellenen München doch letztlich nur fehlenden Respekt gegenüber dem Gegner, Sportgedanken und den zahlreichen Zuschauern, die nun letztlich einer trotzigen Spielverweigerung beiwohnen mussten. Um das unwürdige Spektakel zu einem schnelleren Ende zu bringen und ein ständiges Anhalten der Spieluhr zu vermeiden, konnten die Münchner dazu bewegt werden, den Ball einzuwerfen. Die Traunsteiner dribbelten dann Zeit von der Uhr, ehe zum Ende der Wurfuhr noch gepunktet wurde.

Nach dem vierten Sieg in Folge jetzt Dritter

Stefan Gruber sorgte mit einigen unbedrängten Dunkings für etwas Entschädigung – bei der Schlusssirene und dem Stand von 89:34 fiel die Freude aber doch eher verhalten aus. Den Heimabschluss der Hinrunde hätte man sich sicherlich anders vorgestellt. Abzuwarten bleibt, ob das Verhalten der Gäste noch Konsequenzen nach sich zieht.

Mit dem vierten Sieg in Folge und dem sechsten Erfolg insgesamt klettert der TVT auf den dritten Rang. Davor rangiert Spitzenreiter Jahn München und der Zweite TV Memmingen.

Für den TV Traunstein spielten: Stefan Gruber (23 Punkte), Kenan Biberovic (15 /1 Dreier), Thomas Weber (12/4), Valentin Rausch (10), Julian Rosnitschek (10), Florian Pavic (9), Lorenzo Griffin (7), Lukas Schwankner (3), Ante Bandov, Franz Hell, Nils Joerger und Sebastian Kösterke. JR