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Heimische Piloten starten ins »WM-Abenteuer«

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So will er seine Konkurrenten auch beim WM-Auftakt in Krasnogorsk hinter sich lassen: Günther Bauer aus Schleching, hier vor Hans Weber. (Foto: Weitz)

Sportlich ist es eine schwere Herausforderung, von der Reise her sogar ein Abenteuer: Die heimischen Eisspeedwaypiloten haben in der WM-Serie (Grand Prix) wieder schwierige Aufgaben zu überstehen.


Zwar ist für Günther Bauer (Schleching), Stefan Pletschacher (Ruhpolding), Hans Weber (Schliersee) und die beiden Österreicher Harald Simon und Franz Zorn die Anreise zum WM-Auftakt am heutigen Samstag in Krasnogorsk relativ leicht, denn der GP-Ort gehört zur Umgebung von Moskau. Auch nach Togliatti (knapp 1000 km entfernt), wo am nächsten Wochenende der Grand Prix III und IV ausgetragen werden, ist die Wegstrecke relativ einfach zu bewältigen.

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Doch am 14./15. Februar soll in Alma Ata (oder Almaty) in Kasachstan gefahren werden. Alma Ata – auch bekannt durch seine schnelle Eislaufbahn, auf der auch das Rennen stattfindet – liegt gut 2500 km südöstlich von Togliatti entfernt, und ist Grenzort zu Kirgistan/Kirgisien – in geringer Entfernung zur chinesischen Grenze.

Noch ist die Transportfrage nicht wirklich geklärt. »Wir sollen die Maschinen selbst verladen und verschnüren. Was soll das?«, so der Ruhpoldinger Stefan Pletschacher. Die Motorräder sollen dann per Lastwagen in einem viertägigen Transport nach Kasachstan gebracht werden. »Das ist doch Irrsinn. Die wollen, dass wir dort fahren, dann sollen sie sich auch selbst darum kümmern«, betont er. Doch letztlich sieht er die Sache entspannt: »Ich konzentriere mich erst einmal auf die beiden ersten Rennwochenenden, dann sehe ich vor Ort weiter.«

Ohnehin führt die Terminplanung des Weltverbandes FIM für die Westeuropäer zu einem logistischen Kraftakt. Von der Abreise nach Krasnogorsk Mitte dieser Woche bis zur Rückkehr aus Kasachstan sind sie gut drei Wochen unterwegs. Dafür müssen nicht nur sie, sondern auch die Mechaniker Urlaub nehmen. Daher werden sowohl bei Pletschacher (er wird in Krasnogorsk von Anatolj Bondarenko unterstützt, ab Togliatti hat er dann einen anderen Mechaniker) als auch bei Günther Bauer (Schleching/er wird unter anderem vom Traunsteiner Manfred Knappe unterstützt) die Mechaniker nicht die komplette Reisezeit mitmachen.

Gegen die dominierenden Fahrer aus Russland werden sie – ebenso wie der »Rest der Welt« – kaum eine Chance haben, aber unter den besten Westeuropäern wollen sie sich schon platzieren.

Die Unsicherheit über die eigene Form ist allerdings groß – schließlich haben sowohl Bauer als auch Pletschacher heuer noch kein Rennen bestritten. »Die Vorbereitung war durchwachsen, mal sehen, was rauskommt«, so der WM-Achte des Vorjahres, Bauer.

Auch Pletschacher – der mit dem Österreicher Harald Simon wieder das Team Stahlwerk Annahütte bildet – hat »etwas Trainingsrückstand. Doch ich habe zwei gleich gute Motorräder, auch das Fahrgestell ist gut, am Material kann es also nicht liegen«, betont er. Entscheidend sei »der richtige Kampfgeist«, so der 36-Jährige.

An der Spitze werden wieder die Russen das Geschehen bestimmen. Sie hatten im vergangenen Jahr – angeführt von Weltmeister Daniil Iwanow – die ersten fünf Plätze belegt. Doch nur die ersten vier der vergangenen WM stehen in Moskau im Hauptfeld, der WM-Fünfte Sergej Makarow ist Reservefahrer.

Die kurze Rückkehr des »Eis-Zaren«

Zum einen hatte sich Witali Khomisewitsch bei der WM-Vorqualifikation als Zweiter gut präsentiert, zum anderen gibt es in Krasnogorsk ein bemerkenswertes Comeback: Nikolaj Krasnikow ist wieder dabei.

2012 hatte er nach dem achten WM-Titel in Serie seine Karriere beendet, hatte allerdings 2013 bei der Team-WM mit Russland nochmals den Titel geholt. 2014 pausierte er ganz. Doch der »Eis-Zar«, der sich unter anderem der Förderung des Nachwuchses in seiner Sportart verschrieben hat, ließ den Rennsport nie ganz aus. In diesem Winter holte er sich bei der russischen Meisterschaft den Titel. Bei den insgesamt vier Finalrennen, für die sich die Piloten erst einmal qualifizieren mussten, setzte er sich vor dem amtierenden Weltmeister Daniil Iwanow durch.

Krasnikow hat allerdings lediglich eine Wildcard für Krasnogorsk, wird also in der WM-Gesamtwertung keine Rolle spielen können.

Beste nicht-russische Fahrer waren im Vorjahr Stefan Svensson (Schweden/6.) und Jan Klatovsky (Tschechien/7.), die daher ebenso wieder im GP-Feld zu finden sind wie die dahinter folgenden Bauer und Pletschacher.

Sie alle hoffen schon auf ihrer »Abenteuerreise« auf gute Ergebnisse. Größer ist ihre Vorfreude aber auf den WM-Abschluss, denn der findet am 14./15. März in Inzell statt. who

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