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Gute Erlebnisse so wichtig wie gute Ergebnisse

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So jubelte er nach seinem Sieg in Fürstenfeldbruck: Der Traunsteiner Radrennfahrer Daniel Bichlmann.

Gute Ergebnisse sind wichtig für ihn, aber gute Erlebnisse auch: Der Traunsteiner Radrennfahrer Daniel Bichlmann kann auf eine interessante Saison zurückblicken, denn er war in der ganzen Welt unterwegs.


Und er erreichte in diesem weltweiten Leistungsvergleich so gute Ergebnisse, dass er auch im nächsten Jahr wieder als Profi fahren kann – und zwar in einer Leistungskategorie, die man als »Dritte Liga« bezeichnen könnte. Profi heißt in seinem Fall: »Mich kostet der Sport zumindest nichts mehr, und es kommt durch Prämien etc. sogar noch eine Art Taschengeld dazu.«

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Sportliche Höhepunkte aus seiner Sicht waren heuer ein zweiter Platz in Burkina Faso, der sechste Rang beim renommierten Heide-Linta-Wettkampf in Belgien, ein zweiter Etappenrang bei den Tobago Classics, der Sieg beim Rosenheimer Frucade-Straßenpreis sowie als »größtes Ding« der Saison der Gewinn des Sprinttrikots bei der ebenfalls sehr angesehenen Tour de Jura.

»Extremer Sturkopf«

Dabei ist Bichlmann eher kein Sprintspezialist. Er sei eher ein »schlechtwettertauglicher Eintagesfahrer«, nennt er als größte Stärke, bei den Wettkämpfen in Bayern habe er eigentlich immer als Solofahrer gewonnen. »Für sehr schwere Rennen bin ich zu schwer, vor allem wenn es bergauf geht. Aber durch meine Zähigkeit bin ich sehr schwer abzuhängen«, weiß er. Er sei in solchen Situationen ein »extremer Sturkopf«, ein wenig »wie der Jens Voigt«, erklärt er auf Nachfrage.

In dieser sogenannten »Dritten Liga«, in der er sich mittlerweile etabliert hat, geht es kräftig zur Sache. »Natürlich habe ich wie jeder kleine Radfahrer davon geträumt, einmal bei der Tour de France mitzufahren. Aber man muss auf dem Niveau fahren, das realistisch zu erreichen ist«, weiß der 25-Jährige, der mittlerweile in Siegsdorf wohnt.

Oft dort ist er allerdings nicht: Rund 200 Reisetage pro Jahr hat er heuer hinter sich. Er war unter anderem in Kanada, in Burkina Faso und in der Karibik. »Du bist ja nur in Urlaub«, lästern da schon einmal einige.

»Viel Lehrgeld bezahlt«

Dass das nicht so ist, liegt zum einen an den harten Wettkämpfen selbst, zum anderen an den oft schwierigen Bedingungen an den jeweiligen Wettfahrtorten. »Heuer waren wir unter anderem zwei Wochen in Algerien mit miesen Hotels, bei fast nur null Grad«, nennt er als Beispiel. Dort sei auch die Versorgung eher mäßig gewesen, »und früher habe ich überhaupt bei der Ernährung viel Lehrgeld bezahlt.« Denn selbst in Italien »kann einiges schiefgehen.« Daraus hat er seine Lehren gezogen. Da Radsportler sehr energiehaltige Nahrung brauchen, »habe ich immer Ketchup, Honig und Zwieback dabei. Auch Gummibärchen helfen oft«, weiß er.

Er testet gerne das landestypische Essen – vor den Fahrten allerdings ist er da inzwischen vorsichtig geworden, »da isst du manchmal vorsichtshalber halt nur den blanken Reis.«

Es gibt weitere Faktoren, die den Fahrern ihre Tätigkeit erschweren. »Es gibt viel Leerzeiten«, so Bichlmann. Ob das Warten auf ein Visum, fehlendes Gepäck am Flughafen – das gehört einfach dazu. Man müsse halt vieles selbst organisieren, aber inzwischen kenne er viele Tricks. Grundsätzlich gelte: »Du brauchst halt viel Zeit.« Unter anderem dafür, die rund 28 000 Kilometer, die er heuer schätzungsweise auf dem Rad verbracht hat, zu bewältigen.

Besonders gelassen gehe man in der Karibik mit dem Sport um: »Wenn da um 10 Uhr der Start angesetzt ist, kommt meist so gegen 11 Uhr der erste Organisator, und irgendwann geht es dann los. Die sind wirklich tiefenentspannt«, lacht er.

Problematisch sind oft die schlechteren Straßen, »heuer ist mir die Straße in Algerien einmal direkt weggebrochen, da bin ich heftig gestürzt.« Im Feld nehme man bei solchen Fahrten viel Rücksicht aufeinander, nur wenn es dann in Richtung Ziel gehe, »kann es schon mal sehr aggressiv zugehen.«

Sein schwerster Sturz aber passierte in Europa, bei der Tour de Kosovo: Mit 70 Stundenkilometer Geschwindigkeit wurde er aus der Kurve herausgetragen in ein Geröllfeld, brach sich drei Lendenwirbel. »Das war wirklich übel«, erinnert er sich. Er musste mit dem Flugzeug von Pristina nach Deutschland gebracht werden, die Kosten dafür sind nur dank einer speziellen Versicherung zu bewältigen. Schon wenige Wochen später mischte Bichlmann wieder bei einem Rennen mit.

Lob für Heinz Bäumler

Sieben Jahre lang fuhr Bichlmann zunächst für den Radsportverein Traunstein – für den auch sein Vater Robert Glaßl unterwegs ist. »Und dem RSV und besonders Heinz Bäumler habe ich viel zu verdanken«, betont Bichlmann, »ebenso wie Michael Haase.« Ehrenmitglied Bäumler ist ein »Urgestein« des Vereins, bei Haase absolvierte Bichlmann seine Lehre als Kaminkehrer und bekommt immer genug Zeit für seinen Radsport.

Seinen Beruf als Kaminkehrer übt er vorwiegend in der Zeit aus, in der er nach dem Saisonende eineinhalb bis zwei Monate fast kein Rad fährt, aber viel in die Berge geht und Skitouren unternimmt. Aber auch, wenn er nicht ins Ausland reisen muss, lassen sich seine zwei »Berufe« gut miteinander verbinden.

Auf die Regeneration folgt eine etwa zweimonatige Saisonvorbereitung in wärmeren Gefilden, und »die ersten drei Wochen der Saison sind dafür da, gut ins Geschehen reinzukommen.« Danach gelte es vorwiegend, die durchschnittliche Form möglichst lange zu halten. »Das Spitzenniveau erreicht man nur ungefähr drei bis vier Wochen lang. Man versucht das zeitlich so hinzubekommen, dass es dem Team am meisten hilft.«

Das klappte 2013 recht gut, dennoch verlässt er nun das Team Baier Landshut, bei dem er sich sehr wohl gefühlt hatte. Künftig fährt er für »Bike Aid Ride for Help« mit Sitz im Saarland. »Die unterstützen ein Team in Burkina Faso und eines in Laos, das ist eine coole Sache«, betont er. Wer in solche Länder reise, sollte auch etwas für deren Unterstützung tun. Manchmal denke man sich, »die brauchen gerade alles jetzt – bloß kein Radrennen ...«

Bayern-Rundfahrt als Traum

So ehrgeizig Bichlmann im Radsport ist, »es geht mir immer auch um kulturelle Erlebnisse«, so der 25-Jährige. So bleibt er, wenn möglich, nach dem Rennen oft noch ein, zwei Tage im Land, um sich dieses genauer anzusehen. Das klappte auch heuer, und so gab es eben nicht nur gute Ergebnisse, sondern auch gute Erlebnisse.

Eines der sportlichen Art aber vermisst er noch: Eine Teilnahme bei der Bayern-Rundfahrt, wenn diese in der Region stattfindet. »Unser Team hat sich für 2014 beworben, und es wäre besonders stark, die Königsetappe zur Winklmoos-Alm zu bewältigen – auch wenn ich da sicher keine Chance auf einen Spitzenplatz hätte«, weiß er. Hier gälte dann wieder: Erlebnis geht vor Ergebnis ... who