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Grünwalder Stadion ist im jetzigen Zustand keine Zukunftslösung

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1860-Geschäftsführer Michael Scharold (Zweiter von links) überreichte Wagings Fanclub-Vorsitzendem Simon Geierstanger (Dritter von links) ein Präsent zum 40-jährigen Jubiläum. Auch der Regionsvorstand Christian Schmidbauer (rechts) und sein Stellvertreter Lu Harrecker begrüßten den prominenten Gast in Waging.

Nach zwei Stunden Fahrzeit hatte sich der Geschäftsführer des Fußball-Drittligisten TSV 1860 München, Michael Scharold, durch das Schneechaos von München nach Waging durchgekämpft. Grund war sein Besuch als Ehrengast bei der Winterregionsversammlung der ARGE Region 6, dem Zusammenschluss der 1860-Fanclubs, im Strandkurhaus. Gastgeber war der Fanclub Nummer 180 aus Waging am See.


Der Regionsvorsitzende Christian Schmidbauer begrüßte Scharold. Unter den Gästen war auch Ex-»Löwen«-Trainer Werner Lorant. Als Wahl-Waginger hatte der 70-Jährige ein Heimspiel. Aus der Vita des 38-jährigen Geschäftsführers geht hervor, dass er als Hospitant nach seinem Studium unter der Geschäftsführung Stefan Reuter und Dr. Markus Kern vor zehn Jahren bei den »Löwen« begann. Über die Finanzabteilung des FC Schalke 04 (von 2010 bis 2017) kehrte Scharold im April 2017 zu den Giesingern zurück.

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»Wir können auf das Erreichte stolz sein«

Dort war er zunächst als Leiter der Abteilung Finanzen tätig. Nach dem Ausscheiden von Markus Fauser wurde der Bad Endorfer vor gut einem Jahr als dessen Nachfolger bestimmt. Und so lautete die erste Frage an Scharold natürlich auch: »Ein Jahr Geschäftsführer, wie fällt ihr Resümee aus?« Der 1860-Geschäftsführer antwortete: »Es war ein sehr intensives Jahr, aber wir können auf das Erreichte stolz sein.« Seit 1991 – genauer gesagt seit dem Spiel gegen Borussia Neunkirchen (1:0) – sei er »Löwen«-Fan und erlebte unter Werner Lorant den Durchmarsch von der Bayern- in die Bundesliga mit. »Danke, Werner, dass du den Verein vor 25 Jahren wieder nach oben gebracht hast«, betonte Scharold.

Trotz aller Turbulenzen und dem Fall bis in die Regionalliga gehört der TSV 1860 für Scharold zu den »Top-20-Vereinen« in Deutschland. »Leider sind wir momentan sportlich und wirtschaftlich weit davon entfernt!« Um dort wieder hinzugelangen, setzt der 1860-Geschäftsführer bei seinem Weg der Konsolidierung vor allem auf Kontinuität: »Wir müssen frühzeitig wissen, wie wir in die nächste Saison gehen und wir sollten den eingeschlagenen Weg dann mindestens die nächsten drei Spielzeiten verfolgen und nicht Jahr für Jahr alles infrage stellen.«

Kontinuität und Verlässlichkeit seien bei Spielern, Sponsoren und Mitarbeitern ganz entscheidende Faktoren. Derzeit übersteigen beim TSV 1860 München die Ausgaben die Einnahmen um etwa 2,5 Millionen Euro. »Entweder wir reduzieren die Kosten oder wir steigern mittelfristig den Ertrag«, so die Konzepte, die Scharold den Gesellschaftern vorgestellt hat. Bei Variante zwei müsste kurzfristig das Defizit mit externen Geldern ausgeglichen werden.

Um die Wirtschaftlichkeit nachhaltig zu steigern, brauche es bei den »Löwen« »professionellere Strukturen«, betonte Scharold. »Jeder muss sich so positionieren, dass er sein Produkt Profifußball am besten monetarisiert. Das ist ein wesentlicher Teil des Wettbewerbs im Profifußball. Hierfür benötigen wir auch eine stringente Markenkommunikation.«

An dieser Stelle hakte Werner Lorant ein: »Sponsoren kannst du nur über Erfolg gewinnen«, formulierte der frühere Bundesligatrainer seine Bedenken. Auch in Sachen Stadion müsste nach Ansicht von Lorant etwas geschehen. Scharold verwies in diesem Zusammenhang auf die von der Stadt München in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie fürs Grünwalder Stadion. »Sicher können wir mit 25 000 Zuschauern in Giesing mehr erreichen, als mit einem 30 000-Mann-Stadion auf der grünen Wiese«, ist für ihn der jetzige Standort auch für die Zukunft eine Alternative. »Allerdings ist auch klar, dass das Stadion im aktuellen Zustand keine Zukunftslösung sein kann.«

In den höchsten Tönen lobte der 1860-Geschäftsführer die Arbeit von Sportchef Günther Gorenzel sowie von Trainer Daniel Bierofka. »Daniel ist nach Werner Lorant wahrscheinlich der erste Trainer, der zu hundert Prozent zu Sechzig passt.« Die Qualität im aktuellen Kader sei gut. »Vielleicht fehlt uns als Aufsteiger noch die Souveränität und Abgeklärtheit. Auch das Glück war nicht immer auf unserer Seite. Aber wir sollten vor allem mit dem Erreichten zufrieden sein.«

»Die Tür ist nach wie vor offen«

Ein viel diskutiertes Thema bei den Fans war die Personalie Adriano Grimaldi, der gegenüber dem Klub seine Wechselabsicht geäußert hat. »Für einen Wechsel müssten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen«, stellte Scharold klar. »Er fährt zwar nicht mit ins Trainingslager, aber die Tür ist nach wie vor offen. Wir sind nach wie vor absolut von seiner Qualität überzeugt.«

Lange diskutierten die Fans noch mit den beiden Gästen über ihre große Liebe, den TSV 1860 München. Tickets, Fanpolitik, Freundschaftsspiele in der Region und vieles mehr. Zum Abschluss bedankte sich Scharold bei den Fans für ihre Treue und übergab ein Geschenk zum 40-jährigen Fanclub-Jubiläum der Waginger »Löwen« an den Vorsitzenden Simon Geierstanger. td