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»Gescheitert ist man erst, wenn man aufgibt«

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Schwungvoll präsentierten sich die Teisendorfer Spieler – hier Michael Sorre (links) gegen STS-Spieler Daniel Koller – häufig, doch letztlich mussten sie sich mit einem 2:2-Unentschieden begnügen und verfehlten ganz knapp den Aufstieg. (Foto: Wirth)

Da war die Enttäuschung groß: Zum Greifen nah war für den TSV Teisendorf der Sprung in die Fußball-Bezirksliga. 45 Minuten fehlten den »Rothosen« noch. Am Ende aber stürmte der unermüdliche Anhang des ST Scheyern den Rasen in Teisendorf. Ein Elfer und ein Torwartfehler brachten die bieder kickenden Gäste in die Bezirksliga. Das Rückspiel in Teisendorf endete mit 2:2, und nachdem das Hinspiel mit 0:0 geendet hatte, waren die Teisendorfer wegen der Auswärtstorregel aus dem Rennen.


Dort wollten die Teisendorfer hin – das war dem gesamten Team anzumerken. Doch muss man, um dieses Ziel zu erreichen, eine Mannschaft wie Scheyern wenigstens einmal in zwei Anläufen in die Knie zwingen. Schon beim Auswärts-0:0 am vergangenen Mittwoch war die Elf von Sepp Aschauer die bessere Mannschaft, hatte es aber versäumt, ein Auswärtstor vorzulegen. Folglich war im Rückspiel die Ausgangslage für die Gäste einen Tick besser. Und die Fanunterstützung des »STS« war nicht nur einen Tick, sondern erheblich größer. Unter den fast 700 Interessierten waren 150 Scheyerer, die verbal Vollgas gaben und das Teisendorfer Stadion zu ihrem machten.

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Es dauerte einige Zeit, bis die Protagonisten die Nervosiät abgelegt hatten. Für einen Paukenschlag hätte beinahe Maxi Streibl gesorgt: Neun Minuten waren gespielt, da hatte er sich schön »freigestohlen« und aus halblinker Position nur den Pfosten getroffen. In der Folge ging’s zerfahren weiter. Beide Teams wollten nicht zu viel riskieren: wenig Offensive, kein geordneter Spielaufbau im Mittelfeld und konzentrierte Defensivreihen prägten das Geschehen.

Dann die 25. Minute: Lukas Berger drang in den Teisendorfer Strafraum ein, Michi Lindner brachte ihn zu Fall. Den fälligen Elfmeter versenkte Scheyerns Bester, Nico Seepe, sicher.

Doch just dieses Gegentor schien beim Zweiten der Kreisliga II Energie freizusetzen. Jetzt kam der TSV Teisendorf etwas auf – und schnell offenbarte sich, dass der ST Scheyern in der Defensive alles andere als sattelfest war. Auch wenn flüssiger TSV-Kombinationsfußball weiter ausblieb, herrschte nun mehr Offensivwille. Und der zahlte sich aus: Bei einer Kopfballstafette im Fünfmeterraum der Gäste hatte Manfred Reiter das letzte Wort und nickte cool aus kurzer Distanz ein (36.).

Jetzt passte beim TSV auch die Körpersprache, und so führte unmittelbar vor dem Pausenpfiff der erste ordentlich vorgetragene Angriff sogar zur Führung: Michi Sorre bediente mit Übersicht und Genauigkeit den im Strafraum völlig alleingelassenen Stefan Hoiß, der Maß nahm und das Leder per Direktabnahme platziert ins linke Toreck schoss (45).

Auf diesem Vorsprung wollten die »Rothosen« nun ruhig aufbauen, zumal dem ST Scheyern offensichtlich die spielerischen Mittel fehlten, um aus dem Verlauf heraus einzunetzen. Doch da machte dem TSV Teisendorf die letztlich entscheidende 46. Minute einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Schlussmann Franz Schwangler hatte einen hohen Ball in den Strafraum bereits heruntergefangen, doch entglitt ihm das Leder und der eingewechselte Daniel Pichler durfte das Geschenk aus kurzer Distanz im Tor unterbringen.

Freilich ein bitterer Schnitzer, doch entscheidend hätte selbiger keineswegs sein müssen. Denn der TSV Teisendorf hatte noch fast eine ganze Halbzeit Zeit, um einen Gegner, der deutlich schwächer war als beispielsweise die SG Reichertsheim/Ramsau, noch in die Knie zu zwingen. So spielte fortan nur noch der TSV, dem allerdings mehr und mehr die Zeit davonlief. Der ST Scheyern half da allerdings kräftig mit – immer wieder lagen Gästeakteure lange, lange Zeit »verletzt« am Boden.

Als Scheyerns Daniel Koller nach exakt einer Stunde wegen wiederholten Foulspiels die Ampelkarte sah, wurde der Teisendorfer Druck gegen zehn Mann noch heftiger – allein die zündende Idee und der letzte Pass fehlten. Mani Reiter hatte noch eine Großchance im Gewühl, Christian Willberger traf mit einem Fernschuss die Latte und der eingewechselte Christoph Mitterauer hätte nach langer Verletzungspause sein Comeback mit dem ersten Ballkontakt in aussichtsreicher Position krönen können. Doch der Ball wollte nicht ins Tor – und so kostete den TSV Teisendorf exakt das die Bezirksliga, was im gesamten Saisonverlauf zu oft stattgefunden hat: ein Remis.

»Das Spiel war ein Spiegelbild der ganzen Saison«, so Sepp Aschauer am Ende. »Die Anzahl unserer Eigenfehler war halt höher als beim Gegner«, analysierte der Trainer. Er schob nach dieser »Saison der vergebenen Chancen« aber gleich eine klare Ansage hinterher: »Gescheitert ist man erst, wenn man aufgibt – und aufgeben tun wir nicht.« sts