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Gesamtsieg bei der Kieler Woche als Trostpflaster

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Mit einem tollen Erfolg kehrte Seglerin Tina Lutz aus Holzhausen von der Kieler Woche heim. (Foto: Wukits)

Mit einer Sektdusche auf ihrem Boot haben Tina Lutz aus Holzhausen bei Bergen und ihre Vorschoterin Susann Beuke den Sieg bei der Kieler Woche gefeiert. Nach dreizehn Wettfahrten verteidigte das Duo in der 490er Klasse auch im letzten sogenannten »Medal-Race« ihren klaren Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Letztendlich reichte der dritte Platz zum Erfolg in der Gesamtwertung.


»Die Kieler Woche zu gewinnen, ist eines der geilsten Gefühle überhaupt«, freut sich Tina Lutz. Bei der 25-Jährigen und ihrer Partnerin ist während des gesamten Wettbewerbs nichts von der Enttäuschung der verpassten Olympia-Qualifikation für Rio zu spüren gewesen. »Es ist ein kleines Trostpflaster für die verpasste Quali«, gibt Lutz nach ihrer Heimkehr dann aber doch zu. »Da bin ich schon ein wenig in ein Loch gefallen. Jetzt haben wir aber bewiesen, dass wir doch noch segeln können.«

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Eine kleine Schrecksekunde mussten Lutz/Beuke am letzten Renntag aber doch noch über sich ergehen lassen. »Auf dem Aushang im Segelhafen sind wir mit zwei Frühstarts geführt worden. Das hätte uns den Sieg gekostet«, schildert Tina Lutz. Das Ganze stellte sich schließlich aber als Versehen heraus. Mit diesem Erfolg ist für die beiden Seglerinnen die Saison bereits beendet.

Schuften für Olympia nicht belohnt worden

Höhepunkt hätte eigentlich der Start bei den Olympischen Bewerben im August in Rio sein sollen. »Ich habe gelernt, dass es nach Misserfolgen nicht so einfach ist, wieder aufzustehen«, meint die Sportlerin vom Chiemsee-Yachtclub. Lange hatten Lutz-Beuke für dieses Ziel trainiert und geschuftet. Nun will sich die sympathische Sportlerin ganz auf ihr Studium in Ansbach im Bereich »Internationales Management« konzentrieren. »Ich will im Galopp durch den Bachelor reiten«, formuliert sie es in ihrer typischen Art. Außerdem liebäugelt sie mit einer Karriere als Model für Sportartikel.

Auf die Frage, ob 2020 ein erneuter Anlauf zu den Olympischen Spielen vorgesehen ist, ist die Antwort kurz und knapp: »Mal schauen.« Nachdem sie bei der Qualifikation im vergangenen Sommer für Rio nicht gut gestartet sind, haben sich die beiden Seglerinnen dem Weltmeisterteam aus Italien um Giulia Conti angeschlossen. »Unser Problem war, dass wir bei leichtem Wind nicht gut segeln haben können«, so Lutz. Im deutschen Team fanden sie dazu keine Lösung, deswegen wagten sie diesen Schritt. Innerhalb drei Wochen haben sie es schließlich geschafft, auch bei leichtem Wind schnell zu sein.

Eigentlich segelt Tina Lutz lieber bei Starkwind. »Ich liebe die Action«, meint die quirlige Blondine lachend. Bei Leichtwind muss Tina Lutz ihr Boot sehr filigran segeln und schauen, dass das Boot der 49erFX-Klasse nicht wackelt. Sie gilt als die Formel 1 im Segelsport, bei Geschwindigkeiten bis 50 km/h ist das eine große Herausforderung. »Wenn du das Boot zum Beispiel in ein windstilles Schwimmbecken stellst, würde es umfallen. Durch den spitzen Rumpf nach unten ist es eine sehr wackelige Angelegenheit. Die Stabilität kommt durch die Geschwindigkeit«, erklärt die Seglerin.

Biathlon-Trainer Pichler für die Fitness zuständig

Da eine Regatta üblicherweise sechs Tage dauert und täglich drei bis vier Wettfahrten auf dem Programm stehen, heißt es fit sein. Vor allem am Ende einer Regatta trennt sich die Spreu vom Weizen. Für die Fitness der beiden Seglerinnen ist Wolfgang Pichler zuständig. Der Ruhpoldinger Biathlontrainer gilt allgemein als »harter Hund«. Pichler hat ihnen speziell fürs Segeln einen Trainingsplan geschrieben.

»Der hat uns ordentlich auf die Haxen geholfen und fit wie noch nie gemacht. In unserer Sportart sind Kraft, Schnelligkeit, Koordination und Ausdauer gefordert. Bei viel Wind kentert vor allem ein Boot unserer Klasse sehr schnell.« Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg ist, dass es im Team funktionieren muss. Über zehn Jahre ist Susann Beuke ihre Partnerin. Die beiden Seglerinnen sind dicke Freunde und auch sprachlich gibt es zwischen der Oberbayerin und Hannoveranerin keine Probleme. »Die Susann versteht bayrisch«, lacht Lutz.

Dabei sind die beiden grundverschieden. Die blonde Bayerin Tina Lutz ist für ihr lebhaftes Wesen bekannt, die brünette Norddeutsche kann einen kühlen Kopf bewahren, vor allem wenn es brenzlig wird. Jährlich legen sie 50 000 Kilometer zurück. Im vergangenen Jahr sind die drei Schiffe binnen kurz nach Rio, Argentinien und Florida gebracht worden. »Gott sei Dank werden wir gut unterstützt. Vor allem unsere Segelclubs versorgen uns mit Material«, so Tina Lutz. Es ist also noch einiges von dem Duo zu erwarten. Schließlich haben sie gerade das »Siegen wollen« wieder gelernt und die Angst vor dem Verlieren aus ihrem Kopf verbannt. SHu