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Gemeinsames Fest des Sports und der Lebensfreude

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Neben der Lindlbauer-Loipe hatten diese Menschen aller Generationen Spaß beim Hockey im Schnee.

»Gemeinsam stark«: Dieses Motto der »Special Olympics« in Inzell 2015 wurde beim »Medien Unified Schneeschuhlauf« und auch bei vielen anderen Wettbewerben mit gemischten (»unified«) Teams von Menschen mit und ohne Behinderung gelebt. Unter strahlend blauem Himmel, angefeuert von vielen Fans, gaben zwölf Teams mit je einem Medienvertreter und drei Athleten ihr Bestes. Die Staffel von Heimatzeitungs-Reporterin Veronika Mergenthal, vier begeisterte Sprinter, darunter drei Bayern und ein Baden-Württemberger, sicherte sich den ersten Platz.


Inzellerin Thanee Tewes holt Goldmedaille

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Offenbar hat es geholfen, dass sich die Staffel beim Teamfoto vor dem Start mit dem Victory-Zeichen auf den Sieg einschwor. »Es gibt keine Strategie, einfach voll loslaufen«, verriet Startläufer Werner Wiedemann aus Nördlingen im Interview mit Moderatorin Corinna Halke-Teichmann, ehemalige Eiskunstläuferin und heutige Reporterin des Bayerischen Rundfunks. Als Zweiter übergab Ante Miletec aus Bruchsal-Bretten an Mergenthal, die der Schlussläuferin Michaela Schuh aus Regensburg beim Abklatschen außer Atem zurief: »Wir schaffen es!«

Alle Läufer der 50-Meter-Pendelstaffel waren hoch motiviert und strahlten um die Wette. Es galt, die Füße blitzschnell hochzuziehen, um nicht über die Schneeschuhe zu fallen. Auch sich lösende Schneeschuhe oder Stürze konnten die Athleten nicht entmutigen.

Im viertplatzierten Team von Anke Weferling von Sky Sport News HD lief mit weit ausholenden Schritten die Inzellerin Thanee Tewes, die für die St. Valentinsschule Ruhpolding startete und beim Finale im Schneeschuhlauf Gold auf 800 Meter und Silber auf 200 Meter holte. Tanja Kirsch, das »Gesicht der Spiele« aus Hufschlag und knapp nach Thanee Dritte beim 200-Meter-Schneeschuhlauf, fuhr mit ihrer Staffel Platz acht ein. Alle Staffel-Teilnehmer hatten einen Riesen-Spaß und bekamen am Ende einen gelben Sportbeutel mit einer Menge Geschenke. Viele neue Kontakte wurden geknüpft.

»Seit Inklusion in Deutschland in der Politik ein Thema ist, geht das auch bei uns voran«, erzählte Steffa Michailowa am Infostand am Haupteingang der Max-Aicher-Arena. Die Berlinerin leitet das Unified-Laufprojekt »Gemeinsam läuft’s besser«. In sechs Bundesländern in Mittel- und Norddeutschland trainieren bereits rund 1000 Läuferinnen und Läufer mit und ohne geistige Behinderung in 64 Laufgruppen zusammen. Sie waren 2014 bei mehr als 65 Wettbewerben aktiv.

Helfer Thomas Hoffmann aus Traunstein vom Vorstand des BLSV-Jugendverbands, neben Michailowa am Infostand, organisierte am Rosenmontag bereits zum vierten Mal einen inklusiven Wintersporttag im BLSV-Sportcamp in Inzell. Es gebe zwar noch Berührungsängste, doch der Sport baue Brücken, sagte er: »Mit ,Special Olympics' haben wir einen guten Partner, um das in der Bevölkerung zu verankern.« Der nächste Rosenmontag soll ähnlich wie die Winterspiele ein großes Familienfest werden. Apropos Familien: Familien der Athleten haben kleine, verpackte Geschenke für das beliebte Projekt »Wundertüte« mitgebracht. Wer das Sparschwein zugunsten der »Special-Olympics«-Familienarbeit zur Unterstützung und Vernetzung der Angehörigen füttert, darf eins auspacken, wie Hartmut Gettwart aus Inzell erklärte. Der Traunsteiner Sportlehrer a. D., Bayerns »Schulgolfobmann«, fing Feuer für »Special Olympics« als Helfer bei den Sommerspielen 2012 in München. Im Golf gebe es noch keine inklusiven Angebote, doch denkbar seien diese, erzählt er.

Vertiefen konnte man solche Themen beim »Unified-Thementreff« mit Stocksport-Wettbewerb in der Max-Aicher-Arena. Über zwei Team-Mitglieder mit geistiger Behinderung, die beim Schießen echte »Profis« sind, staunte auch Hans Huber, dessen Frau in der Lebenshilfe-Wohngruppe in Seeon arbeitet. Kräftig angefeuert wurden der DEC Inzell und eine gemischte Staffel beim Unified-Eisschnelllauf-Staffellauf. Bei den Ski-Alpin-Rennen gab es einen »Unified Riesentorlauf« mit einem Athleten ohne und einem mit Behinderung: Der erste löste am Start die Zeitmessung aus, der zweite beendete die Messung mit seinem Zieleinlauf.

»Da wird was in der Gesellschaft bewegt«

Beste Stimmung herrschte auch in der »Olympic Town«, wo Buben vom Wilhelm-Löhe-Förderzentrum in Traunreut unermüdlich frische Kartoffelchips fabrizierten. Am Rande der Bewerbe Spaß haben konnte man beim Hockey im Schnee und anderen Spielen. »Da wird was in der Gesellschaft bewegt«, brachte es Robert Gapp aus Bergen auf den Punkt.

Der Autor und ehemalige Lehrer des Chiemgau-Gymnasiums hatte 2009 mit seiner Klasse bei den Spielen mitgeholfen. Nun stattete er den Sportlerinnen und Sportlern nach einer Lesung im Chiemgau-Stift einen Besuch ab. Über die weiteren Erfolge der heimischen Athleten und die gestrige Abschlussfeier der »Special Olympics« berichten wir in unserer nächsten Ausgabe. vm