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Fußballfest in Kirchanschöring: Über 3000 Fans wollen die »Löwen« sehen

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1860-Spieler Daylon Claasen (links) kämpfte in dieser Szene mit dem Kirchanschöringer Maxi Willinger um den Ball. Am Ende hatten die »Löwen« mit 5:0 das bessere Ende für sich. (Foto: Wirth)

Auf der Anzeigetafel heißt es 0:5, die 90. Minute läuft – letzte Szene: »Löwe« Daniel Adlung läuft allein auf Kirchanschörings Torwart Dennis Kracker zu. Der Torwart verkürzt geschickt den Winkel – die Kugel landet am Außennetz, Schiedsrichter Michael Bacher vom SV Amerang pfeift ab.


Freilich ist's eigentlich egal ob 5:0 oder 6:0. Aber eben nur eigentlich. Denn »Löwen«-Trainer Torsten Fröhling hatte nach dem 3:0 zur Halbzeit in der Kabine weitere drei Treffer gefordert: »Sonst gibt es am Montag statt des freien Tages ein Straftraining.« Genau das hat es gegeben, und genau das hätten sich die Münchner mit dem späten Treffer sparen können. Fröhling war trotz der Tatsache, dass seine Zweitliga-Jungs ein hartes Trainingslager in Bodenmais hinter sich hatten, mit dem sportlichen Auftritt beim Neu-Bayernligisten SV Kirchanschöring nicht so recht zufrieden (wir berichteten bereits kurz): »Die Einstellung in der ersten Halbzeit hat mir nicht gefallen – und insgesamt hat die Zielstrebigkeit gefehlt.«

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Jene erste Halbzeit begann mit einer viertelstündigen Verspätung, da die Gäste den Verkehr »etwas falsch berechnet« hatten. Als die Akteure des TSV 1860 München und des SV Kirchanschöring dann den Rasen im Stadion an der Laufener Straße betraten, herrschte Gänsehautstimmung – etwas mehr als 3000 Fußballfans waren zum Testspiel gekommen.

»Wir hatten mit 2000 gerechnet und auf 2500 gehofft«, so Manfred Abfalter (SVK-Abteilungsleitung). Dass die »Anschöringer« Fans sogar für etwas mehr Gesangsstimmung sorgten, lag daran, dass die Bayernliga-Kicker lange Zeit ihre Sache sehr gut erledigten. Dass die Elf von Patrick Mölzl 32 Minuten ohne Gegentor blieb, lag daran, dass der Defensivverbund beachtlich arbeitete. »Erst als wir das erste Gegentor kassierten, war so ein leichter Bruch drin«, so Innenverteidiger Tobias Janietz, der vom Münchner Offensivmann Korbinian Vollmann beeindruckt war: »Brutal schnell, echt stark.« Jener Vollmann und Stephan Hain zeichneten auch im Zusammenspiel für die ersten Tore verantwortlich.

Patrick Mölzl: »Das war alles etwas zu feige«

Hinten (re)agierte der SVK also stark, Entlastung nach vorne gab es allerdings zunächst gar keine. Das kritisierte auch Teamchef Patrick Mölzl, der selbst in der Startformation stand: »Wir haben im Spielaufbau nicht so gespielt, wie wir das können – das war alles etwas zu feige.« Und augenzwinkernd meinte er noch: »Die Löwen hätten schon mehr Mut unsererseits zugelassen.«

Dieses etwas mehr an Mut legten dann zwei Akteure der »zweiten Formation« an den Tag. Nach exakt einer Stunde machte die komplette Kirchanschöringer Elf der nächsten Kombo Platz (3:0 hieß es da nach Toren von Hain, Vollmann und Neudecker). Die Kirchanschöringer Offensiven Maxi Vogl und Sebastian Leitmeier agierten frech. Vogl umdribbelte zwei »Löwen«, zog aus 20 Meter ab und zwang Torwart Vitus Eicher zu einer Glanzparade und erarbeitete so die einzige Ecke für die Gastgeber. Leitmeier wurde sogar das Lob von »Löwen«-Dompteur Fröhling zuteil: »Der ist mir aufgefallen, der hat sich was getraut.« Damit meinte der Trainer vornehmlich die beiden Szenen als »Leiti« einmal gleich zwei Zweitliga-Kicker tunnelte und später mal aus 60 Meter draufhielt – im Versuch, den weit vor dem Kasten postierten Eicher zu überlupfen.

Zwei Treffer durch Hain und Rodri hatte Stadionsprecher Mani Strasser noch zu verkünden, ehe Bacher die »erfreulich faire Partie« (Torsten Fröhling) abpfiff. »Ich als Bayern-Fan muss echt sagen, dass die Sechziger total entspannt, ohne jegliche Starallüren und sehr fannah aufgetreten sind«, meinte Strasser, der beim SVK seit vier Jahren Stadionsprecher und viel länger Vorsitzender der »Rodn Waginger« ist.

Die »Löwen« nahmen sich nach dem Schlusspfiff lange Zeit für »Selfis« und Autogramme mit den Fans – danach blieben sie noch eineinhalb Stunden im Kirchanschöringer Vereinsheim, um gemeinsam mit den Gastgebern zu Essen und zu ratschen. »Als Profiverein ein so freundliches und publikumsnahes Auftreten – das war echt stark«, meinte auch SVK-Fußballchef Rudi Gaugler, der das Spiel selbst sportlich nicht überbewerten wollte: »Das war für beide Mannschaften ein ganz normaler Test, aus dem jeder Trainer seine Erkenntnisse zieht. Wichtig ist für uns das erste Spiel in Sonthofen und für die ,Löwen' die erste Partie in Heidenheim.«

Jung: »Ein cooles, vielleicht ja einmaliges Erlebnis«

Exakt so sieht es auch Patrick Mölzl: »Für meine Jungs war das eine tolle Sache, aber ich bin direkt froh, dass dieses Event jetzt vorüber ist. Jetzt können wir uns ganz und gar auf das einzig Wichtige, die Bayernliga-Saison, konzentrieren.« Beim Ex-Profi selbst ist übrigens am Sonntag eine Serie gerissen: »Ich habe gegen den TSV 1860 davor noch nie ein Gegentor gekriegt«, lächelte der Kirchanschöringer Trainer.

Was aber für ihn nichts Neues war, nämlich mit und gegen Zweitliga-Kicker auf dem Rasen zu stehen, war für seine Mannen schon eine besondere Sache. So meinte SVK-Stürmer Manuel Jung: »Das war ein cooles, vielleicht ja einmaliges Erlebnis.« Cool war’s für den gesamten SV Kirchanschöring, der den großen Tag im Teamwork stemmte. Allein 16 Ordner und 18 Leute für die Verpflegung waren im Einsatz. »Und der Tag hat sich in jeder Hinsicht gelohnt«, freut sich SVK-Pressesprecher Sepp Thanbichler. sts