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Frust bei den Amateuren und Pech und Erfolg bei den Profis

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Er mischte immer wieder in den Spitzengruppen mit: Der Traunsteiner Radrennfahrer Daniel Bichlmann (vorn). (Foto: Elisa Haumesser)

Nach der Teilnahme an zahlreichen nationalen und internationalen Radrennen zieht der Traunsteiner Daniel Bichlmann eine gemischte Bilanz. Bei den Amateuren gab es einige Enttäuschungen, bei den Profirennen waren Pech und Erfolge gleichermaßen zu verzeichnen.


In England bei den »Milton Cycle Classics« erlebte der Radrennfahrer des Teams Bike Aid Ride for Help ein unglaublich interessantes und schweres Rennen, welches teilweise auf gröbstem Kies und Naturstraßen ausgetragen wurde. In der Gruppe der stärksten 30 Fahrer hatte er in einer der Schotterpassagen einen Defekt, welcher ihn weit zurückwarf. »So musste ich dieses wundervolle Rennen weit unter Wert geschlagen in einer kleinen Gruppe um den 40. Platz enttäuscht beenden«, bedauert er.

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Die Absage des deutschen Klassikers »Frankfurt Eschborn-City-Loop« (früher »Rund um den Henninger Turm«) wegen einer Terrordrohung musste er mit großem Bedauern im Hotelzimmer am Streckenrand in Frankfurt erfahren. Wenige Tage später hatte er dagegen Grund zur Freude: Er konnte dank seiner gezielt auf diesen Zeitpunkt aufgebauten Form beim »Paul-Michell-Grand-Prix« in Ganghofen überzeugen. Bei internationaler Spitzenbeteiligung landete er als Dritter auf dem Treppchen. Seite an Seite fuhr er mit Marcel Sieberg vom belgischen Lotto-Bellisol-Team rund um den Tour-de-France-Etappensieger Andre Greipel. Im Finale konnte Bichlmann sich mit dem ehemaligen Stundenweltrekordhalter Mathias Brändle vom Feld lösen und so die entscheidenden Punkte sammeln, welche für die hart umkämpften Podestplätze nötig waren.

Mit viel Selbstbewusstsein ging es zur prestigeträchtigen Bayern-Rundfahrt. Als gebürtiger Traunsteiner und Wahl-Eisenärzter war es für Bichlmann bedauerlich, dass die Rundfahrt 2015 nur in den nördlichsten und östlichsten Teil des Freistaates führte. »Tagtäglich beteiligte ich mich an den heißen Kämpfen, um in die Spitzengruppe des Tages zu kommen – aber erfolglos«, erinnert er sich.

Da alle Etappensiege – mit Ausnahme des 29 km langen Einzelzeitfahrens welches so gar nicht seinen Qualitäten entgegenkam – im Massensprint entschieden wurden, blieb er hier ohne nennenswertes Resultat. Es blieb jedoch die Gewissheit, dass nach ein wenig Regeneration ein weiterer Leistungssprung zu erwarten war.

So konnte ihn beim Veldener Bergkriterium nur eine zahlenmäßige völlige Übermacht von Kemptner Amateuren an einem weiteren Saisonsieg hindern. »Es ist schwer, sich als Einzelfahrer gegen ein zwölfköpfiges Eliteteam durchzusetzen. Bedauerlicherweise zieht sich diese zahlenmäßige Überlegenheit wie ein roter Faden durch die süddeutschen Amateurrennen«, so Bichlmann.

Zwei Tage später ging es per Flugzeug nach Tallin – die Hauptstadt Estlands. Eine dreitägige völlig flache Rundfahrt durch den baltischen Staat stand auf dem Programm. Auf der vom Seitenwind erschwerten 210 km langen Auftaktetappe griff Bichlmann drei Kilometer vor dem Ziel alleine aus dem Hauptfeld heraus an. Schnell brachte er einen komfortablen Vorsprung zwischen sich und die Verfolger.

Kurz vor dem Ziel von den Sprintern »überrollt«

Aber: »Den Traum vom bedeutendsten Sieg meines Lebens musste ich nur wenige Meter vor der Ziellinie begraben, als mich die Sprinter noch 'überrollten'«, bedauert er. Tags darauf stürzte der Traunsteiner wenige Kilometer vor dem Ziel. Auch die letzte Etappe (174 km) brachte kaum mehr Glück. Er beendete die Rundfahrt im vorderen Viertel des Feldes, »dennoch wäre jeden Tag mehr drin gewesen.«

In Wales holte er einen für ihn sehr zufriedenstellenden 15. Platz beim »Veloton Wales«. Dieses Rennen zählt zur 1.1-Kategorie des internationalen Radsportverbandes UCI und ist vom sportlichen Niveau gleichzusetzen mit dem am gleichen Tag ausgetragenen bekannten deutschen Eintagesrennen »Rund um Köln«.

Beim wohl bekanntesten Bayerischen Kriterium, der Erdinger »langen Zeile«, war wieder die Überlegenheit der Kemptner Armada zu groß, »und ich beendete das Rennen frustriert auf dem zehnten Platz.«

Nach einer gezielten Vorbereitung auf die deutsche Profimeisterschaft im hessischen Bensheim hatte er sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, unter den ersten Zehn zu landen. Mut machte ihm, dass er sich zwei Tage zuvor beim »Nightrace in Nauders« nur dem Tour-de- France-Teilnehmer Mathias Brändle und dem Mountainbike-Europameister Daniel Federspiel geschlagen geben musste.

Bei der DM machten sich bei brütender Hitze die 222 besten deutschen Radrennfahrer auf die Jagd nach dem begehrten Meistertrikot. In einem sehr selektiven und taktisch geprägten Rennen konnte Bichlmann beim vorletzten Anstieg des Tages beim Angriff des großen Favoriten John Deggenkolb nicht mehr folgen und verpasste den Anschluss an die Spitzengruppe. Mit dem extrem dezimierten Hauptfeld beendete er die Titelkämpfe auf dem 32. Platz. »Ich habe mein hochgestecktes Ziel leider verpasst, aber in der entscheidenden Rennsituation konnte mein Körper nicht die benötigte Leistung bringen. Daher kann ich nicht direkt unzufrieden sein.« Nun fährt Bichlmann bei der »Tour of Quinghai Lake« im Norden Chinas mit, einem hochkarätig besetzten Rennen. Daher weiß er schon jetzt: »Die Tour wird mir sowie allen anderen Teilnehmern alles abverlangen.« who