Fritzenwenger erneuert seine Kritik

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Herbert Fritzenwenger, der Vorsitzende des SC Ruhpolding und ZDF-Kommentator, sorgte mit seiner öffentlichen Kritik an den Biathleten Johannes Kühn und Janina Hettich zuletzt für Aufsehen. (Foto: Ingrid Sigl)

Hohe Wellen hat die öffentliche Kritik von Herbert Fritzenwenger an die Biathleten Johannes Kühn und Janina Hettich geschlagen. Der ZDF-Kommentator hatte Kühn wegen seiner Aufgabe beim Sprint in Nove Mesto nach sechs Schießfehlern kritisiert. Als auch Janina Hettich einen Tag später bei der Verfolgung ebenfalls nach Schießfehlern das Rennen vorzeitig beendete, platzte dem Vorsitzenden des SC Ruhpolding wieder der Kragen.


Auf seiner Facebook-Seite meldete sich Fritzenwenger jetzt erneut zu Wort und auch im Interview mit unserer Zeitung erklärte er seinen Ärger. »Kühn und Hettich sind unterschiedliche Fälle. Bei der Aufgabe von Kühn habe ich 99 Prozent Zustimmung bekommen, bei Hettich war das anders«, so der ehemalige Leistungssportler. »Bei der Janina ist die Kritik unter dem Eindruck der Ereignisse von Kühn entstanden. Ich habe das aus der Ferne beurteilt und habe kurz nach meiner Kritik gesagt, wenn es sich um eine Verletzung oder Krankheit handelt, ist das Verhalten der Sportlerin in Ordnung.«

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Nachdem die Beschwerden von Hettich vom deutschen Mannschaftsarzt bestätigt wurden, habe er sich bei der Biathletin persönlich entschuldigt. »Da muss ich mich einfach besser im Griff haben«, gibt er zu.

Er steht aber weiter zu seiner Kritik an Kühn. »Da geht es mir um Grundsätzliches, die Aufgabe war für Johannes persönlich eine Katastrophe«, ist sich der ZDF-Experte sicher. »Es geht jetzt nicht speziell um Johannes Kühn, sondern darum, was das Aufgeben mit einem Sportler machen kann und welche Folgen es insgesamt haben kann.«

Eines hebt Fritzenwenger dabei besonders hervor: Ein Athlet, der einen Wettkampf ohne Verletzung oder Krankheit beenden würde, könne deswegen persönlich negative Nachwirkungen haben. »Seine Hemmschwelle, jederzeit das Bestmögliche zu geben, sinkt. Er gibt in diesem Moment nicht nur den Wettkampf, sondern auch einen Teil von sich selbst auf.«

Es gebe unzählige Beispiele, die er im Laufe der vergangenen Jahre beobachten musste. Meist seien es Athleten gewesen, die noch nicht ganz an der Weltklasse angekommen seien. So hätten sie ihre Hemmschwelle nicht mehr überwinden können. Solche Athleten müsse man unbedingt vor solchen Entscheidungen schützen und sie auch auf Extremsituationen vorbereiten. »Wenn jeder einen Wettkampf vorzeitig beendet, weil er seine Ziele nicht erreichbar sieht, dann gibt es am Ende im Extremfall keinen Sieger. Ohne den Letzten gibt es keinen Ersten.«

Fritzenwenger betont auch: »Aufgeben ist respektlos gegenüber allen, die den Wettkampf beenden.« Er spricht in diesem Zusammenhang von einer Frage des eigenen Charakters. Zudem weist er auf das Engagement der Organisatoren wie etwa bei einem Weltcup hin. »Einen Wettkampf aufzugeben ist auch ein Schlag in das Gesicht aller Beteiligten, vor allem auch gegen die vielen Ehrenamtlichen.« Herbert Fritzenwenger bringt auch die Arbeitgeber, Sponsoren und Behörden ins Spiel, die die Sportler fördern und bestmöglich unterstützen würden.

Fans würden weltweit am Fernseher sitzen und mit ihren Lieblingen bangen. Auch diese würden enttäuscht – vor allem die Jugendlichen, die die Stars als Vorbilder sehen. Nicht richtig findet er es, dass Vorzeige-Biathleten wie Erik Lesser und Arnd Peiffer in ihrem Podcast direkt nach dem Weltcup gesendet hätten, dass man ein Rennen durchaus aufgeben könne, wenn es sinnlos sei, ein gutes Ergebnis zu erzielen.

»Wenn wir der Meinung sind, jeder Athlet kann für sich persönlich entscheiden, ob er ein Rennen beendet oder nicht, müssen wir Volksläufe ohne Zeitnahme organisieren. Da ist der Druck weg und man kann aussteigen, wenn die Lust weg ist. Hochleistungssport war noch nie einfach und nur die Besten werden sich durchsetzen«, sagt Herbert Fritzenwenger und hebt abschließend hervor: »Wettkämpfe nicht aufzugeben sei moderner denn je. Es sei eine Haltung von Charakter, Fairplay, Respekt und Selbstachtung. Aber vielleicht würden diese Merkmale in unserer modernen Gesellschaft schwinden. »Dann und nur dann ist es tatsächlich ein antiquiertes Bild vom Hochleistungssport, das ich habe.«

SHu

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