Fortschritte im Sprint und auf den Distanzstrecken

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Sie freut sich auf ihr »Heimspiel« beim Sprint-Weltcup in Dresden: Skilangläuferin Nadine Herrmann aus dem Stützpunkt Ruhpolding. (Foto: DSV)

Die Vorfreude ist trotz der Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie groß: Skilangläuferin Nadine Herrmann (Bockauer SV) aus dem Stützpunkt Ruhpolding geht beim Sprint-Weltcup in Dresden mit »Heimvorteil« an den Start. Denn von Dresden aus ist es nicht weit in ihre Heimat im Erzgebirge.


Der Zeitplan im Weltcup macht es sogar möglich, dass sie heuer schon zum zweiten Male in Sachsens Landeshauptstadt antreten darf. Im Januar 2020 hatte Nadine Herrmann im Sprint Rang 24 (Aus im Viertelfinale) belegt. Nun ist sie wieder dabei – und hofft abermals auf einen Platz unter den besten 30, um es mindestens in die Viertelfinals zu schaffen.

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Das scheint nach der gelungenen Saisonvorbereitung und den bisherigen Auftritten im Weltcup durchaus möglich – auch wenn manches noch nicht optimal lief. Kurzfristig hatte die 24-Jährige schon beim Saisonauftakt in Ruka (Finnland) gleich alle drei Wettkämpfe des ersten Weltcups (ein Sprint und zwei Distanzläufe) absolviert. »Da hat am ersten Tag vieles noch nicht ganz gepasst – auch das Material war da noch nicht ganz optimal, da haben sich alle schwergetan«, berichtet sie. Der zweite Tag »war ganz gut, auch wenn es nicht zu Punkten gereicht hat.« Herrmann fehlte in Ruka auch etwas die Frische. »Wenn ich eher gewusst hätte, dass ich da dabeisein darf, hätte ich unter der Woche das Training schon etwas reduziert.«

Weil der danach geplante Weltcup in Lillehammer (Norwegen) bekanntlich abgesagt wurde, erfolgte relativ frühzeitig die Anreise nach Davos. »So hatten wir genügend Zeit für die Anpassung an die Höhe, und zwischenzeitlich haben wir sogar ein Testrennen machen können. Daher habe ich mich gut vorbereitet gefühlt.« Im Sprint kam sie in der Schweiz auch ins Viertelfinale.

»Das war für mich persönlich in der Höhenlage nicht so schlecht. Allerdings lief das Viertelfinale anders, als ich es mir vorgestellt habe.« Denn eigentlich wollte sie zunächst einmal im Feld mitlaufen, um dann in der zweiten Runde Gas zu geben. »Aber ich kam als Erste vom Start weg, und dann habe ich es eben versucht. Da haben mich zum Schluss die Kräfte verlassen.« Normalerweise wäre sie nach dem Sprint abgereist, aber für das Rennen tags darauf (10 km Freistil) war kurzfristig ein Platz für sie frei. Die 24-Jährige trat wieder an und kam auf Rang 34. »Die Leistungen waren im soliden Bereich«, stellte sie fest. Das gelte auch für das gesamte Team. »Wir sind nicht auf einem schlechten Weg. Es sind kleine Schritte, und ich hoffe, dass da noch mehr kommt.«

Für sich selbst ist sie ebenfalls optimistischer als in den Vorjahren: »Mit dem Leistungsstand von jetzt hätte ich im Continentalcup wohl um die Top-3-Plätze oder zumindest die Top Sechs mitkämpfen können.« In den vergangenen Jahren – als sie zu diesem Zeitpunkt immer im Continentalcup unterwegs war – »war ich vor Weihnachten nie in Fahrt, heuer schon etwas besser.«

Herrmann freut sich auf ihr Heimspiel in Dresden, obwohl »es mit Sicherheit etwas merkwürdig wird ohne die Fans.« Auch von ihrer Familie kann sie daher am Wochenende nicht wie gewohnt unterstützt werden. »Aber wir im Profisport dürfen ja wenigstens laufen, und die Leute können ja im Fernsehen was sehen«, möchte sie sich auch gar nicht beschweren.

Der Schnee für den Weltcup wird übrigens in einem leerstehenden Hangar auf dem Flughafen in Dresden produziert. Für die rund 4500 Kubikmeter Schnee, die für die Veranstaltung nötig sind, wird ausschließlich Wasser verwendet, das auf der Zisterne des Flughafens gesammelt wurde.

In Dresden gibt es ein klares Hygienekonzept mit klar abgegrenzten Bereichen. »Wir brauchen negative Tests und bekommen dann ein Bändchen, das müssen wir überall vorweisen.« Zudem müssen die Sportler ab zwei Wochen vor dem Wettkampf jeweils angeben, wo sie sich täglich befinden. »Und am Morgen vor dem Rennen muss man spätestens bis 8.30 Uhr einen Fragebogen ausgefüllt haben, unter anderem, ob man Symptome aufweist.« So seien heuer einfach noch mehr organisatorische Aufgaben als sonst zu bewältigen, und »in Ruka durften wir nur auf der Wettkampfloipe ohne Maske unterwegs sein.«

So ähnlich werde es auch in Dresden ablaufen, vermutet Nadine Herrmann. Obwohl in den vergangenen Jahren ihre beste Form immer erst nach der Trainingsphase im Anschluss an die Feiertage gekommen sei, »bin ich im nationalen Team schon jetzt besser dabei.« Ebenso, wie das Team sich gut entwickle. Wie die meisten Athletinnen im Team sieht sie sich auch eher als Allrounderin. Dabei hat die 24-Jährige bei sich Fortschritte sowohl im Sprint als auch auf der Distanzstrecke festgestellt, »und das ist wirklich nicht selbstverständlich, dass es in beiden Teilbereichen nach vorn geht.« Ihr Ziel sei es, sich »überhaupt in Richtung Top 30« im Weltcup zu entwickeln.

Um für Dresden fit zu sein, legte Nadine Herrmann nach der Rückkehr aus Davos erst einmal zwei ruhigere Tage ein. Am Wochenende will sie im Einzelsprint am Samstag (Qualifikationsläufe ab 10.55 Uhr) zumindest in die Viertelfinals (ab 13.25 Uhr) kommen und möglichst auch tags darauf im Teamsprint gute Leistungen abliefern. Zumal »wir uns erfahrungsgemäß bei flacheren Sprints leichter getan haben«, hofft Herrmann.

Im Anschluss an den Weltcup bleibt sie erst einmal ein paar Tage bei ihren Eltern im Erzgebirge. »Die haben sich schon seit einer Woche isoliert, und ich werde ja sowieso regelmäßig getestet«, sieht sie hier keine Infektionsgefahr.

Wie sie nach den Feiertagen trainiert, ist noch nicht ganz klar. »Ein echter Trainingsblock ist nur hier in Ruhpolding möglich«, weiß sie. Für die Übergangsphase, in der sie Zeit in ihrer Heimat verbringt, sind die Möglichkeiten geringer. Ein Training in Oberwiesenthal »wäre theoretisch möglich. Aber das ist halt schon eine Dreiviertelstunde Fahrt, und ich muss mich ja genau für eine bestimmte Zeit anmelden.«

Daher hat sie für diese Zeit einen Wunsch, mit dem sie wohl vielen Skilangläufern aus der Seele spricht: »Am besten wäre es, es würde schneien.« who

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