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Fast eine komplette Intensivstation ist vor Ort

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Jakob Goëss koordiniert beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding auch in diesem Jahr wieder die BRK-Einsatzkräfte – und das ehrenamtlich. (Foto: Brenninger)

Er ist Biathlon-Fan aus Leidenschaft. Und der Weltcup in Ruhpolding steht bei ihm deshalb natürlich auch ganz dick rot im Kalender – doch zu einem hat  Jakob Goëss in dieser Woche garantiert gar keine Zeit: nämlich zum Biathlon schauen. Jakob Goëss, der hauptberuflich BRK-Kreisbereitschaftsleiter ist, ist auch beim Ruhpoldinger Biathlon-Weltcup für die Koordination der Einsatzkräfte des Bayerischen Roten Kreuzes verantwortlich.


In der Ruhpoldinger Biathlon-Woche ist Goëss deswegen von Montag bis Sonntag rund um die Uhr im Einsatz – und das wie alle anderen BRK-Helfer ehrenamtlich. Und er hat in seiner Freizeit vor allem eines: eine jede Menge Stress. Dennoch sagt er: »Ich freue mich schon wieder sehr drauf.«

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»Es ist ein Geben und Nehmen«

Schließlich könne man bei solchen Veranstaltungen jedes Mal eine jede Menge Erfahrung sammeln. Und zudem sei er von der Hilfsbereitschaft seiner Kollegen aus ganz Bayern Jahr für Jahr überwältigt. »Es nehmen sich alle extra für den Weltcup Urlaub, kommen teilweise von weit her und machen Dienst für nix. Das ist einfach eine schöne Sache.« Das sei die Stärke der Rot-Kreuz-Familie, freut er sich. »Wir helfen dafür auch mal woanders aus – beispielsweise bei einem größeren Konzert. Es ist ein Geben und Nehmen.«

Rund 300 BRK-Ehrenamtliche sind insgesamt an den Biathlon-Tagen in Ruhpolding im Einsatz. Einer davon ist übrigens auch seit Anfang an dabei: Seit 40 Jahren macht Engelbert Seilinger, der früher als Ruhpoldinger BRK-Bereitschaftsleiter ein Vorgänger von Jakob Goëss in Sachen Einsatzkoordination beim Biathlon war, nun schon Dienst beim Weltcup in Ruhpolding. »Das ist schon sehr beeindruckend«, findet der jetzige Einsatzchef.

Er führt das bemerkenswerte Zahlenspiel dann fort: Rund 70 BRK-Helfer (darunter auch Einsatzkräfte der Bergwacht) werden allein pro Weltcup-Tag benötigt. Diese machen dann Dienst an den Stationen im Stadion. Zwölf sind davon insgesamt in der Chiemgau-Arena aufgebaut. »Pro Station haben immer mindestens drei Leute Dienst.« Das Gute dabei ist: »Die Stationen sind so gewählt, dass man das eine oder andere von der Strecke durchaus mitbekommt.«

Auch auf der Zuschauertribüne befinden sich einige dieser Stationen. Im Ernstfall sei es natürlich gerade auf der Tribüne oft nicht leicht, den Erkrankten oder Verletzten schnell herauszubekommen. »Aber unsere Erfahrung zeigt: Die anderen Zuschauer helfen da wirklich vorbildlich mit«, freut sich der BRKler.

In regelmäßigen Abständen werden die Helfer an den einzelnen Stationen durchgetauscht. »Die einen gehen zum Aufwärmen oder zum Essen und die anderen haben dann Dienst.« Nur während der Wettkämpfe hat Goëss festgestellt, möchten die Helfer nicht mehr tauschen. »Da saugen sie dann lieber die besondere Stimmung auf«, lacht er.

Aber auch im Vorfeld des Weltcups gibt es viel zu tun. Die Vorbereitungen für die nahende Großveranstaltung laufen beim BRK schon seit Juli. »Der Koordinationsaufwand ist enorm groß«, sagt er. »Wir konnten aber speziell auch bei der Biathlon-WM viele Erfahrungswerte sammeln.« Dabei sei eine gute Grundbasis gelegt worden. »Aber es ist auch immer wieder eine neue Herausforderung für uns«, betont er. Doch von den Erfahrungen des Biathlon-Weltcups »profitieren wir das ganze Jahr über«.

Zwei große Container stehen für das BRK in der Chiemgau-Arena bereit und die Einsatzzentrale ist im Ricco-Groß-Haus untergebracht. In einem der Container ist eine fast komplette Intensivstation aufgebaut. Der zweite dient den Helfern als Aufwärm- und Sozialbereich. Aber auch dieser könnte im Notfall schnell zu einer erweiterten Sanitätsstelle umgerüstet werden. Zudem stehen drei Rettungswägen und elf andere Fahrzeuge rund um die Uhr bereit. Drei Notärzte sind ebenfalls vor Ort. »Logistisch ist das alles ein enormer Aufwand.«

Aber der ist durchaus auch nötig: Vom gebrochenen Fuß bis zum Blinddarm haben Jakob Goëss und seine Kollegen schon alles erlebt. Im vergangenen Jahr mussten die Helfer auch zwei Reanimationen durchführen. »Unser Ziel ist es, spätestens nach zehn Minuten an jedem Ort im Stadion mit einem Defi zu sein.« Die häufigsten Einsätze seien aber Kreislaufbeschwerden. Und die gab's in der Vergangenheit übrigens nicht nur wegen der Kälte, erinnert sich Goëss. »Bei der Biathlon-WM war's damals ja recht warm, da hatten wir dann eher Hitzeerschöpfungen, weil die Leute zu warm angezogen waren.«

Alles in allem hofft Jakob Goëss diesmal aber natürlich wieder auf gutes Wetter bei den Wettkämpfen. »Dann sind die Grundvoraussetzungen schon einmal perfekt und die Leute einfach gut gelaunt«, hebt er hervor. Schlecht sei vor allem Regen. »Denn dann sind auch unsere Leute schnell durchgefroren.«

Auch bei der Siegerehrung im Einsatz

Nach den Wettkämpfen in der Chiemgau-Arena ist die Arbeit aber noch nicht getan. Auch bei der Abreise sind die ehrenamtlichen BRK-Helfer an den Busstationen vor Ort, um im Notfall schnell parat zu sein. Und dann geht's für einige auch im Ruhpoldinger Kurpark weiter. »Denn wir sind auch bei der Siegerehrung im Champions-Park vor Ort«, berichtet der Einsatzleiter. »Einige von uns lassen da dann auch den Abend noch gemütlich ausklingen.«

Und er selber? »Ich persönlich fahre platt nach Hause. Am nächsten Tag geht es ja schon weiter«, erzählt er. Und wenn Jakob Goëss dann doch auch einmal in Ruhe Biathlon schauen will, dann fährt er übrigens nach Hochfilzen. »Da genieße ich die Wettkämpfe dann so richtig«, lacht er. Schließlich ist er ja Biathlon-Fan – und das mit großer Leidenschaft. SB