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»Es war bisher die beste Saison meines Lebens«

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Markus Eisenbichler blickt auf eine überaus erfolgreiche Saison zurück. Der Siegsdorfer Skispringer bereitet sich aber jetzt schon auf die neue Wintersaison vor – und da will er seine jüngsten Erfolge bestätigen.

Momentan eilt Markus Eisen-bichler in der Region von Empfang zu Empfang – und das hat er sich auch redlich verdient: Der heimische Skisprung-Weltmeister steht nach seinen Erfolgen im Winter nämlich hoch im Kurs. Der sympathische Siegsdorfer, der in der Bundespolizeisportschule Bad Endorf eine Ausbildung zum Bundespolizisten absolviert, hat in der abgelaufenen Winter-Saison den Durchbruch geschafft.


Der 26-Jährige stand unter anderem sechsmal auf dem Weltcup-Podium und wurde am Ende im Gesamtweltcup Achter. Bei der Skisprung-WM in Lahti holte er mit dem deutschen Mixed-Team Gold und gewann im Einzel von der Normalschanze Bronze. Zudem stellte der Skispringer mit einem Flug auf 248,0 m auf der Skiflugschanze von Planica einen neuen deutschen Weitenrekord auf. Im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt spricht Markus Eisenbichler nun über seinen Durchbruch, über seine weiteren Ziele und den bevorstehenden Olympia-Winter.

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Hallo Herr Eisenbichler, haben Sie eigentlich schon realisiert, was Sie die vergangene Saison alles geschafft haben?

Markus Eisenbichler: Ja, das habe ich. Es war für mich persönlich wirklich eine gute Saison. Aber ich hatte nicht viel Zeit, meinen Erfolg zu genießen. Gleich nach dem letzten Springen habe ich mich hingesetzt und überlegt, was ich noch besser machen kann. Ich habe auf jeden Fall gelernt: Mit Verbissenheit kommt man nicht weiter. Man braucht einfach eine gewisse Lockerheit.

Sie trainieren jetzt also schon wieder, hatten Sie denn gar keinen Urlaub?

Ja, ich bin schon wieder voll im Training. Der Urlaub ist sich in diesem Jahr nicht ausgegangen. Ich bin ja gerade auch im dritten Jahr meiner Ausbildung bei der Bundespolizei. Die Ausbildung ist mir sehr wichtig. Wenn ich mal als Skispringer aufhöre, habe ich dann schon ein zweites Standbein und kann ruhigen Gewissens als Polizist arbeiten.

Was trainiert denn ein Wintersportler im Sommer?

Jetzt geht's vor allem um den Kraftaufbau. Das heißt, ich bin rund vier Stunden am Tag im Kraftraum. Da ist bei mir auf jeden Fall noch Steigerungspotenzial drin. Im Winter hat man dafür keine Zeit mehr. Da schaut man dann, dass man seine Form halten kann.

Blicken wir nochmals zurück auf den Winter. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Saison?

Es war bisher die beste Saison meines Lebens und ich bin selbstverständlich sehr zufrieden damit. Ich hoffe aber, dass das nicht so bleibt. Es war schön zu sehen, dass ich in der Weltspitze mitspringen kann. Ich habe mich beispielsweise extrem über meinen 3. Platz in Lillehammer gefreut. Und plötzlich kommen die Gedanken, dass man irgendwann mal ganz oben stehen möchte. Nun hoffe ich, dass ich nächste Saison auf diesem Level weitermachen kann. Wenn mir das gelingt, wäre ich sehr zufrieden.

Mit den Erfolgen rückten Sie plötzlich auch in den Fokus der Öffentlichkeit. Wie gehen Sie mit dem gesteigerten Interesse an Ihrer Person um?

Ach, wenn mich ein Journalist nett fragt, dann bekommt er auch eine nette Antwort zurück (lacht). Aber es war schon komisch, dass plötzlich jeder etwas von mir wollte. Aber bei mir geht der Sport vor.

Aber nicht nur die Medien haben sich plötzlich für Sie interessiert, Sie haben jetzt auch viele neue Fans...

Ja, stimmt. Das ist mir aber eher etwas unangenehm. Ich bin lieber der stille Genießer. Ich mache den Sport, den ich liebe. Aber ich finde es natürlich sehr schön, dass sich so viele Fans mit mir über meine Erfolge freuen.

Sie haben im Sommer 2016 den Continentalcup gewonnen. Was nehmen Sie sich in diesem Jahr für den Bewerb vor?

Ich werde in diesem Sommer sicherlich weniger Wettkämpfe bestreiten. Ich bin im vorigen Sommer stellenweise sogar besser gesprungen als im Winter, aber da gehen einem im Winter dann einfach die Körner aus. Ich werde schauen, was ich von der Fitness her brauche. Ansonsten werde ich mich diesmal eher auf diesen ganz speziellen Winter vorbereiten.

Speziell, weil 2018 die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang anstehen?

Ja, aber es ist auch die Skiflug-WM (18. bis 21. Januar in Oberstdorf, Anm. d. Red.). Und die ist etwas ganz Besonderes für mich. Wegen dem Skifliegen habe ich diese Sportart ja auch angefangen. Aber natürlich sind auch die Olympischen Spiele etwas ganz Spezielles. Es wären ja meine ersten. Ich muss da aber erst einmal dabei sein.

Aber die Qualifikation sollte doch kein Problem sein, oder?

Ich gebe vorher ungern Prognosen ab. Es gibt viele Sportler, die sich um ein Ticket für die Olympischen Spiele duellieren werden.

Zurück zum Skifliegen. Sie sind ja jetzt auch der deutsche Rekordhalter in dieser Disziplin. Das muss für Sie ja dann eine besondere Ehre sein?

Ja, das kann man so sagen. Da hat sich für mich ein Traum erfüllt. Ich habe schon früher immer zu meinem Vater gesagt, dass es mein Traum ist, den deutschen Rekord zu halten. Jetzt habe ich ihn und ich möchte ihn auch gerne behalten. Aber das wird ein hartes Stück arbeiten werden.

Welchem deutschen Athleten trauen Sie denn am ehesten zu, dass er Sie überflügelt?

Ach, da gibt es einige! Beispielsweise Andreas Wellinger oder Severin Freund haben es schon bewiesen, dass sie weit fliegen können, da gibt es aber auch noch andere. Wenn sie mich wirklich überbieten sollten, dann wäre es auch nicht so schlimm. Ich gönne es jedem. Der Weltrekord wäre übrigens auch noch so ein Ziel, aber das wird ziemlich schwierig werden (aktuell hat den Rekord der Österreicher Stefan Kraft mit 253,5 m, Anm. d. Red.).

Im Februar gab's auf der Olympia-Schanze ja bereits einen Weltcup. Sie verzichteten damals auf die Reise. Könnte das ein Nachteil für Sie sein? Fehlen Ihnen jetzt vielleicht wichtige Erkenntnisse über die Bedingungen vor Ort?

Diese Situation habe ich ja durchaus öfters. Damals wollte ich mich einfach auf die bevorstehende WM in Lahti vorbereiten, das war mir wichtiger. Und wenn man gut in Form ist, dann genügen einem auch zwei bis drei Sprünge auf einer neuen Schanze, um diese einschätzen zu können.

Und ein paar Tipps kann Ihnen sicherlich ja auch Ihr Teamkollege Andreas Wellinger geben...

Ja, das hat er auch schon gemacht! Er ist der Überzeugung, dass mir die Schanze zu 100 Prozent liegen wird. Deswegen mache ich mir auch keine großen Sorgen.

Ist es eigentlich ein Vorteil, dass mit Andreas Wellinger ein weiterer Top-Skispringer aus der Region kommt?

Ja, das erleichtert das Ganze natürlich schon. Severin Freund wohnt ja auch in München. Wir trainieren oft zusammen und können uns dabei dann gegenseitig pushen.

Andreas Wellinger und Sie sind ja auch offiziell beim Stützpunkt Ruhpolding. Sie können dort aber nicht mehr trainieren, ein Nachteil?

Das ist wirklich sehr schade. Vor allem, weil in Ruhpolding wirklich eine Topanlage steht. Aber das muss man so hinnehmen. Ich trainiere jetzt halt hauptsächlich in Bad Endorf und Oberstdorf.

Sie haben in der Jugend aber Ihre ersten Sprünge in Ruhpolding gemacht, oder?

Ja, dort habe ich zum Springen angefangen. Gerade für die Jugend von heute ist die Situation in Ruhpolding nicht so schön. Im bayerischen Raum gibt es viele Topspringer. Da muss einfach bald was gemacht werden, sonst stehen wir in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr so gut da.

Welche Schlagzeile würden Sie gerne über sich im Olympia-Winter lesen?

Ich würde gerne lesen, dass ich mit dem Team oder im Einzel bei der WM- oder bei Olympia eine Medaille hole. Und natürlich bei der Tournee gut abschneide. Das würde mich persönlich sehr freuen!

Das Interview führte: Stephanie Brenninger