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»Es wäre ein Traum, meinen WM-Titel zu verteidigen«

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Markus Eisenbichler: "Wäre ein Traum, WM-Titel zu verteidigen" | Interview/Skispringen
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Markus Eisenbichler blickt zuversichtlich auf die neue Winter-Saison. Dafür will er im Sommer nun die Grundlagen legen. (Foto: Winkler)

Bescheiden, ehrgeizig, familiär: So beschreibt sich Markus Eisenbichler selbst. Der Siegsdorfer Skispringer ist trotz seiner jüngsten Erfolge – der Bundespolizist wurde 2019 im österreichischen Seefeld ja dreifacher Weltmeister – auf dem Boden geblieben.


Mit der jetzt erst zu Ende gegangenen Saison ist Eisenbichler, der am gestrigen Freitag seinen 29. Geburtstag gefeiert hat, hingegen nicht zufrieden. Nun tankt er neue Kraft daheim bei seiner Familie, um dann in der neuen Saison wieder richtig angreifen zu können, wie er im Interview mit unserer Zeitung verrät.

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Auch die Saison der Skispringer wurde aufgrund der Coronavirus-Pandemie jäh beendet – und zwar mitten unter der Raw-Air-Tour. Der vorletzte Einzelwettkampf der Saison in Trondheim fand nicht mehr statt.

Wie haben Sie das ganze erlebt, Herr Eisenbichler?

Uns war natürlich bewusst, dass das Virus da ist. Aber wir haben schon gedacht, dass wir unsere Wettkämpfe ohne Zuschauer durchziehen können. Als die Tour gestoppt wurde, waren wir ja auch schon eineinhalb Wochen unterwegs. Im ersten Moment fand ich es extrem schade und war auch etwas enttäuscht, weil ich wieder besser in Form gekommen bin. Aber ich habe die Maßnahme natürlich verstanden. Danach war's dann auch etwas hektisch – vor allem wegen der Frage: Wie kommen wir jetzt nach Hause? Aber nach einigen nervenaufreibenden Diskussionen hat das dann gut funktioniert.

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Mit der abgelaufenen Saison ist Markus Eisenbichler, der für den TSV Siegsdorf startet, nur bedingt zufrieden. Im Winter 2020/2021 will der humorvolle Skispringer aber wieder richtig angreifen und seine Titel bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften dahoam in Oberstdorf verteidigen. Foto: dpa

Die Ski-Flug-WM im slowenischen Planica wurde ebenfalls abgesagt. Der Schritt war alternativlos, oder?

Ich bin froh, dass die WM verschoben wurde. Wir hatten dann auch Klarheit. Und ehrlich: Bei einer Skiflug-WM ohne Zuschauer fehlt einfach das Feeling – und auch deshalb fahre ich zu einer Skiflug-WM. Das Gute ist: Sie soll ja noch 2020 nachgeholt werden.

Das Springen am Holmenkollen in Oslo war für euch der erste Wettkampf ohne Fans – wie war das?

Es war komisch. Es ist ja ein großes Stadion. Vom Gefühl her war es dann so, als ob man im Training ist und da einfach ein paar mehr Leute als sonst da sind. Ich habe einfach versucht, gut zu springen – und das ist mir dann ja auch gelungen. Ich hab mich dann einfach für mich selber gefreut.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Saison?

Ich bin nicht zufrieden! Ich habe im Sommer viel und gut trainiert. Im Nachhinein würde ich jetzt vielleicht sagen, es war zu viel. Im Herbst ist mir dann das Gas etwas ausgegangen. Ich wollte einfach zu viel, ich wollte der Beste sein. Ich hätte entspannter sein müssen.

Sie sind in dieses Jahr auch schlecht gestartet – und zwar mit einer Verletzung an der Hand. Hat Sie die zusätzlich gehandicapt?

Nein, das hat schon früher angefangen. Gleich vor dem ersten Weltcup in Wisla habe ich Hüft- und Knieprobleme bekommen. Dann ist es gleich bescheiden losgegangen und ich war verunsichert. Beim Springen in Kuusamo hat es mich dann auch noch geschmissen, ab da habe ich dann zu viel überlegt. Ich habe extrem lange gebraucht, um aus dieser Negativspirale wieder herauszukommen. Man zweifelt da dann zu viel. Aber ich habe das angenommen und stetig versucht, mich wieder zu verbessern.

Und die Hand?

Das war auch nicht angenehm. Aber es ist wieder gut geheilt. Die Verletzung hat aber auch etwas länger gedauert, als wir gedacht hatten. Alles in allem haben einfach mehrere Sachen nicht gepasst. Das muss ich jetzt so akzeptieren. Ich habe immer probiert, mein Bestes zu geben – und zum Ende hin, ist es dann ja auch wieder besser geworden.

Sie standen in Lillehammer dann auch erstmals in dieser Saison als Zweiter auf dem Podest – ein schönes Gefühl?

In Lillehammer bin ich endlich für meine Arbeit belohnt worden. Ich war überglücklich. Das hat mir gezeigt, ich war auf dem richtigen Weg. Jetzt gilt es, den Sommer richtig zu nutzen und wieder fit zu werden!

Wie beurteilen Sie das Abschneiden des deutschen Teams in diesem Winter?

Ich freue mich riesig, dass es für meinen Zimmerkollege Karl Geiger so gut gelaufen ist! Wir haben ja auch die Nationenwertung gewonnen. Das heißt schon etwas: Wir waren damit das beste Team über die gesamte Saison gesehen!

Leider hat sich Stefan Leyhe im allerletzten Springen noch das Kreuzband gerissen – ein Wermutstropfen?

Das ist natürlich keine schöne Sache! Die Trainer haben aber gleich gesagt, wir müssen jetzt nach vorne schauen.

Sind Sie aktuell jetzt in der Trainingspause?

Ich habe nach Trondheim zwei Tage frei gemacht und bin dann gleich wieder ins Training eingestiegen. Ich trainiere aktuell ein- bis zweimal am Tag. Ich gehe zum Beispiel jetzt auch Radfahren. Und es ist schön, gerade Zeit daheim verbringen zu dürfen. Ich mag das gerne. Das Leben wird gerade entschleunigt.

Leidet man als Wintersportler jetzt mit den Sommersportlern mit? Es werden ja aufgrund der Coronavirus-Krise gerade reihenweise Wettkämpfe abgesagt...

Ja, natürlich! Außerdem schaue ich auch ganz gern den Sommersportlern zu. Das ist schon bitter. Aber: Jetzt trainieren sie fürs nächste Jahr.

Glauben Sie, dass auch die neue Saison der Skispringer von der Krise noch betroffen sein wird?

Ich denke, es könnte noch die Sommer-Wettkämpfe treffen. Aber das ist nicht so schlimm, da steht ohnehin das Training im Vordergrund. Wenn bei uns die Winter-Saison wieder losgeht, hoffe ich doch sehr, dass sich das Ganze wieder gelegt hat.

Ihr habt mit Stefan Horngacher auch einen neuen Bundestrainer bekommen. Wie ist die Zusammenarbeit das erste Jahr gelaufen?

Wir haben einen der besten Trainer im Skisprung! Die Zusammenarbeit im Sommer war sehr, sehr gut. Im Herbst gab's dann zwischen uns ein paar kleinere Reibungen. Diese wurden dann aber schnell behoben. Er wollte, dass es bei mir läuft. Wir mussten uns erst besser kennenlernen. Ich bin ihm dankbar, dass er nicht die Geduld mit mir verloren hat. Ich bin auch überzeugt davon, dass, wenn es mal nicht läuft, es am Sportler selber liegt und nicht am Trainer. Wir sind als Team zusammengewachsen.

Gab's schon eine Saisonanalyse?

Bisher hatten wir aufgrund der aktuellen Situation keine Möglichkeit dazu. Das werden wir aber sicher noch nachholen.

Denken Sie schon an die neue Saison, haben Sie schon neue Ziele im Kopf?

Nein, ich genieße jetzt erst einmal voll und ganz meine Freizeit und konzentriere ich mich auch aufs Training. Der Winter kommt so schnell wieder! Dann will ich gut vorbereitet und fit sein.

In der neuen Saison stehen dann ja gleich zwei Weltmeisterschaften an: also die Nordische Ski-WM in Oberstdorf und die Skiflug-WM in Planica, die ja nachgeholt werden soll...

Auf's Skifliegen freue ich mich immer – und natürlich auch auf die WM dahoam in Oberstdorf, da will ich unbedingt richtig fit sein! Es wäre ein Traum, meinen WM-Titel zu verteidigen. Das wäre richtig cool.

Jetzt haben Sie ja doch schon ein Ziel für die neue Saison formuliert ...

Ach, das würde ich jetzt nicht als Ziel sehen, das sind meine Wunschträume!

Stephanie Brenninger

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