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Vanessa Hinz wurde nach ihrem Bronze-Triumph bei den Olympischen Spielen in Peking mit der Staffel in Ruhpolding empfangen. Mit dabei war auch ihr Trainer Kristian Mehringer. Eigentlich hätten bei dem Empfang auch Denise Herrmann und Franziska Preuß dabei sein sollen. Weil sie allerdings am Morgen positiv auf das Coronavirus getestet wurden, konnten sie nur online zugeschaltet werden. (Foto: A. Hauser)

»Es ist verdammt schön«

Biathlon gehört zu Ruhpolding, wie der Topf zum Deckel. Doch dass Ende März mitten in der Ortsmitte ein Hauch von Weltcup-Stimmung aufkommt, ist untypisch und etwas Besonderes: Mit einem großen Empfang wurden die drei Biathletinnen Vanessa Hinz, Franziska Preuß und Denise Herrmann jetzt in Ruhpolding geehrt. Zusammen haben die drei bei den Olympischen Winterspielen in Peking mit der Staffel Bronze gewonnen. Einige Tage zuvor war Denise Herrmann bereits der ganz große Coup gelungen: Sie gewann im Einzel Gold.


Die Corona-Pandemie stellte die Weltcup-Saison, aber auch die Olympischen Spiele so ziemlich auf dem Kopf und auch der Empfang in Ruhpolding blieb davon nicht verschont. Weil Herrmann und Preuß am Morgen positiv auf das Coronavirus getestet wurden, konnte nur Vanessa Hinz persönlich bei der Willkommensfeier dabei sein. Die anderen beiden wurden per Videoschalte, die auf einer großen Leinwand übertragen wurde, dazugeschaltet.

Eben auf dieser Leinwand blickte man auch mit Kurzreportagen zurück auf die Tage in Peking: Niemand hat zuvor damit gerechnet, dass die deutschen Skijägerinnen mit einer Medaille nach Hause kommen – und vor allem nicht damit, dass Herrmann der Gold-Coup gelingt. »Die Vorzeichen waren nicht perfekt«, gesteht auch Hinz bei dem Empfang. Denn Franziska Preuß, die zuvor als größte deutsche Medaillen-Hoffnung galt, hatte sich im Dezember am Fuß verletzt und sich zudem mit dem Coronavirus infiziert. Bei den anderen Biathletinnen schwankte die Form stark, sodass man keineswegs auf olympisches Edelmetall hoffen konnte. Umso mehr freuten sich die Biathletinnen über ihren Sensationstriumph. »Es ist ein großartiges Gefühl und ein brutaler Teamerfolg«, findet Hinz, die am Tag des Empfangs zudem ihren 30. Geburtstag feierte. Alle drei Biathletinnen sind nicht in Ruhpolding aufgewachsen, sondern haben erst ihm Zuge ihrer Sportkarriere ihren Wohnort in den Chiemgau verlegt. Für Vanessa Hinz ist Ruhpolding aber mittlerweile ihre zweite Heimat, hinter ihrem richtigen »Dahoam«, dem Schliersee, geworden. »Ganz Ruhpolding lebt einfach den Biathlon-Sport. Da bekommt man so eine Unterstützung. Das ist für mich auch Heimat«, erzählt Hinz in einem Gespräch mit unserer Sportredaktion.

Auf dem Balkon des Hotels zur Post wurde Hinz zusammen mit ihrem Trainer Kristian Mehringer – sowie Herrmann und Preuß vom Bildschirm aus – von Bürgermeister Justus Pfeifer, Ski-Club Vorsitzenden und TV-Experte Herbert Fritzenwenger sowie dem Stadionsprecher der Chiemgau-Arena, Harald von Knoerzer-Suckow, begrüßt.

Auch wenn bei dem Empfang coronabedingt nicht alles nach Plan lief, wollte man in Ruhpolding die Feier »unbedingt durchführen«. »Ihre Leistung ist aller Ehre wert«, sagte Justus Pfeifer. Und auch Fritzenwenger und von Knoerzer-Suckow zeigten sich begeistert und löcherten die Sportlerinnnen sowie Mehringer mit Fragen. Alexander Klammer, alias DJ Lumpi, und die Beppos hatten zuvor die rund 200 Biathlon-Fans, die in die Ortsmitte gekommen waren, auf den Empfang eingestimmt. Für die drei Sportlerinnen war die Ehrung ein schönes Erlebnis – das sah man auch in den Gesichtern von Herrmann und Preuß auf der Leinwand sowie bei Hinz. »Es ist verdammt schön zu sehen, wie die Leute auf einen warten. Der Empfang wird mir in Erinnerung bleiben, weil es einfach etwas ist, was man nur einmal erlebt«, so Hinz.

Auf die Sportlerinnen wartet jetzt erst einmal der wohlverdiente Urlaub. Hinz zieht es weit weg von daheim. Sie macht eine Reise durch den Oman. »Ich mache keinen Pauschalurlaub, ich bin eher Team Backpacking und jemand, der Land und Leute kennenlernen will«, erzählt sie. Für Preuß steht privat ein Großprojekt an: Zusammen mit ihrem Freund, dem Ex-Biathleten Simon Schempp, wird sie in Ruhpolding ein Haus bauen und sich damit ganz an den Ort binden.

Vorerst wollen die drei ihre Sportkarriere noch nicht beenden. Denise Herrmann gab vielmehr die Heim-WM in Oberhof für sich als großes Ziel an. Was danach ist, wird sich zeigen. In Ruhpolding wird man sich aber auf jeden Fall an die drei erinnern ...

aha

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