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»Es ist eine WM, da braucht man keine Extra-Motivation«

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Johannes Kühn stand bei den Deutschen Meisterschaften der Biathleten viermal auf dem Podest. Jetzt will der Tüßlinger, der für den WSV Reit im Winkl startet, auch in der Wintersaison gute Leistungen zeigen. (Foto: Kevin Voigt) Foto: Kevin Voigt

Die deutschen Biathleten fiebern dem Saisonstart entgegen. Auch der Tüßlinger Johannes Kühn, der für den WSV Reit im Winkl startet, ist wieder für das Weltcup-Team nominiert. Im Sommer unterstrich der 27-Jährige, der am Stützpunkt Ruhpolding trainiert, bei den Deutschen Meisterschaften schon seine gute Form. Viermal stand er dabei auf dem Podest und wurde Zweiter in der Verfolgung, Zweiter im Sprint, Dritter im Massenstart sowie Zweiter mit der Staffel. Was er sich nun für die bevorstehende Wintersaison vorgenommen hat, verrät der Biathlet im Interview mit unserer Sportredaktion.


Die neue Weltcup-Saison startet am 30. November in Östersund. Fiebern Sie dem Auftakt schon entgegen, Herr Kühn?

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Ja, ich freue mich schon sehr darauf, wenn es endlich losgeht! Leider ist die Wettkampfplanung heuer etwas anders und es gibt nur zwei Einzelrennen zum Auftakt.

Wie schaut denn Ihre Vorbereitung in den letzten Wochen vor dem Auftakt aus?

Zuletzt waren wir mit der Weltcup-Mannschaft zu einem Lehrgang am Notschrei im Schwarzwald. Nun bin ich eine Woche in Ruhpolding, dann nochmals ein paar Tage in Oberhof und ab 10. November geht es nach Norwegen (Sjusjoen). Dort können wir dann auf Schnee trainieren und auch bei Testrennen mitmachen. Dann geht es nur nochmals kurz nach Hause, bevor wir dann schon zum ersten Weltcup nach Östersund reisen.

Im vergangenen Winter setzten Sie ja gleich im ersten Rennen über 20 km in Pokljuka mit dem zweiten Platz ein Ausrufezeichen. Diesmal geht’s ja mit zwei Staffelbewerben los. Rechnen Sie sich da Chancen aus, starten zu dürfen?

Da gehe ich erstmal davon aus, dass ein Staffel-Einsatz eher unwahrscheinlich sein wird, sofern alle fit sind. Ich werde mich also auf die Einzelstarts konzentrieren.

Das erste Einzelrennen ist ein Sprint über 10 km. Greifen Sie da dann an?

Ich versuche, in jedem Rennen anzugreifen. Sicher wäre es toll, mit einem Top-Resultat zu starten, aber die Saison ist noch lang…

Welches Rennen ist eigentlich Ihre Lieblingsstrecke?

Das ist schwer zu sagen, in Östersund oder Hochfilzen liegen mir die Strecken recht gut, die Atmosphäre ist natürlich bei den Heimrennen am besten.

Blicken wir kurz auf den Sommer zurück. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Vorbereitung bisher?

Insgesamt bin ich bisher sehr zufrieden. Ich konnte gut trainieren und hatte mit Ausnahme von ein paar Erkältungstagen bisher keine Ausfälle. Insofern alles Okay bisher.

Bei den zweigeteilten Deutschen Meisterschaften am Arber und in Ruhpolding gab es für Sie drei zweite Plätze und einen dritten Platz. Sind Sie mit Ihrem Abschneiden zufrieden?

Das Ziel war, mich für den Weltcup zu qualifizieren und mein Schießen zu stabilisieren. Das hat beides geklappt, somit bin ich sehr zufrieden. Es gibt natürlich auch immer ein paar Punkte, mit denen ich nicht ganz einverstanden bin. So gab es den einen oder anderen Schießfehler, der vermeidbar gewesen wäre. Und wenn man bei allen Rennen auf dem Podium steht, möchte man natürlich gerne einmal ganz oben stehen!

Kurz danach folgte die Nominierung des Weltcup-Teams. War es für Sie klar, dass Sie wieder dabei sind?

Ja, nach den Ergebnissen bei der Deutschen Meisterschaft bin ich natürlich schon davon ausgegangen. Es wurden ja noch drei Plätze vergeben – nur Arnd Peiffer, Erik Lesser und Benedikt Doll waren gesetzt – und da hab ich mir nach den guten Ergebnissen natürlich schon hohe Chancen ausgerechnet.

Neben dem Weltcup steht auch wieder eine WM an – und zwar geht’s diesmal nach Antholz (12. bis 23. Februar). Gehen wir einmal davon aus, dass Sie die Qualifikation dafür schaffen werden, was sind Ihre Ziele für die WM?

Genau, zunächst gilt es, sich zu qualifizieren. Das will ich schaffen und dann… Top 10!

An Antholz haben Sie auch gute Erinnerungen. Im Januar 2018 haben Sie dort mit Ihrem fünften Platz im Massenstart ja im letzten möglichen Rennen die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang geschafft. War das bisher Ihr größtes Highlight in Ihrer Karriere?

Es stimmt, das war sicher ein sehr spezielles Rennen. Auf den letzten Drücker noch zu Olympia, meine bis dahin beste Einzelplatzierung und das im Massenstart, das war schon sehr cool. Daran erinnert man sich immer gerne zurück!

Könnte das auch einen Extra-Motivationsschub für die WM geben?

In Antholz ist es sowieso immer schön, die Stimmung ist super und meist passt auch noch das Wetter. Und natürlich ist es auch gut, mit positiven Erinnerungen an einen Wettkampf-Ort zu fahren. Aber es ist eine WM und ich glaube, da braucht es keine Extra-Motivation.

Wen sehen Sie in dieser Saison bei den Männern im Weltcup ganz vorn?

Das ist natürlich schwer zu sagen, gerade im Männerbereich ist die Spitze sehr eng und es gibt viele Athleten, die Rennen gewinnen können. Der Gesamtweltcup wird aber wohl nur über Johannes Thinges Boe zu gewinnen sein, da glaube ich, muss man auch kein Prophet sein.

Auf welche Weltcup-Rennen freuen Sie sich am meisten?

Die Heimrennen sind schon immer etwas ganz Besonderes, auch wenn da der Druck besonders groß ist.

Und was nehmen Sie sich für diese Weltcup-Saison vor?

Ich möchte vor allem ein gutes und stabiles Schießen zeigen. Das klappt im Training auch sehr gut und das möchte ich auch in den Wettkämpfen umsetzen können. Eigentlich genauso wie letztes Jahr, da hat das aber eben nur am Anfang geklappt, das möchte ich heuer länger durchziehen. Wenn ich das hinbekomme, springen auch sicher einige gute Platzierungen heraus und wenn alles gut läuft Top 20 im Gesamtweltcup.

Läuferisch macht Ihnen ja auch keiner so schnell was vor. Bisher war das Schießen Ihr Schwachpunkt. Haben Sie das im Sommer jetzt nochmals speziell trainiert?

Ich habe über den Sommer versucht, auf den Fortschritten der letzten Saison aufzubauen und die technischen Punkte zu verfeinern. Zudem habe ich schon auch gesonderten Wert auf das Schießen gelegt. Die Trainingsleistungen sind gut, jetzt muss ich es versuchen, das auch umzusetzen.

Haben Sie Peking 2022 schon im Blick?

Olympia ist toll, aber Peking ist für uns noch weit weg. Jetzt steht erstmal eine Weltcup-Saison mit einer WM als Höhepunkt vor der Tür. Das ist es, was ich aktuell im Blick habe.

Stephanie Brenninger