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»Es geht auch mit der normalen Schule«

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Sie können mit ihrer Saison zufrieden sein – und schaffen es, Schule und Leistungssport gut unter einen Hut zu bringen: die heimischen Skilangläufer (von links) Johan Werner, Lena Bächle und Florian Knopf. (Foto: Brenninger)

Der Einstieg in den Leistungssport und die Schule – wie passt das zusammen? Es lässt sich zumindest mit guter Organisation und großem persönlichen Einsatz meistern. Das zeigt das Beispiel dreier talentierter Skilangläufer aus der Region, die alle dem Jahrgang 1999 angehören.


Für Johan Werner (SC Aising-Pang) – der das Finsterwalder-Gymnasium in Rosenheim besucht – und für Florian Knopf (SLV Bernau/Ludwig-Thoma-Gymnasium in Prien) stehen ab der kommenden Woche schon die Abiturprüfungen an. Lena Bächle (SV Oberteisendorf/Chiemgau-Gymnasium Traunstein) aus Traunstein besucht die 11. Klasse und hat noch ein Jahr Zeit.

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»Wir sind eine Partnerschule des Wintersports (PZW) und bekommen immer unsere Freistellungen, ich kann mich nicht beschweren«, so die 17-Jährige. Florian Knopfs LTG ist zwar keine Partnerschule des Wintersports, »aber wir werden gut unterstützt, die Schule half auch bei der Erstellung des Stundenplans«, berichtet er.

»Viele können sich Aufwand nicht vorstellen«

Johan Werners Gymnasium ist eine PZW. »Einige Lehrer wissen sehr gut Bescheid und helfen, aber viele können sich gar nicht vorstellen, was wir alles allein an Zeit für den Sport aufwenden«, so der 18-Jährige.

Denn während der Schulzeit stehen in sechs bis sieben Einheiten gut 15 Trainingsstunden je Woche an, im Sommer sind es sogar acht bis neun Einheiten. Im Winter reduziert sich die Zahl »weil wir ja oft schon am Donnerstag zu den Wettkämpfen fahren und erst am Sonntag spät zurückkommen. Da ist man dann am Montag schon in der Schule ziemlich müde«, berichten die jungen Athleten. Zu den sieben Deutschlandpokal-Wettkämpfen kamen Meisterschaften etc. hinzu, »wir waren fast jedes Wochenende im Einsatz.«

»Ich habe zweimal bis 15 Uhr und einmal bis 16.30 Uhr Schule. An diesem Tag fahre ich dann schon mit dem Auto in die Schule, danach geht's gleich nach Ruhpolding. Dort beginnt dann das gut zweistündige Training – gegen 21 Uhr bin ich daheim, kann duschen und essen, bevor ich um 21.30 Uhr dann zu lernen beginne«, verdeutlicht Johan Werner den immensen Zeitaufwand.

Gut, dass sein Bruder Janik Trainer des Teams ist. »Wir haben oft den Stützpunktbus bei uns und sammeln auf dem Weg nach Ruhpolding dann einen Großteil der anderen Sportler auf«, erklärt er.

Dennoch ist das Trio froh darüber, nicht auf einem Sportinternat zu sein. »Es geht auch so«, haben die Langläufer festgestellt. Zwar sei beispielsweise in unserer Region »das CJD sehr gut, vor allem für Leute mit weiter Anreise«, »aber ich wollte lieber bei meiner Familie bleiben«, so Lena Bächle. »Es ist ein enger Zeitplan, aber es passt«, betont auch Knopf.

Wichtig sei die Schule allemal, weiß das Trio. Schließlich »muss man realistisch sehen, wie schwer es ist, dass man irgendwann mal in den Weltcup kommt. Da ist die Schule ein wichtiges zweites Standbein«, so Knopf.

Positive Entwicklung bei allen Sportlern

Dennoch setzen sich die drei jungen Athleten natürlich voll für ihren Sport ein. Erleichtert wird ihnen dies dadurch, dass das vor drei Jahren gegründete Jugendteam aus Chiem- und Inngau hervorragend funktioniert. »Wir verstehen uns alle gut. Und sportlich sieht man, dass auch die, die nicht auf Spitzenplätzen landen, sich in dieser Zeit deutlich weiterentwickelt haben«, freuen sie sich.

Das Trio selbst gehört zur deutschen Spitze seiner Altersklasse U 18. Lena Bächle wurde im Deutschlandpokal Gesamtvierte, es fehlten nur 9 Zähler zu Rang 2. »Das war insgesamt einer meiner besten Winter«, freut sie sich. Johan Werner wurde Zehnter der Jugend 18. »Ich steigere mich seit drei Jahren kontinuierlich. Die erste Saisonhälfte war sehr gut, dann hat mich eine schwere Grippe erwischt. Da hat mir danach erstmal der Dampf etwas gefehlt, aber ich habe viele Platzierungen unter den Top Sechs.« Florian Knopf musste nach gutem Saisonbeginn einer Erkrankung Tribut zollen, »aber zum Ende war es wieder gut«, freut sich der Gesamtzweite der Jugend 18.

Auch wenn den jungen Skilangläufern bewusst, ist, dass es schwierig wird, sich letztlich im Sport durchzusetzen: Bis jetzt sind sie mit ihren Leistungen und ihrer Situation zufrieden – und damit, in der normalen Schule geblieben zu sein. Immerhin ist man damit auch ein Jahr eher mit der Schule fertig, freut sich Johan Werner. Und Florian Knopf betont: »Die in den Sportinternaten in Oberhof und Oberwiesenthal haben ein Jahr mehr Zeit bis zum Abitur und können höhere Umfänge trainieren – aber bei uns passt die Qualität anscheinend trotzdem.« Walter Hohler