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»Es gehört schon ganz schön viel Herzblut dazu«

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Siegfried Straßhofer (links), Stephan Schmidhuber (Zweiter von rechts) und Gerry Straßhofer (rechts) sind die drei Trainer des DFB-Stützpunkts Traunstein. Sie trainieren aber auch jeweils eine Nachwuchsmannschaft des BFV-Nachwuchsleistungszentrums des SB Chiemgau Traunstein. Kilian Lehrberger hilft als Stützpunkttrainer-Anwärter ebenfalls aktiv mit. (Foto: Brenninger)

Auf den Plätzen vier und fünf im Jakob-Schaumaier-Sportpark herrscht reger Betrieb. Wie jeden Montag.


Auf dem einen Drittel trainieren die Torhüter, auf dem anderen Drittel wird bereits gespielt, und im dritten Drittel gibt's gerade Stabilisationsübungen. Beim SB Chiemgau Traunstein findet wieder ein DFB-Stützpunkttraining statt.

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»Viele der Spieler sind bereits beim SBC«, erzählt Siegfried Straßhofer nicht ohne Stolz. »Aber einige sind auch von außerhalb dabei.« Zusammen mit seinem Bruder Gerald Straßhofer und Stephan Schmidhuber leitet er das DFB-Stützpunkttraining, unterstützt werden sie dabei auch von Kilian Lehrberger – und sie alle sind mit Feuereifer dabei. Gleichzeitig sind alle drei auch Nachwuchstrainer im BFV-Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des SB Chiemgau. Das Traunsteiner Tagblatt stellt das NLZ gerade in einer Serie vor – im zweiten Teil geht es jetzt also um die Trainer, aber auch um die Spieler und die Eltern.

Der Anspruch an die Trainer ist hoch – und das in allen Aufgabenbereichen. »Wir sind alle Inhaber der DFB-Elite-Lizenz«, sagt Straßhofer, der wie seine beiden Kollegen auch beim DFB angestellt ist. »Das ist die dritthöchste Lizenz in Deutschland.« Nach der Ausbildung stehen regelmäßig Fortbildungen an. Zweimal im Jahr geht's zu Lehrgängen, zudem müssen die Trainer vier Lehrgänge selber leiten. Oben drauf – und das noch neben diversen anderen Verpflichtungen wie Spielbeobachtungen, Spieler- und Elterngesprächen – gibt es auch noch die DFB-Info-Abende. »Die sind auch als Sprachrohr in die Region hinaus gedacht«, betont Siegfried Straßhofer. »Da tun wir was für die anderen Vereine«, fügt er hinzu.

Darüber hinaus sind die drei aber ja auch noch fest im NLZ des SB Chiemgau integriert und damit fast täglich auf dem Fußballplatz. Auch das ist eine Vorgabe des DFB. »Es gehört also schon ganz schön viel Herzblut dazu«, sagt Straßhofer. »Aber trotz der großen Verantwortung macht es auch vor allem viel Spaß.«

Die ersten Erfolge haben sich schon eingestellt

Denn die ersten Erfolge haben sich ja auch schon eingestellt. Und die Arbeit mit den Jugendlichen ist auch abwechslungsreich. »Wenn sie das erste Mal das Shirt mit dem DFB-Logo und dem Mercedes-Stern tragen, dann sind sie schon furchtbar nervös«, sagt Straßhofer. Aber die Aufregung legt sich auch bald – und dann sind die Buben und Mädchen vor allem stolz darauf, den ersten Schritt geschafft zu haben. »Da wird das Shirt dann auch schon mal in die Schule angezogen«, weiß Straßhofer.

Einige seiner Schützlinge verabschieden sich dann für heute von ihm – alle per Handschlag. Das Training ist zu Ende. »Auch die persönliche Begrüßung und das persönliche Verabschieden ist eine Vorgabe des DFB«, sagt Straßhofer. Den Jugendlichen soll von Anfang an vermittelt werden, dass man sich mit Respekt begegnet.

Philip Hosp freut sich jedenfalls schon auf die nächste Einheit, »auch wenn das Training ganz schön anstrengend ist«. Er und seine Mitspieler Sebastian Klein, Leon Vesa, Luca Surauer und Fabian Furch haben zum Ziel, einmal »so weit oben wie möglich zu spielen«. Wichtig ist ihnen dabei aber auch, dass sie die Schule nicht vernachlässigen. »Aber man bekommt das beides schon unter einen Hut«, sagen sie.

Danach machen sie sich auf den Weg Richtung Kabine, aber Siegi Straßhofer pfeift sie nochmals zurück. Es sind noch nicht alle Trainingsgegenstände aufgeräumt. Ein paar Stangen stehen noch am Spielfeld rum. Die Spieler holen sie – ohne zu murren. Dann gibt ihnen Straßhofer noch kurz mit auf dem Weg, dass am Freitag ein Spiel ansteht. »Damit ist am Freitag Schwimmbadverbot«, sagt er. Eine harte Entscheidung. Aber Straßhofer begründet diese sofort: »Die Hitze ist nicht gut. Die Spieler sind dann am Abend nicht so leistungsfähig.« Und wenn sie wirklich einmal den Sprung nach ganz oben schaffen wollen, dann müssen sie eben auch in jungen Jahren schon auf einiges verzichten. Die Spieler jedenfalls nehmen das Verbot ganz locker auf. »Wir können am Wochenende ja auch noch ins Schwimmbad gehen«, sagen sie.

Am Spielfeldrand treffen derweil immer mehr Mütter und auch ein paar Väter ein, um die Kinder nach dem Training wieder abzuholen. Sie nehmen teilweise lange Anfahrten für das Stützpunkttraining in Kauf, teilweise beträgt die einfache Fahrtstrecke da auch schon einmal über 40 km. Aber das machen die Mamas gerne, versichern sie unisono. »Solange es den Kindern Spaß macht, ermöglicht man es ihnen«, sagt Birgit Mayer. »Und bevor sie einen anderen Schmarrn machen, ist doch das Training viel besser«, fügt Lisa Klein hinzu. Und unter den Müttern hat sich mittlerweile auch eine freundschaftliche Verbindung entwickelt. »Das ist sicherlich nicht selbstverständlich«, sagt Petra Heßelbarth, »aber das macht natürlich vieles auch leichter.«

Selbst der Urlaub richtet sich nach dem Trainingsplan

In ein paar Wochen ist erst einmal eine kurze Pause angesagt. In den ersten beiden August-Wochen gibt es kein Stützpunkttraining. Richtig gut finden das die Mamas übrigens nicht. »Dann ist den Buben ja nur fad«, sagen sie. Immerhin könnten die Familien dann schnell mal in den Urlaub fahren. Denn danach ist schon wieder Training angesagt und Siegi Straßhofer weist darauf hin, dass man im Leistungsbereich durchaus auch darauf achten müsse, dass nicht zu viele Einheiten ausgelassen werden. »Es ist nicht so gut, wenn die Spieler dann plötzlich zwei Wochen aus dem Trainingsbetrieb raus sind.«

Für die Spieler ist das Training damit für heute nun wirklich beendet. Für Siegfried Straßhofer und seine Kollegen geht's allerdings noch weiter. Sie müssen die Einheit nun ja auch noch nachbereiten. SB