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»Entweder ich mache etwas ganz oder gar nicht«

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Peter Mayer ist im Oktober wieder zum Kreisschiedsrichterobmann der Eisstockschützen gewählt worden.

Bei Peter Mayer ist es seit dem Stopp aller Sportveranstaltungen ruhig geworden. Statt Schiedsrichter für Turniere, Meisterschaften und Pokalwettbewerbe im Eisstocksport-Kreis Traunstein einzuteilen oder selbst darauf zu achten, dass die Regeln bei den Wettkämpfen eingehalten werden, muss der Kreisschiedsrichterobmann genauso wie alle Sportler warten.


Durch das abrupte Saisonende gibt es bei den Stockschützen keine Auf- und Abstiege, die Sommersaison entfällt komplett. Trotzdem ist sich Peter Mayer sicher: »Es wird nahtlos weitergehen.« Ein Vorteil bei den Stockschützen sei, dass eine Meisterschaft auch auf zwei Tage ausgespielt wird. »Das geht bei uns ratzfatz.«

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Wenn der Spielbetrieb nach der Corona-Pause weitergeht, werden Peter Mayer und die insgesamt 62 Schiedsrichter im Kreis wieder voll gefordert sein: »Die Vereinsturniere können dann schon wieder Fahrt aufnehmen«, ist der 64-Jährige überzeugt.

»Sowieso nicht der treffsicherste Schütze«

Ihm selbst fällt die Pause momentan gar nicht so schwer: Nach einer Hüftoperation hätte Peter Mayer, der beim TSV Petting spielt, bis Juni nicht schießen dürfen. »Aber ich bin sowieso nicht der treffsicherste Schütze, der ein Spiel entscheidet«, gibt er lachend zu.

Auf Stockbahnen unterwegs ist er trotzdem oft: 29 Vereine gehören zum Eisstock-Kreis 202, für jedes Vereinsturnier braucht der Ausrichter auch einen Schiedsrichter mit C-Schein. Im Landkreis Traunstein gibt es sechs Schiedsrichter, die sogar die B-Lizenz haben und damit bei Deutschen Meisterschaften und internationalen Wettkämpfen zum Einsatz kommen können – so wie Peter Mayer. »Bei uns im Kreis gibt es viele hochklassige Turniere zu pfeifen«, berichtet er. Der 64-Jährige hat inzwischen viel Erfahrung gesammelt, ist regelmäßig bei Bundesliga-Spielen des EC Lampoding im Einsatz.

»Ich habe mich hochgearbeitet«, meint der Pettinger. Dabei erinnert er sich noch gut an sein erstes Turnier als Schiedsrichter in Ruhpolding: »Da habe ich gedacht: Hoffentlich passiert nichts und hoffentlich fragt mich niemand.«

Nach zahlreichen Spielen ist Peter Mayer da inzwischen souveräner – und hat auch deshalb im September einen besonderen Schiedsrichtereinsatz gehabt: bei zwei Halbfinals und dem Finale der Champions League. Als feststand, dass der EC Lampoding das Endturnier austrägt, bewarb sich Peter Mayer als Schiedsrichter – und wurde berufen. »Das hat mich wirklich narrisch gefreut. Schließlich ist das auch eine Anerkennung, dass ich die Spiele pfeifen durfte.«

Darauf bereitete sich Peter Mayer intensiv vor: »Man geht die Regeln durch und überlegt, was passieren könnte: Welche Mannschaft darf anschießen, was passiert bei einem Unentschieden? Schließlich will man sich da nicht blamieren.« Außerdem informierte sich Peter Mayer auch über die Mannschaften. »Man weiß schon, wenn es Spieler gibt, die mal über die Stränge schlagen. Aber es hat alles wunderbar hingehauen.« Für Peter Mayer war das Turnier ein »Highlight. Das werde ich in meinem Leben nicht mehr kriegen«, weiß er. Schließlich bewerben sich viele Vereine für so ein Turnier, zudem hat sich der EC Lampoding nicht erneut für die Champions League qualifiziert. »Das gesamte Umfeld war etwas Besonderes«, berichtet der Schiedsrichter. »Das waren Top-Mannschaften und sehr viele Zuschauer.« Denn während selbst bei Deutschen Meisterschaften selten Fans von allen Vereinen anreisen, waren bei der Champions League mit Teams aus Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz rund 550 Zuschauer in der Halle. »Zum Teil sogar mit Schlagzeug und Fanfare«, erinnert sich Peter Mayer. Trotzdem sei es während den spannenden Wettkämpfen mucksmäuschenstill gewesen – und Peter Mayer musste kaum eingreifen.

»Ich lasse ein Spiel gerne laufen«, sagt er. »Manchmal ist es schon sehr knapp und man muss entscheiden, ob ein Stock auf der Linie hängt oder den Abstand zur Daube messen. Aber ein Schiedsrichter sollte unauffällig im Hintergrund, aber da sein, wenn es darauf ankommt. Es bringt ja nichts, wenn ein Schiedsrichter sich aufführt und meint, er ist der Größte.«

Peter Mayer greift »hart, aber gerecht« durch

Das gibt Peter Mayer auch an neue Schiedsrichter weiter, wenn er Prüfungen abnimmt. »Bisschen was tun muss man dafür schon«, betont er. Nicht alle Prüflinge hätten zuletzt bestanden. Bei der Ausbildung gilt für Peter Mayer, was auch bei seinen Einsätzen als Schiedsrichter wichtig ist: »Ich bin bekannt dafür, dass ich hart, aber gerecht durchgreife. Wenn man mal ein Auge zudrückt, holt einen das irgendwann wieder ein.«

Das bekamen auch schon Vereine aus dem Kreis Traunstein zu spüren, die Peter Mayer bei Wettkämpfen disqualifiziert hat. Der Sieger bei einer Deutschen Meisterschaft stand aufgrund seiner Entscheidung sogar schon einmal vorzeitig nach der 4. Kehre fest. Als Schiedsrichter muss Peter Mayer aber nicht nur auf den Ablauf des Wettkampfs achten, er kontrolliert auch, ob beispielsweise Platten oder Stockkörper nach der aktuellen Sportgeräteliste des Verbands noch erlaubt sind.

»Entweder, ich mache etwas g'scheit oder ich brauche es nicht machen«, sagt der 64-Jährige, der sich selbst als »Späteinsteiger« beim Eisstocksport bezeichnet. Auf dem See geschossen habe er zwar schon immer, erst 2000 kam er aber zur Eisstock-Abteilung des TSV Petting. Nur zwei Jahre später wurde er Abteilungsleiter. »Ich bin die Leiter ganz von selbst raufgefallen«, sagt er und lacht. »Ich bin einfach ein Vereinsmensch.«

Klar war für Peter Mayer, der lange Zeit Jugendwart bei der Pettinger Feuerwehr war, auch: Als Abteilungsleiter braucht er die Ausbildung zum Schiedsrichter, also machte 2002 seinen C-Schein und sechs Jahre später auch die B-Lizenz.

Peter Mayer wurde zum Schiedsrichterobmann gewählt und stellte sich auch für das Amt als Vorsitzender des Bezirkssportgerichts zur Verfügung. »Da musste ich mich intensiv einarbeiten«, erinnert er sich. »Aber entweder ich mache etwas ganz oder gar nicht.« Sehr viel zu tun gab es für ihn dabei nicht: »Ich habe in meiner Zeit drei Urteile gefällt.«

Das Amt als Kreisschiedsrichterobmann hatte Peter Mayer schon wieder abgegeben, als er sich 2014 einer Herzoperation unterziehen musste. Deswegen gab er auch seine übrigen Ämter auf. »Mir war das alles zu viel«, erzählt er. »Man meint, man kommt nach so einer Operation nicht mehr auf die Füße.«

Inzwischen sei er aber wieder fit, betont der gelernte Maschinenbauer, der vergangenes Jahr in Rente gegangen ist. Einsätze als Schiedsrichter habe er sich trotz der Hüftoperation vorgenommen, schließlich wurde er im Oktober erneut zum Kreisschiedsrichterobmann gewählt – für die nächsten vier Jahre. »Ich habe mich wieder überreden lassen«, erklärt er und lacht. Nun zwingt ihn die Corona-Krise doch zu einer Pause: »Wir lassen uns überraschen, wann es weitergeht.« jom

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