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Entspannte Atmosphäre und perfekt präparierte Loipen

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Die größere Gruppe der Skater beim Massenstart an der Sulzbach-Loipe. Weitere Fotos von dieser Veranstaltung sind im Internet unter www.suedost-news.de zu finden. (Fotos: Mergenthal)

»Servus, hawedere. Schau ma, wia weit ma kemman. Mia wern jede Verpflegungsstation nutzen. Stress mach ma uns koan« – so oder so ähnlich begrüßten sich viele der etwa 200 Skilangläufer vor dem Start der ersten »Chiemgau-Team-Trophy«. Eine entspannte Atmosphäre prägte die erste Auflage dieser Chiemgauer Veranstaltung. Hier gab es den ehrgeizigen Anspruch, eine Marathon-Strecke von 43,4 Kilometern, laut GPS-Nachmessung einiger Teilnehmer sogar von 45 Kilometern, auf Langlaufskiern zu bewältigen. Viele genossen es, ohne Zeitdruck gemütlich mit Freunden von Inzell nach Reit im Winkl zu laufen.


Kurzfristig hatte sich auch Inzells Zweiter Bürgermeister Richard Hütter entschlossen, mit Bauamtsleiterin Astrid Thamm anzutreten. »Mia starten amoi piano«, betonte er. Regelmäßig ist er nach Feierabend oder sogar in der Mittagspause in der Loipe anzutreffen. »Jeder, der schneller laaft wia i, laaft net genussvoll«, stellte der sportliche Reit im Winkler Bürgermeister Josef Heigenhauser klar, Teil eines siebenköpfigen Gemeinderatsteams. Locker sahen es »De Spannein« aus Inzell: »I bin nur zwoa Moi a Stund g’laffa. Außerdem bin i gestern erst um Viere ins Bett, weil ma Musi gspuit kam. Aba des basst scho«, meinte Peter Spannring. Nach Ansicht von Landrat Siegfried Walch ist die Chiemgau-Team-Trophy nicht nur eine tolle Sache für Inzell, sondern ein »Chiemgauer Event«, mit dem sich der Chiemgau als Top-Langlaufziel etablieren kann. Drei »Fleckis«, die sich später ihres Kuhfells entledigten und bis zum Ziel skateten, führten mit drei »Biathlon-Beppos«, den Ruhpolding-Maskottchen, den Zug mit der Musikkapelle Inzell von der Max-Aicher-Arena zum Startpunkt an.

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Mit seinen Huskies machte Wolfgang Fehringer einen letzten Streckentest. Drei Böllerschützen gaben für zahlreiche Skater und wenige klassische Läufer den Startschuss. 14,5 Kilometer lang konnte man bis zur ersten Brotzeitstation in Ruhpolding ein einmaliges Panorama bewundern. Nach weiteren sechs Kilometern genossen die Athleten den Lauf durch die Chiemgau-Arena. Nach dem langen Anstieg zum Dürrfeldkreuz schlängelte sich die Strecke reizvoll, aber langwierig durch das Moor. Die letzten elf Kilometer, zunächst gemütlich am Fluss entlang und am Ende in einem ständigen Auf und Ab rund um Reit im Winkl, verlangten den Läufern bis zum Langlauf-Stadion noch die letzten Reserven ab.

Viel Lob gab es für die zahlreichen Helfer, die unter anderem die Straßenpassagen sicherten oder als »Lumpensammler« agierten. Die Skischulen wachselten kostenlos. Die Bauhöfe präparierten vorher fleißig. Beeindruckt zeigte sich der Reit im Winkler Gemeinderat Alois Hipper über die Arbeit, die sich die Inzeller beim Passierbar-Machen der vielen kleinen Straßen machten: »Die haben keine so guten Bedingungen wie wir.« Ruhpoldings Tourismuschef Herbert Ringsgwandl lief selber ab dem Mittersee mit. Ihm gefällt, dass das Konzept die drei Orte verbindet. Die gute Organisation, die Top-Loipenverhältnisse und die schöne Atmosphäre gefielen Toni Maier aus Inzell, der mit seiner Frau Petra im SC-Inzell-Team skatete.

Für die klassischen Langläufer war der von Andi Mühlberger aus Reit im Winkl geplante Zeitplan freilich etwas stramm. Im Ziel gab es für einige nicht mehr die erhoffe Versorgung. Doch mit viel gutem Willen wurde improvisiert, und die zwei Letzten durften sich ihre Suppe in der Küche holen.

Trotz dieser Hemmnisse genossen auch die Klassik-Fans den Tag. Bis auf zwei Bus-Etappen liefen die Inzeller Vermieterin Marianne Mayerbüchler und ihre »Bügelfee« Ingrid die komplette Strecke. Als Skater waren auch Mayerbüchlers Söhne Franz und Peter und als Diagonalläufer ihr Burghauser Neffe Winfried Egger – der erst zum dritten Mal auf den dünnen Brettern stand – mit im Team. Für nächstes Jahr wollen die beiden Frauen ein bisschen trainieren. Die Reit im Winkler Rätin Uschi Grünbacher, die extra 20-Kilometer-Etappen trainiert hatte, blieb ihrem 40-Kilometer-Tempo treu, ebenso wie eine der ältesten Läuferinnen, Brigitte Kettner aus Grabenstätt. Mutterseelenallein zog die 67-Jährige, ehemalige Teilnehmerin des Wasalaufs und in Reit im Winkl als Langlauf-Lehrerin tätig, die 45 Kilometer in sauberer Technik durch. »De san olle mit dem Bus g’fahnr. Aber i bin durchkemma«, sagte die letzte Ziel-Einläuferin überglücklich beim Ziel-Interview mit Andi Hobmaier. vm

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