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Endlich wieder Rennfeeling

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Kein leichtes Jahr für Daniel Bichlmann: Der Siegsdorfer Radprofi war die vergangenen Monate aufgrund der Coronavirus-Krise nicht im Renneinsatz. Jetzt hofft er, dass ab Montag die Rumänien-Rundfahrt über die Bühne gehen wird. (Foto: Felix Capello)

Für Daniel Bichlmann wird es ab Montag wohl endlich wieder richtig ernst werden! Dann wird der Siegsdorfer Radprofi, der mittlerweile in Salzburg lebt, mit seinem Team Bike Aid bei der Rumänien-Rundfahrt starten. Klappt das kurzfristig aufgrund der Corona-Krise doch wieder nicht, dann hat er freilich einen Plan B in der Tasche: »Dann werde ich wieder als Kaminkehrer arbeiten gehen«, sagt der 32-Jährige entschlossen.


Bichlmanns Saison hatte in diesem Jahr so gut begonnen. Bei der »Tour of Tigray« in Äthiopien im Februar feierte er einen Tagessieg und sein Team schnitt im Gesamtklassement hervorragend ab. »Bis zum März lief wirklich alles paradiesisch«, blickt er stolz zurück. Doch dann wurde auch der Radsport von der Coronavirus-Pandemie jäh gestoppt – und die Einschnitte sind noch immer massiv, auch wenn mittlerweile wieder vereinzelt Rennen stattfinden können.

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Schon vor ein paar Wochen kehrte für Bichlmann, der als Kaminkehrer ja bereits ein zweites Standbein hat, der Radsport-Alltag dann auch kurz zurück. Er startete mit seiner Mannschaft bei der Polen-Rundfahrt. Unter dem Strich war das »aber ein Desaster«, sagt Bichlmann. »Der Veranstalter hat bewusst Gefahrenstellen geschaffen, man hat praktisch in jeder Kurve sein Leben riskiert«, blickt Bichlmann mit Entsetzen zurück. »Das war kein sicheres und faires Rennen.«

Auch deshalb streikten die meisten der teilnehmenden Teams gleich am Anfang der fünftägigen Rundfahrt, die letztlich dann aber doch noch zu Ende gefahren wurde. Aber eines macht Daniel Bichlmann schon auch deutlich: »Es war trotz allem einfach auch wieder schön, dieses Rennfeeling zu haben, wieder eine Startnummer zu haben und wieder eine Teambesprechung zu haben – das ist einfach etwas anderes als nur zu trainieren.«

Bike Aid war auch bei der Sibiu-Tour in Rumänien – es war das erste große Profirennen nach dem Corona-Re-Start – dabei und fuhr dort als einziges Team neben Bora-hansgrohe einen Tagessieg durch Nikodemus Holler gleich beim Prolog ein. »Das war toll«, freut sich Bichlmann noch immer darüber, auch wenn er selbst dabei nicht am Start gewesen ist.

»Seither schauen wir von Woche zu Woche«, sagt Bichlmann. »Im Moment ist einfach alles sehr schwierig.« Normalerweise plane man den Rennkalender langfristig. »Jetzt ist vieles sehr spontan. Man schaut, wo ist noch ein Platz frei«, sagt der Radprofi. »Die wenigen Rennen, die es aktuell gibt, sind nämlich hart umkämpft.« Jedes Team – auch die Spitzenklasse – sei momentan um jeden Krümel froh. »Das macht die Sache für uns als kleineres Team natürlich nicht leichter.«

Das nächste Problem ist, dass man aufgrund der Corona-Krise weiter massive Einschränkungen in Kauf nehmen muss. Zudem ist der Aufwand in vielen Bereichen eben deutlich höher als sonst. »Man muss im Vorfeld schon genau schauen, wie kommt man aktuell überhaupt in das Land und welche Bestimmungen gelten dort«, erzählt Bichlmann, der übrigens auch zweimal die Woche einen Corona-Test macht.

Auch für die am Montag beginnende Rundfahrt von Timisoara nach Bucuresti ist der Aufwand allein für die Logistik-Mannschaften der einzelnen Teams enorm. Doch aktuell schaut es so aus, als ob die Rundfahrt wirklich starten wird. »Ich reise am Sonntag an«, informiert der Siegsdorfer – und er freut sich drauf!

Für die nächsten Wochen, sagt Bichlmann, habe er noch immer »einen schönen Rennkalender beisammen«. Doch ob das alles so funktionieren wird, weiß er freilich noch nicht. »Man hofft jedenfalls die ganze Zeit.« Allerdings, gibt er auch unumwunden zu, sei es mittlerweile durchaus schwer, fokussiert zu bleiben. »Man trainiert die ganze Zeit und dann klappt es oft in letzter Minute doch nicht mit den Rennen.« Teilweise fehlen mittlerweile der Sinn und die Motivation. »Man weiß zurzeit einfach nicht, habe ich mein nächstes Rennen nächste Woche oder in zwei Monaten. Und was für ein Rennen wird es dann überhaupt sein?«

Wichtig für die Zukunft des Radsports ist jetzt aber auf alle Fälle gewesen, dass die Tour de France gestartet ist. Mittlerweile hat die Krise im Radsport nämlich dafür gesorgt, dass es »auf allen Ebenen ein reiner Existenzkampf geworden ist. Es ist wirklich ein Seuchenjahr«. Dank der Tour könnte es jetzt aber eine Schadensbegrenzung geben. Bichlmann selber schaut zurzeit ebenfalls regelmäßig die Tour im Fernsehen an. Was ihm fehlt, sind ganz klar die Zuschauer an der Strecke. »Da geht schon etwas ab«, sagt er. »Der Radsport lebt auch von diesen Emotionen.« Aber freilich seien aktuell Rennen ohne Zuschauer besser als gar keine.

Bike Aid will sich bei den wenigen Radrennen, die es in diesem Jahr dann noch geben wird, ebenfalls gut präsentieren. Für das saarländische Team und Daniel Bichlmann soll es in diesem Jahr unter anderem noch nach Thailand und auch nach Guatemala gehen. Was gänzlich fehlt, sind die Rennen in Asien, die alle bereits komplett abgesagt worden sind.

Gedanklich beschäftigt sich Daniel Bichlmann auch schon mit dem nächsten Jahr. Er würde gern noch ein weiteres Jahr als Profi dranhängen. »Ich hoffe, dass das dann wieder besser sein wird«, sagt er. Er hat vor allem eine Hoffnung: »Wenn das Sicherheitskonzept der Tour de France jetzt voll aufgeht, dann könnten das ja auch andere Veranstalter übernehmen.« Und dann wäre sein Rennkalender wohl wieder praller gefüllt und nicht nur »ein Fleckerlteppich« wie aktuell gerade eben. »Man muss jetzt einfach optimistisch bleiben.« Ab Montag darf er hoffentlich ohnehin erst einmal wieder ausgiebig Rennluft schnuppern. SB

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