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Endlich wieder auf Schnee

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Endlich wieder kann er im Schnee aktiv sein: Nikolai Sommer (links), hier mit Martin Braxenthaler im Monoski. (Foto: J. Sommer)

Neun Monate sind vergangen, als sich das Leben von Nikolai Sommer aus Kirchanschöring komplett veränderte. Beim Skitraining wurde der heute 17-Jährige so schwer verletzt, dass er seitdem querschnittsgelähmt ist. Die Hoffnung auf eine internationale Sportkarriere auf zwei Brettern wurde jäh zerstört.


Stattdessen ist der Rollstuhl Nikolais ständiger Begleiter. Doch er hat den Weg in den Schnee zurückgefunden – zu seiner Leidenschaft, dem Skifahren. Und zwar auf dem Monoski. »Es hat mich schon eine geraume Zeit gejuckt, dass ich wieder auf den Schnee komme«, erzählt er.

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Auslöser waren zahlreiche Bilder vom Skifahren, die ihm Anfang des Winters seine Freunde geschickt haben. »Da habe ich gemerkt, dass mir das fehlt, was vorher die Hälfte meines Lebens bestimmt hat.« Nikolai Sommer hat sich daher entschlossen, an einem Skikurs des zehnmaligen Paralympics-Siegers Martin Braxenthaler teilzunehmen. Eine Woche ging es dabei nach Obertauern.

»Es war unglaublich, es hat so viel Spaß gemacht. Alleine das Gefühl, wenn dir der kalte Wind um die Nase weht und der Pulverschnee aufstaubt«, schildert er seine Gefühle. Natürlich war die Umstellung von den »normalen« Ski auf den Monoski eine große Herausforderung.

»Das gängige Skifahren kannst du komplett vergessen. Ich bin zehn Jahre normal Ski gefahren, da waren die Bewegungsabläufe völlig anders. Mir macht es aber Spaß, alles neu zu lernen. Das hat einen besonderen Reiz.« Als erstes Ziel hatte sich Nikolai vorgenommen, eine Abfahrt ohne Sturz zu bewältigen. Das gelang ihm gleich am zweiten Tag. Zum Schluss des Lehrgangs überstand er einen ganzen Tag ohne Sturz. »Er hat großes Talent«, bescheinigte ihm Martin Braxenthaler.

Deswegen bekommt Sommer in Kürze einen extra auf seine Bedürfnisse abgestimmten Monoski. »Ich will sobald wie möglich wieder Skifahren«, hat er sich vorgenommen. Schließlich ist er mit Gleichgesinnten zusammengekommen und konnte sich vor allem mit anderen Rollstuhlfahrern austauschen.

Ob er eine ähnliche Karriere wie Martin Braxenthaler als Leistungssportler plant, lässt der 17-Jährige offen. »Mal schauen, wie sich alles entwickelt«, meint er dazu.

Aber auch zu Hause hat sich bei den Sommers einiges geändert. Der behindertengerechte Umbau ist beinahe abgeschlossen, die Einweihung der Wohnung steht kurz bevor. Ein Lift bringt Nikolai Sommer vom Erdgeschoss in den ersten Stock. Bei dieser Gelegenheit lobte die Familie vor allem die Helfer des TSV Waging und die Gemeinde Kirchanschöring, die bei den Maßnahmen unbürokratisch geholfen hat.

In Kürze bekommt Nikolai Sommer auch seinen Führerschein. Die theoretische Prüfung hat er schon bestanden, die Praktische steht unmittelbar bevor. Dann kann er selbst in die Schule zum CJD Berchtesgaden fahren. Hin und zurück brachte ihn bisher seine Mutter Andrea. »Das ist immer ein großer Aufwand, so bin ich flexibler«, freut er sich.

Inzwischen hat er in der Schule fast alles wieder aufgeholt. Durch seine Aufenthalte in den Kliniken hat er einiges an Lernstoff verpasst, doch in zwei Jahren will er das Abitur machen.

Aus seinem Unfall hat er viel gelernt, zum Beispiel was sein Umfeld betrifft. »Im Nachhinein habe ich bemerkt, wer meine echten Freunde sind.« Einen hat er sogar dazugewonnen: Skistar Felix Neureuther meldet sich regelmäßig bei Nikolai Sommer. »Wir wollen bald zusammen Skifahren gehen. Der Felix wird auch im Monoski sein, das klappt auch mit seiner Knieverletzung«, freut er sich.

Und er kann weitere Unterstützung gebrauchen. Es wurde folgendes Spendenkonto eingerichtet: IBAN: DE58 7105 2050 0005 0141 47. (Kontoinhaber: TSV Waging Ski) – Verwendungszweck: Projekt Nikolai Sommer. SHu