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Eine Schützen-Institution geht von Bord

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Mit der kunstvoll gefertigten Ehrenscheibe würdigten die Ruhpoldinger Schützen ihren langjährigen Schützenmeister Helmut Müller (links) für dessen Lebenswerk. Seine Nachfolge tritt Florian Wimmer (rechts) an. (Foto: Schick)

Fast ein halbes Jahrhundert lang hat er die Geschicke der Ruhpoldinger Schützen geleitet: Jetzt, nach 47 Jahren, übergab Schützenmeister Helmut Müller sein Amt an Florian Wimmer, der bei der außerordentlichen Generalversammlung per Briefwahl zu seinem Nachfolger bestimmt wurde. Eine beeindruckende Ära innerhalb der Königlich privilegierten Feuerschützen-Gesellschaft von 1411 geht damit zu Ende.


Jahrzehnte, denen der heute 79-jährige »Koaler-Helmut« in historischer, gesellschaftlicher sowie sportlicher Hinsicht den Stempel aufdrückte. Viele Weggefährten hatten sich dazu im voll besetzten Schützen-Stüberl eingefunden, darunter die ehemalige Europameisterin Elisabeth Bals, der vierfache Deutsche Meister Helmut Stumhofer aus Chieming, der erfolgreiche Juniorenschütze Wolfgang Franz aus Abensberg und zahlreiche Mitglieder aus der Schützengilde, um dem scheidenden Schützenmeister einen würdigen Abschied zu bereiten.

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Nach der einstimmigen Satzungsänderung, demzufolge die Altersbeschränkung bei der Mitgliederaufnahme zukünftig wegfällt, ließ Müller zur Einstimmung das zurückliegende Vereinsleben anhand interessanter Fotos und begleitet von fachlichen sowie humorvollen Kommentaren nochmals aufleben. Er erinnerte dabei an wichtige Ereignisse wie die Fertigstellung der weltweit ersten Hallenschießanlage für Kleinkaliber, die seitdem von Nationalmannschaften und Biathleten aus aller Welt genutzt wird, dem großen Brandschaden, dem die komplette Erneuerung mitsamt Schützenstüberl in Eigenleistung folgte, die 575-Jahr Feier mit dem Bau der Schützenkapelle, das 600-Jahr-Jubiläum und die energetische Sanierung 2012 mit Modernisierung des Schießstands. Ebenso streifte er die großartigen Erfolge, mit denen sich die Ruhpoldinger Schützen weit über die Landkreisgrenzen hinweg einen Namen machen konnten. Besonders bei den Damen sowie im Nachwuchsbereich gab es große Erfolge, zudem wurde die 1. Mannschaft zweimal Deutscher Pokalsieger.

Bürgermeister Claus Pichler würdigte die Verdienste Müllers in seiner emotional geführten Laudatio, indem er dessen Wesenszüge und Stärken den jeweiligen Wortteilen der Schützengesellschaft zuordnete. Fest machte er dies beispielsweise am Begriff »Feuerschützen«, denn Müller sei als mehrmaliger Bayerischer Meister nicht nur ein erfolgreicher Schütze gewesen, sondern er habe stets mit ungebremster Begeisterung sein inneres Feuer unter den Mitgliedern entfacht. Unter dem Punkt »Gesellschaft« stellte Pichler die Fähigkeit Müllers heraus, immer das Miteinander in den Mittelpunkt zu stellen: »Dies hast du als Organisator und Improvisator in vielfältiger Weise unter Beweis gestellt.«

Dankesworte gab es auch von Gauschützenmeister Klaus Daiber aus Bernau. Er ging auf das erfolgreiche Engagement Müllers als Gausportleiter ein, das dieser fast 25 Jahre lang ausübte. Für seine Verdienste um das Schützenwesen wurde er 2017 zum Gauehrenmitglied ernannt. Außerdem ist er Träger des seltenen Protektorat-Abzeichens des Bayerischen Schützenbunds, überreicht von seiner Königlichen Hoheit Herzog Franz.

Und noch eine Auszeichnung gab es zum Höhepunkt des Abends, lautstark begleitet von einer donnernden Salve einiger Böllerschützen und langanhaltendem Beifall: die Ehren-Schützenmeister-Würde der Königlich privilegierten Schützengesellschaft, für deren Erhalt er sich Zeit seines Lebens eingesetzt hat. Die prächtige Ehrenscheibe, die Bildhauer Helmut Müller jun. für seinen Vater geschaffen hatte, soll daran erinnern. Die Blattl-Wertung des Schießens gewann Andreas Hofmann, der Festleiter des 600-jährigen Jubiläums. ls