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Eine schöne Saison mit vielen neuen Aufgaben

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Flott unterwegs im grün-weißen Audi von Montaplast by Land-Motorsport: Christopher Haase (2. von rechts) beim ADAC GT Masters.

Eine neue Herausforderung stellte für Autorennfahrer Christopher Haase die vergangene Saison dar: Der Kirchanschöringer war – nach zwei Jahren in den USA – mit seinen Rennauftritten vorwiegend in Europa unterwegs. Dabei trat er in der Blancpain Series (Sprint und Endurance) für das Team Saintéloc Racing an, im ADAC GT Masters für das Team Car Collection Motorsport und Montaplast by Land-Motorsport. Dort fuhr er jeweils mit dem vertrauten Audi R8 LMS in der GT-3-Klasse mit, die jeweils die schnellsten Autos im Feld stellte.


Zwar konnte er in diesen beiden Serien – anders als zuvor in den USA – nicht um den Sieg in der Gesamtwertung mitkämpfen. Doch »wir konnten immer wieder Höhepunkte setzen mit vielen Top-Ten-Plätzen, schnellsten Rennrunden und starken Trainingsrunden«, so der 29-Jährige. Daher steht für ihn fest: »Das war eine schöne Saison.«

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»Ein kleines Team mit unfassbar viel Biss«

Begeistert zeigt er sich etwa auch vom französischen Team Saintéloc: »Das ist ein kleines Team mit unfassbar viel Biss.« Insgesamt ist die Leistungsdichte in Europa deutlich höher als in den USA.

Dort waren zwar die Spitzenplätze hart umkämpft, das Feld bestand aber meist nur aus knapp 20 Autos. In der Blancpain GT Series (Sprint) und im ADAC GT Masters (je eine Stunde Rennzeit) waren es weit über 30 GT-Autos. In den längeren Rennen (Endurance) der BP-Serie waren im Training oft sogar über 60 Autos am Start: »Da haben wir uns oft schwer getan mit dem vielen Verkehr, um eine gute Zeit zu erreichen – im Rennen aber war es sehr gut.«

Diese dauerten meist drei Stunden. Einen der großen Höhepunkte setzten Haase, Gregory Guilvert und Mike Parisy beim 24-Stunden-Rennen von Spa (Belgien): Als zweitbestes Audi-Team belegten sie Rang 7. »Das war ein unfassbares Ereignis, es war strategisch anspruchsvoll und sehr emotional mit vielen Safety-Car-Phasen. Zudem war es zum Beginn richtig heiß, in den letzten 30 Minuten gab es sintflutartigen Regen«, erinnert er sich.

»Das Auto war perfekt abgestimmt, und besonders in der Nacht waren wir richtig schnell unterwegs«, strahlt Haase. Auch im GT Masters gab es viele gute Leistungen, darunter Rang 4 beim ersten Lauf des Saisonfinales am Hockenheimring.

»Da muss alles perfekt passen«

Dass es nicht zu noch mehr Spitzenplätzen reichte, liege nicht nur an der extrem hohen Leistungsdichte im europäischen GT-Sport, sondern auch an der hohen Komplexität des Motorsports. »Da muss alles zu 100 Prozent passen, um aufs Podest zu kommen – schon bei 98 Prozent gibt es bestenfalls Rang vier.« Passen müssen unter anderem die Abstimmung des Fahrzeugs, das Glück im Reifenpoker und eine schnelle Runde im Training – denn im ausgeglichenen Feld kommt man im Rennen nur schwer nach vorn. Passt nur bei einer dieser Komponenten etwas nicht absolut, sind die 100 Prozent schon verfehlt.

Hinzu kommt die fahrerische Leistung. Da war der 29-Jährige nach eigener Einschätzung gut dran: »Es gab wenige Rennen, wo ich danach dachte: Das hättest du besser machen können.«

Begeistert ist der Kirchanschöringer auch deshalb, »weil der GT-Sport einfach fantastisch ist.« Und – für hochklassigen Motorsport – sogar kostengünstig. Ein neuer Audi R8 LMS kostet zwar 369 000 Euro. Aber: Das ist nicht nur deutlich weniger als im Formel-Rennsport, sondern das Auto ist auch mehrere Jahre nutzbar: »Den alten R8 LMS sind wir von 2009 bis 2015 gefahren«, erläutert Haase. Zwar sind Updates nötig, doch die Kosten pro Saison sinken durch die lange Lebensdauer der Fahrzeuge erheblich.

Da die meisten Einsätze als Sprints gefahren werden, musste Haase seine Vorbereitung umstellen. »Das war schon eine große Herausforderung, aber es hat sich gut eingespielt«, so Haases langjähriger Fitnesstrainer Holger Becker. Zumal Haase heuer 24 Renn-Wochenenden (im Vorjahr waren es 18) hinter sich hat. »Da haben wir uns oft länger nicht gesehen. Zum Glück gibt es eine Software für die Erfassung der Trainingsdaten, so habe ich weniger Aufwand bei der Auswertung, wenn Christopher unterwegs ist«, so Becker. War Haase vor Ort, stand oft Regeneration sowie Training von Rumpf- und Halsmuskulatur im Vordergrund, »und die persönliche Absprache ist für uns beide ganz wichtig«, ergänzt der Pilot. Er ist sehr froh über die vielen Einsätze, »denn die sind fahrerisch das beste Training.«

Hinzu kamen in dieser Saison mehrere Auftritte bei Langstreckenrennen wie beim Klassiker in Bathurst (Australien). Zuletzt in Zhuhai (China) kam Haase nicht zum Renneinsatz: Sein Teamkollege war am Start bei einer Kollision am Auto getroffen worden, und so kam frühzeitig das Aus. »Schade, ich war im Training Sechster, wir hatten schon auf einen Podestplatz gehofft«, bedauert er.

»Fünf Autos nebeneinander auf dreispuriger Straße«

Dennoch war dieser Aufenthalt in China sehr lehrreich: »Ich war das erste Mal dort, das ist eine ganz andere Welt. Da bist du schon wegen der ganzen Schriftzeichen als Europäer hilflos. In der Stadt hatten wir zum Glück einen Chauffeur aus dem Team.« Denn: »Da fahren auf einer dreispurigen Straße fünf Autos nebeneinander, dazwischen sind noch Radfahrer und Fußgänger, und es galt das Recht des Stärkeren: Aber es funktioniert«, staunt Haase.

Nun hofft er, dass auch sein letzter Renneinsatz 2016 im Dezember beim Zwölf-Stunden-Rennen von Sepang funktioniert, »da war ich im Vorjahr Zweiter.« Eine weitere Zusage freut ihn noch mehr: »Ich bin 2017 wieder im Fahrerpool von Audi Customer Racing«, so Haase. Details zu den Einsätzen liegen noch nicht vor, doch es steht wohl wieder eine spannende Saison für ihn auf dem Programm. Walter Hohler

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