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Eine Rückkehr zu den sportlichen Wurzeln

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Sie freuen sich schon gemeinsam auf die kommende Saison (von links): Jonas Dobler, der neue Stützpunkttrainer Hans Reiter, Nadine Herrmann und Thomas Wick. (Foto: Wukits)

Nach der Berufung von Peter Schlickenrieder als neuen verantwortlichen Langlauf-Bundestrainer gibt es auch eine Veränderung am Stützpunkt Ruhpolding. Dort hat ab sofort Hans Reiter das Sagen. Er übernimmt die Position von Bernd Raupach, dieser bekommt eine neue Aufgabe im DSV und ist dort für den Nachwuchs zuständig.


»Das alles hat sich kurzfristig ergeben«, verrät der bald 60-jährige Reiter. »Der Peter hat sich bei mir gemeldet und gefragt, ob ich denn Zeit und Lust habe. Nach ein paar Tagen Überlegung habe ich mich dann dafür entschieden«, sagt Reiter.

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Der Termin passt ihm ganz gut, schließlich wird er genau nach zehn Jahren als Betreiber des Cafés Weinmüller in Siegsdorf im August aufhören. Hans Reiter ist im heimischen Langlauf kein unbeschriebenes Blatt. Schließlich lief er selbst im Weltcup und arbeitete danach weiter als Trainer.

Den Kontakt zu den Sportlern hatte er auch als Wirt nie abreißen lassen. »Ich kenne sie alle sehr gut«, so Reiter. In seiner Gruppe am Stützpunkt Ruhpolding ist er vor allem für Steffi Böhler, Andi Katz, Jonas Dobler, Lucas Bögl und Thomas Wick zuständig.

Bereits in der Vergangenheit hatte es immer wieder mit dem Deutschen Skiverband lockere Gespräche wegen einer Zusammenarbeit gegeben. Daraus geworden ist nie etwas. »Ich wollte mich auch nicht aufdrängen. Jetzt freue ich mich aber auf die Aufgabe.« Zuletzt war er bereits bei einem Schnee-Lehrgang auf dem Dachstein mit dabei.

Für seinen neuen Job hat er sich einiges vorgenommen. »Grundsätzlich muss im deutschen Langlauf wieder der Teamgedanke im Mittelpunkt stehen. Es darf keine einzelnen Grabenkämpfe geben. Ein gutes Team bedeutet, dass der einzelne Sportler auch stark ist. Die Athleten aus Bayern, Thüringen und Sachsen müssen zusammengeführt werden«, nennt Reiter eine seiner Kernaufgaben.

»Ich habe gesehen, dass wir eine Menge motivierter Sportler haben. Den Schwerpunkt werden wir in der Intensivität ausrichten. Das Training muss mit Belastung und Erholung gut zusammenkommen. So wollen wir in die Wettkämpfe reinkommen«, erklärt er. Reiter nennt sich einen konsequenten Trainertypen. Für ihn zählt eine gute soziale Kompetenz. Beleidigungen und Demütigungen haben im Leistungssport nichts zu suchen.

Sein Traum ist die Teilnahme mit seinen Sportlern bei Olympia 2022 in Peking. Früher hatte er das als Sportler und Trainer nicht geschafft. »Jetzt ist dafür eine Tür aufgegangen«, freut er sich.

Erstes Ziel ist jedoch kommendes Jahr die Weltmeisterschaft in Seefeld (Tirol). Genauso ist auch sein Vertrag ausgerichtet. 1+3 heißt das auf dem Papier. »Nach Seefeld setzen wir uns noch einmal zusammen und planen die Zusammenarbeit bis Peking.«

1978 gewann Hans Reiter bei der Junioren-Weltmeisterschaft eine Bronzemedaille. Für Olympia 1980 in Lake Placid hatte es nicht gereicht. »Da sind andere Geschichten im Hintergrund gestanden, die nicht gepasst haben. Ich wollte an Dopingmittel nicht hinlangen, das wäre damals aber notwendig gewesen. Ohne Doping hast du damals keine Chance gehabt«, sagt er unverblümt.

Auch vier Jahre später reichte es nicht für Olympia. 1986 hörte er mit dem Leistungssport auf und stieg ins Trainergeschäft ein. Auch dazu hat er eine ganz klare Meinung: »Ich habe in meiner aktiven Zeit viele Trainer gehabt, aber nur wenig gute. Einer der Guten war Karl Zellner, den habe ich sehr geachtet und verehrt. Meine Motivation waren aber die vielen nicht so guten Trainer. Ich habe gewusst, dass man das besser machen kann«, war er damals überzeugt. Nun wagt Hans Reiter einen zweiten Anlauf im Trainergeschäft und wird seinen »Weinmüller« in neue Hände geben. »Der Abschied fällt mir schon schwer, aber ich freue mich jetzt wahnsinnig auf meine Rückkehr in den Trainerbereich.« SHu