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»Eine Bereicherung für die Liga«

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Er freut sich über Werner Lorants Engagement beim TSV Waging: Kirchanschörings Trainer Patrick Mölzl. (Foto: Butzhammer)

Gemeinsam mit Bernd Hölzenbein, Charly Körbel, Bruno Pezzey oder Bum-Kun Cha holte er als Spieler von Eintracht Frankfurt den UEFA-Cup (1980). Die Münchner Löwen führte er als Trainer mit Stars wie Thomas Häßler, Martin Max, Martin Stranzl oder Bernhard Winkler beinahe in die Champions League (2000), und jetzt sitzt er beim Bezirksligisten TSV Waging auf der Trainerbank: Werner Lorant.


Klar, dass die Verpflichtung des 66-Jährigen das Top-Thema dieser Woche im heimischen Amateur-Fußball ist. Ebenso logisch, dass unsere Redaktion Experten aus der Region gefragt hat, was sie Lorant in den letzten sieben Saisonspielen als »Seerosen«-Trainer zutrauen. Sein Debüt gibt er ja bereits morgen um 14 Uhr im Heimspiel gegen den SV/DJK Kolbermoor.

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Adam Gawron, Trainer des SB Chiemgau Traunstein und aktuell Tabellenführer in der neuen »Lorant-Liga«, findet es gut, »dass er sich so ein Ziel setzt, weil er damit alle möglichen Mechanismen in Gang setzt.« Er selbst – mit seinem Team bereits heute Abend im Einsatz – wird sich morgen »auf alle Fälle das Spiel in Waging anschauen, auch wenn ich das Wochenende ursprünglich anders geplant hatte.«

Dass Gawron sich allein schon deshalb einen Einstandssieg von »Werner Beinhart« wünscht, liegt auf der Hand, schließlich ist Kolbermoor der härteste Konkurrent der Traunsteiner im Kampf um den Landesliga-Aufstieg. »Machbar ist alles«, so Gawron auf die Frage, ob Lorant die Waginger zum Ligaverbleib führen kann, »die Jungs sind ja willig und werden sich nicht ergeben. Ob es gegen den Tabellenzweiten oder gegen den Letzten geht, ist völlig egal – in dieser Liga kann jeder jeden schlagen.«

Vor einer Niederlage gegen den großen Werner Lorant muss Gawron sich übrigens nicht fürchten, denn seine Truppe hat in dieser Saison schon zweimal gegen den TSV gespielt – und zweimal gewonnen.

»Auf alle Fälle eine große Bereicherung für die Bezirksliga«, ist Lorant in den Augen von Thomas Neumeier, Pressesprecher und Nachwuchsleiter des SB/DJK Rosenheim, der ja mit seiner »Zweiten« ein Tabellennachbar des Lorant-Teams ist. Der 39-Jährige, der auch als Sprecher der Fußball-Bayernliga Süd fungiert, findet es »schade, dass wir schon vor zwei Wochen in Waging gespielt haben (2:2, d. Red.), denn eine Begegnung mit Werner wäre schon eine ganz besondere Geschichte gewesen«.

Neumeier ist gespannt, was der frühere Löwen-Dompteur »in Sachen Klassenerhalt noch bewegen kann«, denn über eines sollte man sich im Waginger Lager im Klaren sein: »Die Mannschaft wird wohl fünf der letzten sieben Spiele gewinnen müssen – vier Siege könnten schon zu wenig sein.« Neumeier prognostiziert nämlich, »dass man in dieser Saison 37 oder 38 Punkte für den Klassenerhalt brauchen wird.« Für den SBR II ist der Zug im Prinzip schon abgefahren, da die Werner-Wirkner-Elf elf Zähler hinter den »Seerosen« liegt.

»Lorant schafft den Klassenerhalt nicht«, behauptet der im Herbst bei Kellerkind SV Amerang zurückgetretene Trainer Klaus Seidel, der übrigens vor der Lorant-Ära beim TSV 1860 München in der damals drittklassigen Bayernliga gespielt hat. Der Bad Endorfer, der derzeit ohne Verein ist, geht davon aus, »dass man einen Lorant-Effekt ja nicht schon nach ein paar Tagen, sondern frühestens nach drei oder vier Wochen sehen kann – und dann ist ja die Saison fast schon vorbei!«

Um den Klassenerhalt zu schaffen, brauche Lorant deshalb »viel Glück«, so Seidel, zumal es sehr schwierig sei, »dass ein Trainer, der Profibedingungen gewöhnt ist, die richtige Ansprache für Freizeitfußballer findet – er hat ja schließlich kein Druckmittel in der Hand.«

Keine Bedenken, dass die Waginger mit ihrer Lorant-Verpflichtung dem »Zuschauer-Magneten« SV Kirchanschöring Besucher wegnehmen könnten, hat Patrick Mölzl, der Spielertrainer des Landesliga-Spitzenreiters: »Er spielt ja nicht selbst mit«, schmunzelt der Ex-Profi, »ich kann mir also schon vorstellen, dass die Zuschauer, die den besseren Fußball sehen wollen, weiterhin nach 'Anschöring' kommen. Das hoffe ich doch schwer!«

Der erste Auftritt von Lorant findet pikanterweise fast gleichzeitig mit dem eminent wichtigen SVK-Heimspiel gegen den FC Gerolfing (15 Uhr) statt, sodass es durchaus Interessens-Konflikte beim einen oder anderen Fußballfan aus der Region geben könnte. Mölzl ist in jedem Fall »gespannt, was jetzt in Waging abläuft – ich habe das am Anfang gar nicht richtig glauben können.« cs