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»Ein wunderschönes Land mit vielen Herausforderungen«

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Sie freuen sich über die gute Zusammenarbeit (von links): Donald Gqabi, Bernhard Slawinski und dessen Ehefrau Manuela Slawinski.

»Dass das solche Dimensionen annimmt, hätte ich nicht gedacht«: Bernhard Slawinski ist noch immer überrascht davon, was aus einer ursprünglich einmaligen Trikot-Hilfsaktion von ihm innerhalb von gut vier Jahren entstanden ist.


Der 52-Jährige verbrachte gut die Hälfte seines Lebens in Siegsdorf, wo er auch beim heimischen TSV in der Jugend Fußball spielte. Nach einem Bruch der Kniescheibe beendete er seine aktive Laufbahn und war dann auch in der Region als Schiedsrichter tätig – inzwischen arbeitet er in München und hilft in Privatinitiative einem Fußballverein in Südafrika. Diesen unterstützt er, indem er – auch dank der Hilfe Münchner Vereine – immer wieder gebrauchte, aber gut erhaltene Trikotsätze nach Tsakane (bei Johannesburg) bringt.

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Zunächst nur beruflich in Südafrika

Dem Fußball blieb er auch als BFV-Kreisvorsitzender des Kreises München treu. Slawinski, der beruflich im Vertrieb tätig ist (sein Arbeitgeber stellt Toner für Kopierer und Drucker her), reiste zunächst nur aus beruflichen Gründe nach Südafrika und stellte fest: »Das ist ein wunderschönes Land, aber mit vielen Herausforderungen für die Menschen dort.« Und da er auch beruflich gut vorankam, entstand die Idee, »diesem Land etwas zurückzugeben.«

Doch was? Hier half auch der Zufall mit. An einer Hotelbar erfuhr er bei einem Gespräch über Fußball mit dem dortigen Kellner, dass dieser einen Fußballverein gegründet hatte. Und Donald Gqabi brachte die Idee auf, dass Slawinski doch mit einem Trikotsatz helfen könnte.

Slawinski entschloss sich, das zu tun, »aber die 'Patenkinder' sollen auch selbst Dinge umsetzen«, gab er von Beginn an als Devise aus. Denn: »Ich bin nicht der nette Onkel, der nur was verschenkt«, sondern es solle erst eine Initiative der anderen Seite belohnt werden, »es muss ein Geben und Nehmen sein.«

Und obgleich »ein nachhaltiges Denken« noch nicht weit verbreitet sei, hätten sich tatsächlich zahlreiche Fortschritte eingestellt. »Wenn man die Mentalität dort nicht kennt, ist man schnell beleidigt. Aber sie können es halt nicht besser wissen und das muss man auch verstehen.«

Trotzdem sei es natürlich immer wieder wichtig, nachzuhaken und zu überprüfen, ob die Dinge richtig liefen. Bis jetzt klappt das weitgehend gut. So wünschte er sich als Gegenleistung für die erste Spende, dass der Sportplatz aufgeräumt würde. Als dann 30 bis 40 Kinder des Vereins tatsächlich den staubigen Platz vom Unrat befreiten, »fragten plötzlich viele Leute aus den umliegenden Hütten nach, was wir da machen – und halfen dann selbst mit.« Es wurde kräftig angepackt, »und alle waren stolz darauf.« Besonders erfreulich für Slawinski: »Selbst jetzt ist der Platz immer noch relativ sauber.«

Vor allem verfolgt der 52-Jährige eine andere Strategie als manche professionelle Hilfsprojekte: »Die bringen ihre ganze eigene Infrastruktur mit – bei mir müssen sich die Beteiligten selbst entwickeln.« Denn es sei wichtig, die Eigeninitiative zu fördern, gerade in einem Township wie Tsakane.

Zuletzt bekam er sogar einen »Businessplan« von seinen Schützlingen – in dem stand, dass sie 8000 Euro bräuchten. »Das sind natürlich Träumereien«, verweist er darauf, dass er immer wieder auch den Realitätssinn schärfen müsse. »Aber sie fahren halt derzeit noch mit ihren Fahrrädern zu den Spielen und dachten, dass sie jetzt doch mal mit einem eigenen Auto oder Bus fahren könnten.« Auch wenn er diese Hilfe ablehnte, freut sich Slawinski über seine Schützlinge: »Das Schöne ist: Die Jungs lassen nicht locker.«

Und es haben sich schon viele Dinge positiv entwickelt. Zum einen ist eine Freundschaft mit Vereinsgründer und -Chef Donald Gqabi sowie eine enge Bindung mit seinen Schützlingen entstanden. Zum anderen sind beim Simunye FC »jetzt alle Jugendteams durchgängig besetzt«. Und der erste Trikotsatz, den Slawinski damals für die U 15 mitgebracht hatte, wird jetzt von der U 17 getragen. »Das war von Beginn an ein heiß begehrtes Trikot«, berichtet er.

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Gut zu erkennen: In den Ex-Trikots des SV Heimstetten spielen Bernhard Slawinskis Schützlinge.

Denn die Trikots, die es vor Ort gab, waren aus Baumwolle, »so ähnlich, wie es sie bei uns in den 80er Jahren gab.« Gerade bei der südafrikanischen Hitze waren die Trikots also schnell mit Schweiß vollgesogen, mit den neueren Trikots lässt es sich besser spielen.

Trikots des SV Heimstetten sind besonders begehrt

Besonders begehrt sind aber die Trikots, die ihm der SV Heimstetten zur Verfügung stellte: »Da ist nämlich richtige Trikotwerbung drauf. Jetzt meinen die Jungs, sie wären Profis«, freut sich Slawinski.

Er reist inzwischen zweimal im Jahr nach Südafrika, um weitere Ausrüstungen zu überbringen und zu sehen, was sich vor Ort so tut. Die Hilfe der Münchner Vereine ist sehr erfreulich, »aber manchmal ist es schon schwierig, das alles in den Reisekoffern unterzubringen. Vielleicht brauche ich später mal einen Sponsor für kleine Palettenlieferungen«, meint er.

Dennoch würde sich Slawinski auch über weitere Trikotsätze freuen. Wichtig dabei: Die Sportkleidung sollte noch in gutem Zustand sein »und möglichst komplett, denn auch dort spielt man mit elf gegen elf«, betont er. Vereine, die helfen wollen, können sich an Slawinski beim BFV (Brienner Str. 50, 80833 München) melden unter E-Mail: b.slawinski@fairplay-muenchen.de. who