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»Ein stummer Wettkampf«

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Dieter Mährle hat trotz aller Einschränkungen durch Corona noch Spaß am Kegeln.

Für die Sportkegler des Post-SV Traunstein ist nach zwei Spieltagen schon wieder eine Pause angesagt – bereits eine Woche vor den erneuten, bundesweiten Einschränkungen war die Spielzeit für die unteren Klassen bis zum 15. November unterbrochen worden, nachdem sie nach der Corona-Pause erst verspätet am 10. Oktober begonnen hatte. »Für den gesamten Kegelsport ist es momentan sehr schwierig«, sagt Dieter Mährle, Vorstand des Post-SV und Vizepräsident beim Bayerischen Sportkegler- und Bowlingverband (BSKV). Schließlich ist nach den deutschlandweiten Einschränkungen klar, dass im November nicht mehr gekegelt wird – und dann nur noch wenige Termine in diesem Jahr bleiben.


»Es gibt schon Pläne, die Punkterunde von Januar bis Juni zu spielen«, erklärt Dieter Mährle. »Ich glaube, dass wir heuer nicht mehr spielen. Aber es ist immer noch der Wille da, die Saison durchzuziehen und nicht frühzeitig abzubrechen.« Bei einer Umfrage hätten sich immerhin rund 80 Prozent der Kegler dafür ausgesprochen, weiterzumachen.

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Damit die Saison überhaupt beginnen konnte, gibt es nicht nur ein strenges Hygienekonzept, sondern auch Erleichterungen für die Vereine: Absteigen können die Mannschaften nicht, auch der vorzeitige Saisonabbruch eines Teams wird nicht bestraft. »Wir wollten keinen Zwang, spielen zu müssen«, betont Dieter Mährle. Rund 20 Prozent der Vereine hätten dennoch gleich ganz auf die Saison verzichtet. »Und es kommen immer noch mehr dazu«, weiß der BSKV-Vizepräsident. »Es gab laufend neue Spielabsagen.«

Ein Problem ist dabei die Altersstruktur im Kegeln. »Wir sind nicht mehr die Jüngsten«, sagt der 74-Jährige und lacht. Der Altersdurchschnitt im Verein liege bei knapp unter 60 Jahren. Um trotzdem Wettbewerbe austragen zu können, wurde die Zahl der Zuschauer begrenzt, es gilt eine Maskenpflicht für Zuschauer und Sportler bis zur Bahn, Startzeiten wurden entzerrt und Kugeln müssen immer wieder desinfiziert werden. »Wenn zwei Bahnen nebeneinander den gleichen Kugelrücklauf haben, gibt es für jede Bahn eine eigene Kugelfarbe, damit jeder Spieler nur seine Kugeln nimmt«, erläutert der Vereinsvorstand.

Zudem dürfen die Zuschauer die Spieler nun nicht mehr so laut anfeuern. »Es ist jetzt natürlich nicht mehr so lustig«, gibt Dieter Mährle, der auch Kegel-Abteilungsleiter ist, zu. »Es ist ein stummer Wettkampf und wenn man mal einen Neuner schiebt, dreht man sich manchmal um, um zu schauen, ob da wirklich noch jemand ist.« Auch die Geselligkeit fehlt. »Wenn eine Mannschaft fertig ist, soll sie so schnell wie möglich die Anlage verlassen.« Die Freude am Kegeln hat der 74-Jährige durch die Einschränkungen nicht verloren »Wenn man gerne kegelt, macht das schon noch Spaß und ist eine schöne sportliche Betätigung.«

Doch das sehen längst nicht alle Kegler so: Der Verband hat einen dringenden Appell an die Vereinsmitglieder gerichtet, dem Sport treu zu bleiben. »Wir befürchten bayernweit einen Rückgang der aktiven Keglerzahlen«, sagt Dieter Mährle. »Für manche Senioren ist diese Saison vielleicht ein Grund, nicht weiterzumachen, auch wenn das früher für viele nicht denkbar gewesen wäre.«

In dieser Corona-Saison fehlt aber nicht nur die Geselligkeit, auch sportlich müssen die Kegler Abstriche machen: Aufstiege sind in dieser Saison zwar weiterhin möglich, »wir halten aber auch keine internen Meisterschaften ab«, ergänzt Dieter Mährle. Und ob beispielsweise Bayerische Meisterschaften überhaupt stattfinden können, sei noch nicht klar. »Wir versuchen, zumindest die Punkterunde durchzuziehen. Ob das so klappt, wissen wir aber auch noch nicht.« jom

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